"Dramatische Entwicklung"

Bauwirtschaft rechnet in BW mit einem "dunklen und trüben Jahr 2025"

Die wirtschaftliche Lage der Bauwirtschaft in BW hat sich vergangenes Jahr weiter verschlechtert. Eine Erholung wird 2025 nicht erwartet, das hat auch Folgen für Beschäftigte.

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Von Autor/in Sabine Geipel

Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg erwartet auch in diesem Jahr keine Kehrtwende. Denn die wirtschaftliche Situation der Branche im Land hat sich im vergangenen Jahr weiter verschlechtert. Wie der Branchenverband heute mitteilte, sind die Umsätze im Bauhauptgewerbe von Januar bis November (über alle Branchen hinweg) gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,6 Prozent auf rund 14,4 Milliarden Euro gesunken.

Existentieller Auftragseinbruch beim Wohnungsbau

Den größten Rückgang gab es im Wohnungsbau mit einem Umsatzminus von fast 13 Prozent. Hier spricht Markus Böll, der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, von einer "dramatischen Entwicklung, die die gesamte Branche nach unten zieht". Der Auftragseingang mit einem Minus von fünfeinhalb Prozent sei eklatant und zeige, dass sich die Situation in diesem Jahr kaum verbessern werde. Man rechne mit einem "dunklen und trüben Jahr 2025", so Böll. Im Wirtschaftsbau und im öffentlichen Bau sei zwar noch ein leichtes Umsatzplus erwirtschaftet worden – die Dynamik habe aber nachgelassen, fügte er hinzu.

Das ist eine dramatische Entwicklung, die die Branche nach unten zieht.

Bauwirtschaft berichtet von 50 Prozent mehr Kurzarbeit

Das hat Folgen für die Beschäftigten – es gebe bereits 50 Prozent mehr Kurzarbeit als vor einem Jahr, die Zahl der Firmeninsolvenzen sei gestiegen und, wenn auch eher in geringem Maße, die Zahl der Arbeitslosen, so Böll. Bauwirtschafts-Vizepräsidentin Sabine Schmucker kritisierte den Investitionsstau in der Verkehrsinfrastruktur, nicht zuletzt durch das Ampel-Aus.

 Markus Böll ist der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Sein Verband vertritt rund 1.700 Betriebe mit etwa 46.000 Beschäftigten, die meist in den Sparten Hochbau, Tief- und Stra­ßen­bau und Ausbau arbeiten.
Markus Böll vertritt als Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg rund 1.700 Betriebe mit 46.000 Beschäftigten.

Zahl der genehmigten Wohnungen ging 2024 zurück

Jährlich müssten in Baden-Württemberg 100 Brücken erneuert werden, geschafft habe man im vergangenen Jahr noch nicht einmal zehn, berichtete Schmucker. Am größten sei der Bedarf in Freiburg: Hier müssten 18 Bundes- und 17 Landesbrücken saniert werden. Insgesamt drohe in den nächsten zehn Jahren 1.700 Brücken in Baden-Württemberg die Sperrung, sollte das Sanierungstempo nicht deutlich erhöht werden, so Schmucker.

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Die anhaltende Talfahrt zeigt sich auch an den Neubaugenehmigungen. Diese sind laut Branchenverband von Januar bis November 2024 weiter eingebrochen. Von den Bauämtern bewilligt wurden in dieser Zeit nach Angaben des Statistischen Landesamtes im Neubau fast 6.100 Wohnhäuser und mehr als 2.450 Nichtwohngebäude – dazu gehören unter anderem Bürohäuser oder Verwaltungsgebäude. Das ist gut ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der genehmigten Wohnungen sank ebenfalls. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2021 wurden im Land insgesamt noch gut 20.000 Gebäude genehmigt.

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Autor/in
Sabine Geipel
SWR Wirtschaftsredakteurin Sabine Geipel
Onlinefassung
Nicolas Friese