André Bartel, Chef des Familienunternehmens Barit aus Esslingen, ist überzeugt: "Wir können die AfD nicht mehr ausschließen." Er unterstützt den Bundesverband der Familienunternehmer bei dessen Vorhaben, Vertreter der AfD zu Veranstaltungen einzuladen und sich auszutauschen. Bartel selbst war bis Oktober der Landesvorsitzende der Familienunternehmer Baden-Württemberg und kennt die Diskussion über den Umgang mit der AfD.
Unternehmer Bartel aus Esslingen: "Man muss die AfD entzaubern"
"Mit der AfD zu sprechen, bedeutet ja nicht, dass wir sie heiraten wollen", betont Bartel. Doch der Unternehmer, dessen Firma seit 55 Jahren Kunstharzböden entwickelt und verlegt, sieht in einem Dialog eine Chance. Es gehe darum, die Partei zu entzaubern. Spätestens, wenn die AfD Regierungsverantwortung übernähme, würde klar werden, dass sie keine Lösungen für alle Probleme habe, so Bartel.
Für Bartel ist klar: Angesichts der steigenden Umfragewerte der AfD, könne man sie nicht ignorieren. Aktuell ist die Partei im BW Trend des SWR mit 21 Prozent die zweitstärkste Kraft vor den Grünen. "Wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen", so der Unternehmer.
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Bei der CDU BW herrschte schon so etwas wie Siegesgewissheit. Doch je näher die Wahl rückt, desto kleiner wird der Vorsprung. Es könnte nochmal spannend werden.
Dachverband der Unternehmer BW sieht keine Basis für Zusammenarbeit mit der AfD
Während Bartel für Dialog plädiert, sieht der Dachverband Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) das völlig anders. Hauptgeschäftsführer Oliver Barta betont, dass man keine Kontakte mit der AfD pflege: "Wir laden keine Vertreter der Partei ein und sehen auch keinen Anlass, das zu ändern. Die AfD wird vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft. Das ist für uns keine Basis für eine Zusammenarbeit."
Neben der verfassungsrechtlichen Problematik nennt Barta auch inhaltliche Differenzen: Die Haltung der AfD zu Europa, zur Energiewende und zur Migrationspolitik sei schädlich für die Wirtschaft. Die Positionen würden dringend benötigte Fachkräfte abschrecken und dem Standort Deutschland schaden, heißt es in einem Statement des UBW.
AfD BW: "Unternehmer suchen Alternativen"
Die AfD selbst freut sich über den Vorstoß der Familienunternehmer. Markus Frohnmaier, Co-Vorsitzender des AfD-Landesverbands Baden-Württemberg, sieht dies als längst überfällig. Die bisherige Politik der Bundesregierung habe viele Unternehmen in die Krise gestürzt. Immer mehr Unternehmer würden sich deshalb nach Alternativen umschauen. Die AfD sei die Partei, die für weniger Bürokratie und mehr Freiheit im Unternehmertum stehe, so Frohnmaier.
Im Interview mit dem SWR betont er: "Ich glaube, es ist nicht mehr die Zeit für Parteitaktierereien, sondern unser Land hat große Herausforderungen und Probleme. Und die müssen mit und können mit der AfD gelöst werden. Die anderen hatten jetzt jahrelang Zeit zu zeigen, wie sie es richtig machen können."
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Gewerkschaften schlagen Alarm
Scharfe Kritik an der Entscheidung der Familienunternehmer kommt von den Gewerkschaften. Die IG Metall Baden-Württemberg nennt den Vorstoß einen "fatalen Fehler": "Es ist naiv zu glauben, man könne eine Partei in einen Dialog einbinden, deren Ziel nicht die Besserung der Lage ist, sondern der politische Profit aus der Krise", heißt es in einer Stellungnahme. Die AfD stehe für Fremdenfeindlichkeit, Spaltung und den Abbau von Arbeitnehmerrechten.
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt eindringlich davor, der AfD eine Bühne zu bieten. "Wer mit einer rechtsextremen Partei kooperiert, schwächt die Demokratie und bedroht die Rechte der Arbeitnehmer", so der DGB Baden-Württemberg.
Entzaubern oder ausschließen?
Und was sagt die Landesregierung zu der Debatte? Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte bei der Landespressekonferenz am Dienstag auf Nachfrage: Es sei gescheitert, dass man sich nur über die AfD empöre. "Also müssen wir uns sehr viel stärker damit befassen, wie wir uns mit denen auseinandersetzen. Aber dass es eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht geben wird, ist absoluter Konsens unter den demokratischen Parteien", betonte Kretschmann.
Die Brandmauer-Debatte um die AfD hat jetzt auch die Wirtschaft erreicht. Während Unternehmer wie André Bartel auf Dialog und Entzauberung setzen, warnen andere Vertreter der Wirtschaft davor eine Partei zu normalisieren, die in Teilen als gesichert rechtsextremistisch gilt.