Dass der Verband der Familienunternehmer sich für Gespräche mit der AfD geöffnet hat, sorgt für heftige Diskussionen. Unter anderem kündigten die Drogeriekette Rossmann und der Hausgerätehersteller Vorwerk ihre Mitgliedschaften.
Für Kritik sorgte ein Parlamentarischer Abend des Verbands im Oktober, zu dem erstmals auch AfD-Vertreter eingeladen wurden. Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann sagte dem "Handelsblatt", das "Kontaktverbot" zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei aufgehoben worden.
Drogeriemarktkette dm in der Kritik
In der Debatte geriet die Drogeriemarktkette dm mit Sitz in Karlsruhe unter Druck und wurde vor allem auf Social Media stark kritisiert. Firmenchef Christoph Werner hatte in der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, grundsätzlich halte er es für statthaft, Parlamentarier aller im Bundestag vertretenen Parteien zu einem Parlamentarischen Abend einzuladen. "Statt permanent über andere Parteien zu sprechen, sollten sich die politischen Verantwortungsträger in der Tiefe mit den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger beschäftigen und Lösungen anbieten, die überzeugen und wirksam sind", fügte er hinzu.
In einer Stellungnahme betonte Werner gegenüber dem SWR: "dm lehnt eine polarisierende Brandmauer-Debatte ebenso entschieden ab wie Positionen der Partei AfD, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen. Eine lebendige Demokratie ist uns ein Anliegen und wir setzen uns für eine inhaltlich sachliche und tiefgründige Auseinandersetzung ein." Diese Haltung entspreche dem gelebten Miteinander bei dm und sie sei auch aktuell wieder klar artikuliert worden. Mit Sorgfalt sollten die politischen Debatten über die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger geführt werden. "Das ist unsere Überzeugung und diese haben wir zum Ausdruck gebracht. Dass wir dafür kritisiert werden, bestätigt uns darin, dass die differenzierte Auseinandersetzung wichtig ist", so Werner weiter.
dm will Verband keine Ratschläge geben
Mit Blick auf den Verband der Familienunternehmer sagte Werner dem SWR: Wie der Verband mit bestimmten Parteien umgehen möchte, müsse er mit seinen Mitgliedern entscheiden. "Wir haben unseren Austritt bereits vor vielen Monaten erklärt und sind daher nicht mehr Teil der internen Meinungsbildung", so Werner. Es stehe dm daher nicht mehr zu, dem Verband Ratschläge zu erteilen.
Europa-Park-Gründer zur AfD: Diskussion muss möglich sein
Europa-Park-Gründer Roland Mack hatte im Umgang mit der AfD für einen offenen Austausch geworben. Dass man mit Menschen spreche, die immerhin einen hohen Anteil an Wählerstimmen ausmachten, halte er für notwendig und richtig, so der 76-Jährige in einem Gespräch mit dem "Südkurier". Dem Austausch von Argumenten sollte man offen gegenüberstehen, sagte Mack. Auf SWR-Nachfrage teilte er am Donnerstag mit, man könne unterschiedlicher Meinung sein, ohne Dialog sei es aber nicht möglich, demokratische Werte zu vermitteln." Der Europa-Park in Rust (Ortenaukreis) ist kein Mitglied im Verband der Familienunternehmer.
Verband will keine AfD-Regierungsbeteiligung
Der Verband der Familienunternehmer verteidigte seinen Kurs. Mit Andersdenkenden zu diskutieren, heiße nicht, deren Positionen zu akzeptieren, sagte Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann. Zugleich wolle man keine Regierung mit AfD-Beteiligung, denn deren Weltbild passe nicht zur freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Grundüberzeugung des Verbands.
Der Verband Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) hingegen hat eigenen Angaben nach keinen Austausch und Kontakt mit der AfD und lädt Parteivertreter nicht zu Veranstaltungen ein. "Wir pflegen einen intensiven und konstruktiven Austausch mit den Parteien und Kräften der demokratischen Mitte in unserem Land", erläuterte Hauptgeschäftsführer Oliver Barta.