Bierbranche in BW

FAQ zu Brauereien in der Krise: Mehr Insolvenzen, neue Perspektiven

Weil immer weniger Bier getrunken wird, haben viele Brauereien Probleme. Auch Mannheims Brauerei Eichbaum hat Insolvenz angemeldet. Ein Überblick über die Zukunft der Bierbranche.

Teilen

Stand

Von Autor/in Andreas Reinhardt, Christian Scharff, Esther Uhrig, Sarah Hennings

Die Insolvenz der Traditionsbrauerei Eichbaum aus Mannheim war ein Schock für die Belegschaft und die Region. In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken und die Brauereien stellt das vor große Herausforderungen. Immer mehr müssen aufgeben. Ein Überblick über die Ursachen der Krise und die Chancen in der Zukunft.

Weniger Bierkonsum stellt Betriebe vor Herausforderung

Obwohl es nach wie vor zum Alltag gehört, dass viele Menschen nach Feierabend noch ein Bier trinken, zeigt die Statistik des Deutschen Brauer-Bundes (DBB), dass der Konsum zurückgeht. Während 2017 noch durchschnittlich circa 100 Liter Bier pro Person getrunken wurde, sind es im vergangenen Jahr nur noch 88 Liter gewesen.

Die Tendenz ist weiter rückläufig und passt ins Gesamtbild. Denn in vielen Ländern in Europa wird immer weniger Bier getrunken.

Ein Grund für den Rückgang könnte laut DBB der demografische Wandel sein. Die Gesellschaft werde immer älter und der Trend gehe immer mehr zu Gesundheit und Wellness. Zusammen mit einer generellen Konsumzurückhaltung führe das dazu, dass der Biermarkt schrumpfe.

In den vergangenen fünf Jahren haben laut DBB in Deutschland mehr als 90 Brauereien geschlossen. Auch in Baden-Württemberg haben einige Brauereien aufhören müssen. Die Traditionsbrauerei Eichbaum aus Mannheim musste vor kurzem Insolvenz anmelden und kämpft ums Überleben.

Eichbaum-Beschäftigte kämpfen um Standort

Die gute Nachricht für Eichbaum: Der Sachwalter der Privatbrauerei sieht Chancen, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Die Pläne des Unternehmens für eine Konsolidierung im eigenverwalteten Insolvenzverfahren seien "plausibel" und "nachvollziehbar". Das sagte der Mannheimer Rechtsanwalt und vorläufige Sachwalter Thomas Oberle dem SWR nach einem Treffen mit der Geschäftsleitung von Eichbaum am Donnerstag.

Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) stellt sich klar hinter die Beschäftigten. "Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von Eichbaum werden wir für den Erhalt des Standorts in Mannheim und jeden einzelnen der rund 300 Arbeitsplätze in Produktion, Verwaltung und Vertrieb kämpfen", so Hakan Ulucay, NGG-Landesbezirksvorsitzender in einer Pressemitteilung.

Höhere Kosten belasten Brauereien

Neben der Flaute beim Bierkonsum nennt der DBB auch die Energiekosten als weiteren Grund für den Rückzug der Brauereien. Das Brauen, Abkühlen und die Reinigung der Flaschen koste viel Geld. Um bis 2045 klimaneutral zu sein, bedürfe es großer Investitionen.

"Wer eine Brauerei von Gas auf Strom umstellt, muss die Anlagen zu 80 Prozent neu bauen, wobei manche der benötigten neuen Technologien noch gar nicht entwickelt sind", so DBB-Präsident Christian Weber. 

Heilbronn

Von einer Krise in die nächste - auch in BW Wenn der Zapfhahn versiegt: Immer mehr Brauereien machen dicht

Der Bierdurst der Deutschen und Baden-Württemberger nimmt ab – und damit auch die Zahl an Brauereien. Gründe gibt es einige, die der Deutsche Brauer-Bund nennt.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Craftbier-Boom ist vorbei

Lange wurde die Zahl der Brauereien immer größer, vor allem kleine Betriebe nutzten den Craftbier-Boom, um in die Branche einzusteigen. Seit der Corona-Krise ist dieser Trend laut DBB aber rückläufig. Vor allem die handwerklichen und kleinen Betriebe leiden darunter.

