Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW hat heute Bilanz gezogen. Das operative Konzernergebnis, an dem sich der Erfolg des Kerngeschäfts ablesen lässt, lag mit 5,1 Milliarden Euro im Zielbereich und leicht über dem Niveau des Vorjahres. Der Konzernüberschuss ist im gleichen Zeitraum allerdings gesunken, nach Abzug von Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf 450 Millionen Euro, ein Minus von 75 Prozent.
Rückzug aus Großprojekten drückt EnBW-Gewinn
Grund für die gegenläufige Entwicklung sind Offshore-Windkraft-Projekte, aus denen sich die EnBW zurückgezogen hat. Eigentlich hätte die EnBW die zwei Mega-Windparks vor der Küste Großbritanniens mit BP als Partner bauen wollen und hatte sich schon länger mit den Planungen befasst. Aber weil es keine Förderzusage für das Projekt gab und die Kosten zunehmend aus dem Ruder liefen, hat sich das Unternehmen vor einigen Wochen entschieden, die Pläne aufzugeben. Die Folge ist eine Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro, die das Gesamtergebnis drückt.
Gleichzeitig hat die EnBW aber auch Investitionen realisiert: Besonders in den Umbau des Energiesystems, weg von fossilen Brennstoffen hin zu Erneuerbaren Energien, ist bei dem Konzern im vergangenen Jahr viel Geld geflossen: Rund 7,6 Milliarden Euro hat die EnBW in die klimaneutrale Transformation investiert. Das sind gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr.
Rekordsummen für Ausbau von Netzen und Erneuerbarer Energie bei EnBW
Gut 60 Prozent der Rekordinvestitionen ist in den Ausbau der Strom- und Gasnetze geflossen, wie in die Stromautobahn Suedlink. Außerdem wurde der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben. Dazu gehört auch das Großprojekt "He Dreiht", ein Offshore-Windpark nordwestlich von Borkum, der in diesem Sommer final in Betrieb gehen soll. Dazu hat der Konzern in wasserstofffähige Gaskraftwerke investiert, die Engpässe bei den Erneuerbaren ausgleichen sollen. Immer mehr Geld steckt der Konzern außerdem in die Digitalisierung der Netze und den Bau von Batteriespeichern.
Etwas schwächer als zuletzt lief im vergangenen Jahr das Unternehmens-Segment "Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur", hier ging der Gewinn um 13 Prozent zurück. Das begründet die EnBW unter anderem mit ungünstigen Wetterbedingungen. Weil Wind und Wasser fehlten, ging die Stromerzeugung bei Windkraftanlagen und Laufwasserkraftwerken zurück. Ein Effekt, der sich nicht nur in den Zahlen der EnBW ablesen lässt, sondern für den gesamten deutschen Strommix für 2025 gilt. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern an dieser Stelle wieder mit besseren Werten.
EnBW-Konzernchef: "Erfolgreiches Geschäftsjahr"
Unterm Strich spricht Konzernchef Georg Stamatelopoulos daher von einem erfolgreichen Geschäftsjahr. Doch die Lage ist anspruchsvoll, auch die EnBW steckt mitten im Transformationsprozess von einem fossilen hin zu einem erneuerbaren, klimaneutralen Energiesystem - verbunden mit hohen Investitionen. Mit dem Krieg in Nahost hat sich die Situation nochmal verschärft. Mit einer höheren Stromrechnung müssen die EnBW-Kundinnen und Kunden trotz hoher Marktpreise aber erstmal nicht rechnen, betont Konzernchef Georg Stamatelopoulos:
Die EnBW kauft die für ihre Kundinnen und Kunden benötigte Energie weit im Voraus ein. Kurzfristige Preisschwankungen wirken sich daher nicht auf unsere Endkundinnen und Kunden aus.
Für das laufende Jahr rechnet die EnBW aktuell mit einem bereinigten operativen Ergebnis zwischen 4,6 und 5,1 Milliarden Euro.