Ich muss mehr schlafen. Das nehme ich mir regelmäßig vor. Am besten sieben Stunden. Mindestens. Das Robert Koch-Institut hat in dieser Woche neue Zahlen zum Schlafverhalten in Deutschland veröffentlicht. Fast 40 Prozent der Erwachsenen schlafen an Wochentagen weniger als sieben Stunden.
Da bin ich also nicht allein. Das Problem beginnt oft schon mit dem Einschlafen. Vor allem, wenn ich am nächsten Morgen früh raus muss. Dann liege ich im Bett und rechne. Wenn ich jetzt einschlafe, habe ich noch sechs Stunden und 37 Minuten. Wenn ich jetzt einschlafe, sechs Stunden und 21. Irgendwann bin ich mit der Berechnung meiner verbleibenden Schlafzeit so beschäftigt, dass an Schlaf überhaupt nicht mehr zu denken ist.
Ich arbeite im Schichtdienst. Mein Biorhythmus leider nicht. Meine Arbeitszeiten wechseln oft im Wochenrhythmus. Mal muss ich sehr früh raus, mal kann ich länger schlafen, komme dann aber auch deutlich später ins Bett. Mein Körper muss sich regelmäßig umstellen. Jede Woche. Das ist immerhin auch eine Form von Regelmäßigkeit. Und für guten Schlaf wird die ja empfohlen: möglichst regelmäßige Schlafenszeiten.
Eine weitere Empfehlung: ein eher kühles Schlafzimmer. Auch gut. Hat nur in den vergangenen Wochen nicht so gut geklappt – Hitzewelle draußen, keine Klimaanlage drinnen.
Manchmal sind Empfehlungen vollkommen richtig und trotzdem möchte ich sagen: Danke. Ich gebe das an meinen Dienstplan, meinen Biorhythmus und an das Wetter weiter.
Das Schlafproblem bekümmert mich: Denn wenig Schlaf steht unter anderem mit Bluthochdruck in Zusammenhang und erhöht das Risiko für Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die psychische Gesundheit kann darunter leiden.
Das sind ziemlich gute Gründe, mehr zu schlafen. Das versuche ich ja dauernd. Ich tracke meinen Schlaf sogar. Mit einem Ring. Tagsüber trage ich eine Smartwatch, nachts den Ring, weil der weniger störend ist. Ich bin also praktisch rund um die Uhr unter Beobachtung – meiner eigenen. Morgens bekomme ich meine Schlafauswertung. Und die beeinflusst mich mehr, als mir lieb ist.
Manchmal wache ich auf und denke: Eigentlich ganz gut geschlafen. Dann sagt mein Ring: schlechte Erholung. Und plötzlich fühle ich mich auch schlecht. Oder ich wache auf, fühle mich völlig gerädert und mein Ring sagt: gute Schlafqualität. Ach so. Dann geht's mir wohl gut. Aber vielleicht zeigt es auch, was für ein Verhältnis ich inzwischen zu meinem Schlaf habe. Ich schlafe zu wenig und versuche gleichzeitig, den wenigen Schlaf, den ich bekomme, möglichst perfekt zu machen. Tiefschlaf, Traum-Phasen, Puls, Erholung. Am Ende gibt es eine Punktzahl meiner Schlaf-App. Dabei ist Schlaf eigentlich eine der wenigen Sachen im Leben, bei denen ich überhaupt nichts leisten muss.
Vielleicht sollte ich also weniger darüber nachdenken, wie gut ich schlafe, und einfach mehr schlafen. Ich könnte früher ins Bett gehen. Handy weg. Licht aus. Augen zu. Möglichst regelmäßig natürlich. Und möglichst kühl. Das mit der Regelmäßigkeit wird im Schichtdienst schwierig. Das mit den kühlen Temperaturen ist in diesen Tagen immerhin machbar.
Ich werde es also mal wieder versuchen. Sieben Stunden wären drin. Wenn ich sofort einschlafe, habe ich noch sechs Stunden und 37 Minuten. Wenn ich jetzt einschlafe, sechs Stunden und 21. Wenn ich sofort einschlafe, sechs Stunden und 13 Minuten …