Insolvenz angemeldet - Mitarbeiter "am Boden zerstört"

Eichbaum-Brauerei: Sachwalter sieht Chance zur Rettung

Der Sachwalter der Privatbrauerei Eichbaum sieht Chancen, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Eichbaum hatte Insolvenz anmelden müssen.

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Stand

Die Pläne des Unternehmens für eine Konsolidierung im eigenverwalteten Insolvenzverfahren seien "plausibel" und "nachvollziehbar". Das sagte der Mannheimer Rechtsanwalt und vorläufige Sachwalter Thomas Oberle dem SWR nach einem Treffen mit der Geschäftsleitung von Eichbaum am Donnerstag.

Die Insolvenzmasse sei nach seinem ersten Eindruck groß genug, um das Unternehmen zu retten. Das Amtsgericht hat am Mittwoch auf Antrag des Unternehmens die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet.

Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bedeutet, dass die Geschäftsführung im Amt bleibt und der Sachwalter über die Interessen der Gläubiger wacht. In rund zwei Monaten könnte nach dem jetzt gestarteten Eröffnungsverfahren das eigentliche Insolvenzverfahren beginnen, so Thomas Oberle. Eichbaum sei vor allem durch Lieferausfälle nach Russland und China in die roten Zahlen gerutscht. Die Geschäftsführung selbst hat sich auf eine SWR-Anfrage bislang nicht geäußert.

Insolvenz von Eichbaum - Mitarbeiter sind "am Boden zerstört"

Bei der Betriebsversammlung am Dienstag war die Geschäftsleitung selbst nicht anwesend, sagte ein Sprecher des Betriebsrates. Die Nachricht sei bei der Belegschaft "wie eine Bombe eingeschlagen". Das zeigt auch eine SWR-Umfrage unter Mitarbeitern am Donnerstagnachmittag. "Es ist schon erbärmlich, dass von der Geschäftsführung keine Informationen kommen. Wo man uns sagt, welchen Weg wir zusammen gemeinsam gehen wollen oder sollen", sagte ein Mitarbeiter dem SWR.

Für uns Mitarbeiter ist das eine Katastrophe. Wir sind am Boden zerstört. Hier geht es um Existenzen.

Insolvenz nach Verkauf der Traditionsmarke "Karamalz"

Erst vor einer Woche war bekannt geworden, dass Eichbaum seine Traditionsmarke "Karamalz" samt der Produktion an Veltins verkauft hat. Die Erlöse daraus haben aber offenbar nicht gereicht, die finanzielle Schieflage des Unternehmens zu beenden.

Der Verkauf sei zu spät gekommen, so der Sprecher des Betriebsrates. Trotzdem müsse keiner der rund 300 Beschäftigten seinen Job verlieren, denn: Es gebe Möglichkeiten, das Unternehmen zu retten.

Die Menschen wollen, dass die Geschäftsführung hier eine Möglichkeit schafft, dass der Standort erhalten bleibt.

Mannheim

Malzgetränk-Produktion bald im Sauerland Mannheimer Brauerei Eichbaum verkauft "Karamalz" an Veltins

Die Mannheimer Privatbrauerei Eichbaum verkauft ihre Traditionsmarke "Karamalz" mit sofortiger Wirkung an Veltins. Das teilte die Brauerei aus dem Sauerland am Montag mit.

Gewerkschaft NGG erwartet Transparenz der Arbeitgeber

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) teilte auf SWR-Anfrage mit, dass man an den Standort der Eichbaum-Brauerei in Mannheim glaube - "vor allem wegen der engagierten Belegschaft".

NGG erwarte nun volle Transparenz von der Arbeitgeberseite. Die Sicherung der Arbeitsplätze für die Beschäftigten müsse oberste Priorität haben. "Einseitige Entscheidungen auf Kosten der Beschäftigten sind nicht akzeptabel und werden wir nicht hinnehmen", heißt es von der Gewerkschaft.

Wir fordern den Arbeitgeber zu einer konstruktiven Zusammenarbeit auf - (...) um gemeinsam tragfähige Lösungen für die Zukunft des Standorts zu entwickeln.

Wirtschaftliche Tiefschläge

Die Eichbaum-Brauerei ist im Jahr 1679 gegründet worden und damit das älteste noch existierende Unternehmen Mannheims. Nach einer Konsolidierungsphase in den frühen 2000er Jahren und erheblichen Ausgleichszahlungen durch SAP-Gründer Dietmar Hopp unter dem Dach der Actris-Gruppe war der Unternehmenssitz ab 2010 als Privatbrauerei Eichbaum wieder in Mannheim.

Eichbaum hatte in den vergangenen Jahren mehrere Tiefschläge zu verkraften: Die Umsätze im Gastronomievertrieb brachen während der Corona-Pandemie um fast die Hälfte ein. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine fiel in der Folge auch das gut laufende Russlandgeschäft weitgehend weg, hatten Kenner des Unternehmens dem SWR bereits bestätigt. Die Eichbaum-Brauerei ist zwar in Deutschland vor allem in der Region bedeutsam, aber auch ein exportorientiertes Unternehmen mit Absatzmärkten in 65 Ländern.

"Karamalz"-Verkauf als Notmaßnahme

Auch die Exporte nach China hätten starke Einbußen zu verzeichnen, ebenso in den Nahen Osten, wo alkoholfreies Bier oder Bierprodukte gut verkauft wurden, so die Einschätzung der Unternehmenslage nach SWR-Informationen. Dass die "Cash Cow" von Eichbaum, die Marke "Karamalz" und demnächst auch die Produktion des Malzbieres zu "Veltins" ins Sauerland geht, wird von Branchenkennern als "verzweifelter Versuch" gewertet, sich Luft zu verschaffen.

Der Biermarkt in Deutschland schrumpft ohnehin, vor allem von alkoholhaltigem Bier. Zwischenzeitlich wraen alkoholfreie Biergetränke ein zweites Standbein von Eichbaum. Sie stießen aber in dem Marktsegment zunehmend auf Konkurrenz. Die Privatbrauerei Eichbaum hat einen Bierausstoß von rund 1,8 Millionen Hektolitern pro Jahr und ist von Großkonzernen unabhängig.

Eppingen

Dampfversorgung, Kälteanlage und alkoholfreies Bier Brauereisterben? Palmbräu aus Eppingen investiert Millionenbetrag

Während immer wieder Brauereien in Deutschland schließen müssen, investiert Palmbräu in Eppingen einen Millionenbetrag und baut unter anderem eine Produktion für alkoholfreies Bier.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Sarah Hennings
Sarah Hennings, SWR Studio Mannheim
Esther Uhrig
Esther Uhrig
Christian Scharff
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