Der tödliche Angriff auf einen Bahnmitarbeiter bei Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz sorgt für Diskussionen über Sicherheitsmaßnahmen in Zügen. Unter anderem mehr Personal oder Bodycams sollen die Sicherheit erhöhen.
Bahn-Chefin Evelyn Palla hat inzwischen einen Sicherheitsgipfel angekündigt. Es müssten alle Vertreter, die mit Sicherheitskonzepten bei der Eisenbahn betraut seien, an einen Tisch geholt werden, so Palla. Die Einladung werde in den nächsten Tagen erfolgen. Es sei jetzt Zeit, zu handeln und Maßnahmen zu ergreifen.
- Bundesverkehrsminister zu Gesprächen in Mannheim
- Sicherheit in Bus und Bahn in Baden-Württemberg
- Einsatz von Bodycams in der Bahn gefordert
- Bodycams in Regionalzügen in BW bereits im Einsatz
- Übergriffe auf Bahnmitarbeiter nehmen zu
Bundesverkehrsminister zu Gesprächen in Mannheim
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat am Donnerstag in Mannheim mit Kollegen des getöteten Zugbegleiters, Vertretern der DB Regio sowie Gewerkschaftsvertretern gesprochen. Dabei sei es auch um mögliche Sicherheitsvorkehrungen gegangen, erklärte er im Anschluss.
Es gebe eine Reihe von Vorschlägen, die man prüfen müsse, so Schnieder: "Muss ein Mitarbeiter alleine im Zug unterwegs sein oder können das mehrere sein? Wie sieht das mit Sicherheitspersonal aus? Wie sieht das mit technischen Ausrüstungen aus?". Zudem gehe es auch um die Frage nach Bodycams oder Tonaufnahmen, wobei aber auch Fragen des Datenschutzes eine Rolle spielten, erklärte Schnieder.
Am Donnerstagnachmittag wurde außerdem angekündigt, dass die Verkehrsminister der Länder nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter bei einem Treffen Ende März über mehr Schutz für Mitarbeiter im Nahverkehr beraten wollen.
Sicherheit in Bus und Bahn in Baden-Württemberg
Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erklärte gegenüber dem SWR, man müsse den aktuellen Vorfall genau anschauen und analysieren. Dabei müsse geklärt werden, ob es Sicherheitslücken gebe und was getan werden muss, um einen solchen Vorfall in Zukunft verhindern zu können.
In Baden-Württemberg sei die Zahl der begleiteten Zugfahrten in den letzten Jahren bereits erhöht worden. Zudem sei zu bestimmten Tageszeiten oder zu besonderen Anlässen wie Fußballspielen Sicherheitspersonal im öffentlichen Nahverkehr unterwegs, so Hermann. Polizei- und Kriminalbeamte könnten außerdem umsonst im öffentlichen Nahverkehr mitfahren. Sie müssten sich dann allerdings in so einen Fall auch zeigen und eingreifen.
Also wir haben einiges getan, aber man muss sich überlegen, was kann man noch mehr machen.
Grundsätzlich sei in Baden-Württemberg bereits einiges für die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr getan worden. Man müsse aber auch über weitere Maßnahmen wie beispielsweise Bodycams oder eine grundsätzliche Doppelbesetzung nachdenken. Die knappen finanziellen Mittel für den öffentlichen Nahverkehr führten jedoch dazu, dass versucht werde, dort Kosten zu senken - und Sicherheitskosten seien eben zusätzliche Kosten, so Hermann.
Nach tödlichen Schüssen in Frankfurt Mehr Kriminalität an Bahnhöfen: So sollen Bahnhöfe und Züge sicherer werden
Die Gewalttat am Frankfurter Hauptbahnhof schockiert. Zwar handelte es sich wohl um einen gezielten Anschlag, trotzdem wirft die Tat Fragen nach der Sicherheit an Bahnhöfen auf.
Einsatz von Bodycams in der Bahn gefordert
Neben den beiden Verkehrsministern macht sich auch der Betriebsratschef im DB-Regionalverkehr, Ralf Dahmde für Bodycams stark und fordert Kameras mit Tonfunktion. Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter sagte er dem WDR: "Wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt und nicht nur das Filmmaterial." Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass der Datenschutz dem entgegenstehen solle.
Auch der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, sprach sich im Gespräch mit dem SWR für Bodycams mit Tonfunktion aus. 82 Prozent der Bahnmitarbeiter hätten schon einen Übergriff erlebt und ein Drittel ginge mit Angst zur Arbeit, so der Gewerkschafter. Mit Blick auf die Kosten für Bodycams und zusätzliches Personal sagte Burkert: "Sicherheit ist nicht verhandelbar."
EVG-Chef Martin Burkert im Gespräch mit SWR-Aktuell-Moderator Georg Bruder:
Bodycams in Regionalzügen in BW bereits im Einsatz
In Regionalzügen in Baden-Württemberg sind Bahn-Mitarbeiter auf bestimmten Strecken bereits mit Bodycams ausgestattet. Im vergangenen Jahr wurde die Zahl der Zugverbindungen im Land, bei denen Mitarbeiter Bodycams tragen, noch einmal erhöht.
Damals sprach die Bahn davon, dass sich Reisende und besonders das Zugpersonal dadurch sicherer fühlten. Außerdem hätten die Kameras eine deeskalierende Wirkung und würden Strafverfolgungsbehörden wertvolles Beweismaterial liefern. Die Bahnmitarbeiter nutzen die Technik den Angaben zufolge auf freiwilliger Basis. Die Kamera werde dabei gut sichtbar vorn am Oberkörper getragen und lediglich dann eingeschaltet, wenn eine Situation zu eskalieren drohe - beispielsweise bei einer Fahrkartenkontrolle.
Übergriffe auf Bahnmitarbeiter nehmen zu
Übergriffe auf Bahnmitarbeiter nehmen nach Angaben der Bahn seit Jahren zu. "Bei Fahrkartenkontrollen, bei der Durchsetzung des Hausrechts sowie am Rande von Volksfesten, Großveranstaltungen und Fußballspielen kommt es immer wieder zu verbalen und tätlichen Übergriffen gegen DB-Mitarbeitende", so ein Bahnsprecher.
Die Gewerkschaft EVG fordert als Konsequenz aus dem tödlichen Angriff vom Dienstag, dass in Nahverkehrszügen die Bundesländer künftig immer mindestens zwei Zugbegleiter an Bord vorschreiben und im Fernverkehr Bundespolizisten mitfahren.
Straftaten im öffentlichen Nahverkehr in BW
Die Zahl der Straftaten im öffentlichen Nahverkehr - also in Bussen und Straßenbahnen - hat im Jahr 2024 in Baden-Württemberg ebenfalls leicht zugenommen. Laut Innenministerium hat es rund 250 Straftaten gegeben, überwiegend handelte es sich demnach dabei um Messerangriffe.
Für das Jahr 2025 erwartete das Innenministerium im November einen weiteren Anstieg bei Messerangriffen, bei Straftaten mit Schusswaffen im öffentlichen Nahverkehr dagegen einen leichten Rückgang. Die genauen Zahlen für das Jahr 2025 liegen nach Angaben Ministeriums derzeit noch nicht vor.