Tipps von DLRG und Feuerwehr

Spaß auf zugefrorenen Seen? Was im Ernstfall auf dem Eis Leben retten kann

Spaziergänge aufs Eis können lebensgefährlich enden. Wie sollte man sich verhalten, wenn jemand einstürzt und wie kann man sich selbst retten? Einsatzkräfte klären auf.

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Von Autor/in Levin Horst

Viele Seen im Land sind zugefroren - die Eisflächen verlocken zum Spazierengehen und zum Schlittschuhfahren. Am Donnerstag sind mehrere Menschen auf dem Gnadensee zwischen Allensbach und der Insel Reichenau (beide Kreis Konstanz) ins Eis eingebrochen. Die Personen kamen mit Unterkühlungen ins Krankenhaus. Was sollte man beachten, wenn man Ausflüge aufs Eis wagt? Der SWR hat mit Feuerwehr und DLRG gesprochen.

Betreten auf eigene Gefahr: Eis ist grundsätzlich nicht freigegeben

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) erklärt, dass stehende Gewässer erst ab einer Eisdicke von mindestens 15 Zentimetern als tragfähig gelten, fließende Gewässer sogar erst ab 20 Zentimetern. In der Praxis sind Eisflächen allerdings meist nicht offiziell freigegeben. "Niemand misst die Dicke des Eises", sagt Klaus Merz, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbands Baden-Württemberg. Besonders schwer lässt sich dies bei Moorseen wie dem Federsee bei Bad Buchau (Kreis Biberach) in Oberschwaben einschätzen. In dieser Region arbeitet Merz als Feuerwehrkommandant.

Viele Menschen befinden sich auf der Eisfläche des Federsees bei schönem Wetter
Schlittschuhläufer, Spaziergänger und Schlittenfahrer sind bei Sonnenschein auf dem gefrorenen Federsee in Oberschwaben unterwegs.

Ob Eisflächen sicher sind, kann die DLRG für Städte und Kommunen einschätzen, die Entscheidung über eine offizielle Freigabe liegt aber bei der Kommune. "Wer eine Eisfläche freigibt, übernimmt eine gewisse Haftung, falls etwas passiert", sagt Christian Fritz, Vorstandsmitglied des DLRG-Landesverbands Baden-Württemberg.

Das Betreten von Eis ist die Eigenverantwortung eines jeden Menschen.

Wie man sich verhält, wenn man ins Eis einbricht

Man sollte vermeiden, ganz allein auf's Eis zu gehen. Das sei lebensgefährlich, sagt Merz. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sich das Leben zu retten:

1. Ruhe bewahren: Panik verbrauche Energie und beschleunige Unterkühlung, sagt Fritz.

2. Auf sich aufmerksam machen und Hilfe rufen: Wenn niemand in der Nähe ist, sollte man...

3. Den Selbstrettungsversuch starten:
Man kann versuchen, sich auf das Eis zu lehnen und ein Bein nach dem anderen hinten auf das Eis zu ziehen, um sich vorsichtig herauszuwuchten. Ziel sei es, "die Auflagefläche um das Eisloch so groß wie möglich zu machen, damit sich das Gewicht am Besten verteilen kann", sagt Christian Fritz von der DLRG. Nicht hilfreich sei es dagegen, sich wie beim Aussteigen aus einem Schwimmbecken abzustützen. "Dann lastet das Gewicht auf einer kleinen Stelle des Eises - mit der Gefahr, dass es erneut einbricht", erklärt er.

Ist die Einbruchstelle nahe am Land, kann man sich dorthin durch das Eis durchschlagen, bis man wieder stehen kann. "Typischerweise passieren solche Einbrüche relativ nah am Ufer, meist etwa zehn bis 15 Meter draußen", so die Erfahrung der Einsatzkräfte.

Was die helfende Person beachten sollte

1. Notruf wählen unter der 112: Erst dann Rettung versuchen.

2. Nicht selbst in Gefahr begeben: Man sollte nicht aufs Eis laufen, sondern robben, sagt Fritz. Auch hier gilt: Wenn das Gewicht zu sehr auf einer Stelle lastet, kann das Eis nochmal brechen.

3. Menschenkette bilden oder Hilfsmittel suchen um die Person zu erreichen: Das kann etwa ein Brett oder eine Tür von einem naheliegenden Schuppen sein, schlägt Fritz vor. So kann man sein Gewicht gleichmäßig verteilen und sich langsam an die Person heranarbeiten.

4. Nicht direkt die Hand reichen: Helfende sollten Abstand halten, denn eine eingebrochene Person kann aus Panik andere mit ins Eisloch ziehen. Stattdessen empfiehlt es sich, der Person einen Stock, einen Ast oder ein Kleidungsstück wie eine Jacke zu reichen, um sie aus sicherer Entfernung aus dem Wasser zu ziehen, sagen die Einsatzkräfte.

5. Nach der Rettung nicht die Kleidung ausziehen und kein Alkohol geben: Viele glauben, man müsse eine eingebrochene Person sofort aus der nassen Kleidung befreien. Das sollte nur mit trockener Ersatzkleidung geschehen. Andernfalls reicht es, die Person in Decken einzuwickeln. "Selbst nasse Kleidung bietet noch etwas Isolation", erklärt Fritz.

Alkohol, zum Beispiel Glühwein zum Aufwärmen sollte man der betroffenen Person keinesfalls geben: "Das ist das Schlimmste, was man tun kann", warnt Fritz. Alkohol verstärke die Unterkühlung, auch wenn die Kälte weniger stark wahrgenommen wird.

Übung für den Ernstfall: Eisrettungsübungen der DLRG und der Feuerwehr

Wer in diesen Tagen an zugefrorenen Seen unterwegs ist, kann beobachten, wie sich DLRG und Feuerwehr an Freigewässern auf Ernstfälle vorbereiten. Dafür habe es gerade die richtige Temperatur. Doch wenn diese wieder wie am Wochenenende zunimmt, steige die Gefahr, dass das Eis instabil werde.

Fritz war in diesem Jahr schon bei einer Übung mit bis zu 80 Einsatzkräften an den Kirchheimer Bürgerseen. Ein Schwerpunkt ist die Selbstrettung: Einsatzkräfte lassen sich bewusst ins Eis einbrechen, um zu erfahren, wie Kälte Gelenke und Muskulatur schwächt, berichtet er.

Zum Einsatz kommen spezielle Geräte wie der aufblasbare "Rescue Sledge", Rafts oder Motorboote. "Wir spielen so viele Szenarien wie möglich durch, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein", sagt Merz. Eine weitere Übung ist am 10. Januar um 13 Uhr in Kirchheim geplant.

DLRG und Feuerwehr ziehen Bilanz

"Dieses Jahr sind wir bislang glimpflich davongekommen", sagt Merz. Auch die DLRG beobachtet, dass viele Menschen für die Gefahren sensibilisiert sind. Im Landkreis Esslingen kam es in den vergangenen fünf Jahren zu keinem Einsatz, erklärt Fritz. Dennoch sei von einer Dunkelziffer auszugehen. "Die Unbekümmertheit und der Übermut der Personen ist auch gleichzeitig der Leichtsinnsfaktor", sagt der Feuerwehrkommandant.

Bad Dürkheim

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