Die Insolvenz der Traditionsbrauerei Eichbaum aus Mannheim war ein Schock für die Belegschaft und die Region. In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken und die Brauereien stellt das vor große Herausforderungen. Immer mehr müssen aufgeben. Ein Überblick über die Ursachen der Krise und die Chancen in der Zukunft.
- Weniger Bierkonsum stellt Betriebe vor Herausforderung
- Eichbaum-Beschäftigte kämpfen um Standort
- Höhere Kosten belasten Brauereien
- Craftbier-Boom ist vorbei
- Situation in Baden-Württemberg: große Konkurrenz
- Zukunftschance: alkoholfreie Getränke
Weniger Bierkonsum stellt Betriebe vor Herausforderung
Obwohl es nach wie vor zum Alltag gehört, dass viele Menschen nach Feierabend noch ein Bier trinken, zeigt die Statistik des Deutschen Brauer-Bundes (DBB), dass der Konsum zurückgeht. Während 2017 noch durchschnittlich circa 100 Liter Bier pro Person getrunken wurde, sind es im vergangenen Jahr nur noch 88 Liter gewesen.
Die Tendenz ist weiter rückläufig und passt ins Gesamtbild. Denn in vielen Ländern in Europa wird immer weniger Bier getrunken.
Ein Grund für den Rückgang könnte laut DBB der demografische Wandel sein. Die Gesellschaft werde immer älter und der Trend gehe immer mehr zu Gesundheit und Wellness. Zusammen mit einer generellen Konsumzurückhaltung führe das dazu, dass der Biermarkt schrumpfe.
In den vergangenen fünf Jahren haben laut DBB in Deutschland mehr als 90 Brauereien geschlossen. Auch in Baden-Württemberg haben einige Brauereien aufhören müssen. Die Traditionsbrauerei Eichbaum aus Mannheim musste vor kurzem Insolvenz anmelden und kämpft ums Überleben.
Eichbaum-Beschäftigte kämpfen um Standort
Die gute Nachricht für Eichbaum: Der Sachwalter der Privatbrauerei sieht Chancen, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Die Pläne des Unternehmens für eine Konsolidierung im eigenverwalteten Insolvenzverfahren seien "plausibel" und "nachvollziehbar". Das sagte der Mannheimer Rechtsanwalt und vorläufige Sachwalter Thomas Oberle dem SWR nach einem Treffen mit der Geschäftsleitung von Eichbaum am Donnerstag.
Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) stellt sich klar hinter die Beschäftigten. "Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von Eichbaum werden wir für den Erhalt des Standorts in Mannheim und jeden einzelnen der rund 300 Arbeitsplätze in Produktion, Verwaltung und Vertrieb kämpfen", so Hakan Ulucay, NGG-Landesbezirksvorsitzender in einer Pressemitteilung.
Höhere Kosten belasten Brauereien
Neben der Flaute beim Bierkonsum nennt der DBB auch die Energiekosten als weiteren Grund für den Rückzug der Brauereien. Das Brauen, Abkühlen und die Reinigung der Flaschen koste viel Geld. Um bis 2045 klimaneutral zu sein, bedürfe es großer Investitionen.
"Wer eine Brauerei von Gas auf Strom umstellt, muss die Anlagen zu 80 Prozent neu bauen, wobei manche der benötigten neuen Technologien noch gar nicht entwickelt sind", so DBB-Präsident Christian Weber.
Von einer Krise in die nächste - auch in BW Wenn der Zapfhahn versiegt: Immer mehr Brauereien machen dicht
Der Bierdurst der Deutschen und Baden-Württemberger nimmt ab – und damit auch die Zahl an Brauereien. Gründe gibt es einige, die der Deutsche Brauer-Bund nennt.
Craftbier-Boom ist vorbei
Lange wurde die Zahl der Brauereien immer größer, vor allem kleine Betriebe nutzten den Craftbier-Boom, um in die Branche einzusteigen. Seit der Corona-Krise ist dieser Trend laut DBB aber rückläufig. Vor allem die handwerklichen und kleinen Betriebe leiden darunter.
Laut Braumeister Thomas Wachno von der Häffner Brauerei in Bad Rappenau ist der Craftbier-Boom vorbei. Auch die Brauerei Distelhäuser aus Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis) bemerkte im vergangenen Jahr eine Zurückhaltung bei den Kundinnen und Kunden.
Generell ist laut Geschäftsführer Christoph Ebers der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol seit 1993 rückläufig. Zudem sei der ganze Bereich Rohstoffe in den vergangenen Jahren spürbar teurer geworden.
Situation in Baden-Württemberg: große Konkurrenz
In Heilbronn-Franken gibt es über ein Dutzend Brauereien, darunter auch kleinere Hausbrauereien. Rund 70 Prozent aller deutschen Brauereien haben in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ihren Sitz. In Baden-Württemberg ist die Branche besonders mittelständisch geprägt - es gibt auch viele Traditionsbetriebe.
Die vielen Brauereien sorgen für große Konkurrenz. Das bringt auch niedrige Preise mit sich. Viele Statistiken zeigen, dass Deutschland einer der günstigsten Orte ist, um Bier zu kaufen.
Gleichzeitig drückt das die Margen der Hersteller und sorgt dafür, dass sie sich neu erfinden müssen, um am Markt zu bestehen.
Zukunftschance: alkoholfreie Getränke
Eine Chance für die Brauereien ist beispielsweise alkoholfreies Bier. Das liegt voll im Trend. Einige Brauereien denken jetzt um, denn selbst in einem traditionsreichen Gewerbe lohnt es sich manchmal, etwas Neues auszuprobieren.
Seit 1654 gibt es in Nagold-Hochdorf die Hochdorfer Kronenbrauerei. Ein echtes Familienunternehmen, das mittlerweile schon in der zwölften Generation geführt wird - aktuell von Eberhard Haizmann und seiner Tochter Katharina.
Weil immer weniger Alkohol getrunken wird, hat die Familie zwei Jahre lang an einem Verfahren getüftelt, um auch alkoholfreies Bier herzustellen. Mit spezieller Hefe und starker Kälte, die die alkoholische Gärung hemmt, werden verschiedene alkoholfreie Sorten hergestellt. Die fertigen Getränke werden verpackt und an den regionalen Handel und die Gastronomie geliefert.
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Absatz an alkoholfreien Getränken um 25 Prozent gestiegen. Mittlerweile sind bei der Hochdorfer Kronenbrauerei fünf alkoholfreie Produkte im Sortiment.
Der Konsum von alkoholfreiem Bier ist in den letzten Jahren fast kontinuierlich gestiegen. Brauereien passen sich entsprechend an: Die Produktion von alkoholfreiem Bier hat sich seit 2013 laut Statistischem Bundesamt in nur zehn Jahren mehr als verdoppelt.