Große Brauerei in Mannheim insolvent

So stemmen sich Brauereien in BW gegen die Krise

Die Traditionsbrauerei Eichbaum hat Insolvenz angemeldet. Bier mit Alkohol geht in Deutschland immer seltener über den Tresen. Was können Brauereien tun, um erfolgreich zu bleiben?

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Mit der Insolvenz der Mannheimer Brauerei Eichbaum zeigt sich, wie schwierig es um die Brauereien in Baden-Württemberg steht. Nicht nur junge Menschen trinken immer weniger Alkohol. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol lag im Jahr 2000 bei zwölf Litern, aktuell sind es 8,5 Liter. Den Trend merken auch die Brauereien im Land. Doch einen Einbruch wie in der ersten Hälfte dieses Jahres haben die Brauer bundesweit noch nicht erlebt.

Die Grafik auf dem Bild zeigt den gesunkenen Bierkonsum.
Während 2013 noch rund 107 Liter Bier pro Kopf im Jahr getrunken wurden, waren es 2023 nur noch 88 Liter.

3,9 Milliarden Liter Bier mit Alkohol bedeuten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Rückgang um 6,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Ähnliche Rückschläge hatte es nur zu Beginn der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 und im zweiten Halbjahr 2023 gegeben. 

Alkoholfreies Bier und Biermischgetränke werden beliebter

Alkoholfreies Bier liegt dagegen voll im Trend. Der Konsum ist in den letzten Jahren fast kontinuierlich gestiegen. Brauereien passen sich entsprechend an: Die Produktion von alkoholfreiem Bier hat sich seit 2013 laut Statistischem Bundesamt in nur 10 Jahren mehr als verdoppelt.  

Neben dem sinkenden Alkoholkonsum gibt es weitere Herausforderungen für Brauereien, beispielsweise die Umstellung auf klimaneutrales Brauen. Das hinterlässt Spuren: In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Brauereien in Deutschland um 93 auf 1.459 gesunken. Baden-Württemberg hat nach Bayern die meisten Brauereien und ist damit besonders betroffen.

So gehen die Brauereien in BW mit der Krise um

Einige Brauereien denken jetzt um, denn selbst in einem traditionsreichen Gewerbe lohnt es sich manchmal, etwas Neues auszuprobieren. Seit 1654 gibt es in Nagold-Hochdorf die Hochdorfer Kronenbrauerei. Ein echtes Familienunternehmen, das mittlerweile schon in der zwölften Generation geführt wird, aktuell von Eberhard Haizmann und seiner Tochter Katharina.

Das Eingangstor der Hochdorfer Kronenbrauerei.
Die Hochdorfer Kronenbrauerei.

Weil immer weniger Alkohol getrunken wird, hat die Familie zwei Jahre lang an einem Verfahren getüftelt, um auch alkoholfreies Bier herzustellen. Sie hat dafür rund 800.000 Euro investiert. Schon vor einigen Jahren habe man die Entwicklung absehen können und deshalb früh auf alkoholfreies Bier gesetzt.

"Da war vor vielen Jahren schon eine große Skepsis da, aber man hat ja die Entwicklung gesehen, wo es hingeht, und da waren wir relativ früh dran mit dem alkoholfreien Bier, so ungefähr sechs, acht Jahre machen wir das jetzt schon."

Eberhard Haizmann, Geschäftsführer Hochdorfer Kronenbrauerei, steht in der Produktion.
Eberhard Haizmann, Geschäftsführer des Familienunternehmens.

Mit spezieller Hefe und starker Kälte, die die alkoholische Gärung hemmt, werden verschiedene alkoholfreie Sorten hergestellt. Der nächste Schritt ist wieder genau wie beim alkoholischen Bier. Gereinigte Mehrwegflaschen werden befüllt, verschlossen und etikettiert. Obwohl das fast vollständig automatisierte Verfahren viel Energie braucht, ist die Brauerei dank Photovoltaik und regionalen Rohstoffen klimaneutral.

Alkoholfreie Getränke verkaufen sich gut

Die fertigen Getränke werden verpackt und an den regionalen Handel und die Gastronomie geliefert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Absatz an alkoholfreien Getränken um 25 Prozent gestiegen. Mittlerweile sind fünf alkoholfreie Produkte im Sortiment.

Ob mit oder ohne Alkohol, Eberhard und Katharina Haizmann sind sich sicher: Bier gibt es seit Tausenden Jahren und es wird auch noch in ausend Jahren getrunken.

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