Landesfrauenrat fordert Gleichstellungsstrategie

Equal Pay Day: Frauen verdienen im Land 20 Prozent weniger als Männer

Der Equal Pay Day markiert die Lohnlücke zwischen Frauen und Männer. 2025 verdienten Frauen in Baden-Württemberg 20 Prozent weniger. Tendenz leicht steigend.

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Von Autor/in Alban Löffler

Der Equal Pay Day fällt in diesem Jahr auf den 27. Februar: Bis zu diesem Tag müssen Frauen in Deutschland wegen der geschlechtsspezifischen Lohnlücke "unbezahlt" arbeiten. Auch in Baden-Württemberg verdienen Frauen laut Statistischem Landesamt weiterhin deutlich weniger als Männer - für die gleiche Arbeitszeit. Der Landesfrauenrat fordert eine Gleichstellungsstrategie für BW und Transparenzpflichten für Unternehmen.

Frauen verdienen pro Arbeitsstunde 20 Prozent weniger

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Baden-Württemberg hat sich im vergangenen Jahr sogar leicht erhöht: Frauen verdienten im Schnitt pro Arbeitsstunde 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, wie das Statistische Landesamt zum Equal Pay Day mitteilte. Im Jahr zuvor hatte der "unbereinigte Gender Pay Gap" noch bei 19 Prozent gelegen. Damit beschreiben die Statistiker die reine Lohnlücke zwischen Frauen und Männern - andere Faktoren wie Ausbildung oder der Beschäftigungsumfang werden nicht berücksichtigt. In konkreten Zahlen bedeutet das: Frauen bekamen 2025 durchschnittlich 5,68 Euro brutto pro Stunde weniger als Männer.

Baden-Württemberg schneidet im bundesweiten Vergleich schlecht ab

Damit steht Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich eher schlecht da: Laut Statistischem Bundesamt lag der Verdienstunterschied 2025 in ganz Deutschland bei 16 Prozent - also 4 Prozentpunkte niedriger als in Baden-Württemberg.

Generell zeigt sich in den Daten ein Ost-West-Gefälle: In Ostdeutschland ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen durchschnittlich kleiner. Als einen Hauptgrund für die Unterschiede nennen die Statistiker die historisch bedingte höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen im Osten. Dort arbeiten sie zudem häufiger in Vollzeit.

Wie hat sich der Gender Pay Gap entwickelt?

Zwar hatte 2015 der Verdienstunterschied (unbereinigter Gender Pay Gap) in Baden-Württemberg noch 26 Prozent betragen, die Lohnlücke ist über die letzten 10 Jahren gesunken. Doch inzwischen stagniert diese Entwicklung - nicht nur in Baden-Württemberg. Auch bundesweit verringerte sich der Gender Pay Gap im Vergleich zu 2024 nicht.

Ein wesentlicher Grund ist laut statistischem Bundesamt die weiterhin höhere Teilzeitquote bei Frauen. Zudem gingen nur 74 Prozent der Frauen einer bezahlten Arbeit nach, bei Männern waren es 81 Prozent.

Bereinigter Gender Pay Gap liegt bei 6 Prozent

Zieht man diese Faktoren - wie Qualifikation oder Arbeitszeit - zur Erklärung des Verdienstunterschieds hinzu, erhält man den bereinigten Gender Pay Gap: In BW lassen sich laut Statistischem Landesamt rund zwei Drittel des unbereinigten Gender Pay Gaps durch diese Faktoren erklären - die bereinigte Verdienstdifferenz liegt damit bei 6 Prozent. Diese durchschnittliche Lohnlücke von 1,76 Euro brutto pro Stunde wird nicht durch die Variablen erklärt.

Stereotype Rollenbilder in Schule und Ausbildung

"Die diesjährige Kampagne zeigt eindrücklich, wie früh Ungleichheit beginnt und wie gravierend sie im Lebensverlauf wirkt", sagt Heike Fiestas Cueto vom Landesfrauenrat Baden-Württemberg. Bis heute würden bereits in der Schule und Ausbildung stereotype Rollenbilder die Berufswahl prägen, Jobs in schlechter bezahlten Branchen seien die Folge.

Die diesjährige Kampagne zeigt eindrücklich, wie früh Ungleichheit beginnt und wie gravierend sie im Lebensverlauf wirkt.

"Mit der Familiengründung verschärfen sich die Unterschiede", schreibt der Landesfrauenrat. Denn viele Frauen würden einen Großteil der Sorgearbeit übernehmen und ihre Arbeitszeit reduzieren - und würden so ihre beruflichen Chancen verlieren.

Landesfrauenrat fordert Gleichstellungsagenda für BW

Die Landespolitik müsse daher mit einer umfassenden Gleichstellungsagenda für Baden-Württemberg dagegen vorgehen, so der Landesfrauenrat. Bezahlung müsse durch die Unternehmen in Zukunft transparent gemacht werden, zudem solle es Förderprogramme für Frauen in Führungspositionen geben. Der Landesfrauenrat fordert zudem eine erleichterte Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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