Laut Braumeister Thomas Wachno von der Häffner Brauerei in Bad Rappenau ist der Craftbier-Boom vorbei. Auch die Brauerei Distelhäuser aus Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis) bemerkte im vergangenen Jahr eine Zurückhaltung bei den Kundinnen und Kunden.

Generell ist laut Geschäftsführer Christoph Ebers der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol seit 1993 rückläufig. Zudem sei der ganze Bereich Rohstoffe in den vergangenen Jahren spürbar teurer geworden.

Situation in Baden-Württemberg: große Konkurrenz

In Heilbronn-Franken gibt es über ein Dutzend Brauereien, darunter auch kleinere Hausbrauereien. Rund 70 Prozent aller deutschen Brauereien haben in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ihren Sitz. In Baden-Württemberg ist die Branche besonders mittelständisch geprägt - es gibt auch viele Traditionsbetriebe.

Die vielen Brauereien sorgen für große Konkurrenz. Das bringt auch niedrige Preise mit sich. Viele Statistiken zeigen, dass Deutschland einer der günstigsten Orte ist, um Bier zu kaufen.

Gleichzeitig drückt das die Margen der Hersteller und sorgt dafür, dass sie sich neu erfinden müssen, um am Markt zu bestehen.

Zukunftschance: alkoholfreie Getränke

Eine Chance für die Brauereien ist beispielsweise alkoholfreies Bier. Das liegt voll im Trend. Einige Brauereien denken jetzt um, denn selbst in einem traditionsreichen Gewerbe lohnt es sich manchmal, etwas Neues auszuprobieren.

Seit 1654 gibt es in Nagold-Hochdorf die Hochdorfer Kronenbrauerei. Ein echtes Familienunternehmen, das mittlerweile schon in der zwölften Generation geführt wird - aktuell von Eberhard Haizmann und seiner Tochter Katharina.

Weil immer weniger Alkohol getrunken wird, hat die Familie zwei Jahre lang an einem Verfahren getüftelt, um auch alkoholfreies Bier herzustellen. Mit spezieller Hefe und starker Kälte, die die alkoholische Gärung hemmt, werden verschiedene alkoholfreie Sorten hergestellt. Die fertigen Getränke werden verpackt und an den regionalen Handel und die Gastronomie geliefert.

Die Grafik auf dem Bild zeigt den gesunkenen Bierkonsum.
Während 2013 noch rund 107 Liter Bier pro Kopf im Jahr getrunken wurden, waren es 2023 nur noch 88 Liter.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Absatz an alkoholfreien Getränken um 25 Prozent gestiegen. Mittlerweile sind bei der Hochdorfer Kronenbrauerei fünf alkoholfreie Produkte im Sortiment.

Der Konsum von alkoholfreiem Bier ist in den letzten Jahren fast kontinuierlich gestiegen. Brauereien passen sich entsprechend an: Die Produktion von alkoholfreiem Bier hat sich seit 2013 laut Statistischem Bundesamt in nur zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Mannheim

Insolvenz angemeldet - Mitarbeiter "am Boden zerstört" Eichbaum-Brauerei: Sachwalter sieht Chance zur Rettung

Die Mannheimer Eichbaum-Brauerei ist insolvent. Das Amtsgericht Mannheim hat nach eigenen Angaben am Mittwoch die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Eppingen

Dampfversorgung, Kälteanlage und alkoholfreies Bier Brauereisterben? Palmbräu aus Eppingen investiert Millionenbetrag

Während immer wieder Brauereien in Deutschland schließen müssen, investiert Palmbräu in Eppingen einen Millionenbetrag und baut unter anderem eine Produktion für alkoholfreies Bier.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Andreas Reinhardt
Bild von Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt
Christian Scharff
Christian Scharff
Esther Uhrig
Esther Uhrig
Sarah Hennings
Sarah Hennings, SWR Studio Mannheim
Onlinefassung
Marcel Fehr
Marcel Fehr auf der CMT

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!