Für die Menschen in der kleinen Gemeinde Auggen im Markgräflerland (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ändert sich von einem Tag auf den anderen alles. Rund 2.800 Menschen leben in dem idyllischen Winzerort. Wie so viele Gemeinden im Land, hatte Auggen ein Loch in der kommunalen Kasse. Die Gemeinde hatte ein Defizit von etwa 500.000 Euro im Haushaltsplan. Doch jetzt nicht mehr. Auggen ist Alleinerbin des Nachlasses eines verstorbenen Physikers, der bis zu seinem Tod in Auggen lebte.
Ich habe sowas noch nie erlebt.
Gemeinde Auggen ist plötzlich Millionärin
Ulli Waldkirch ist seit fünf Jahren Bürgermeister der Gemeinde Auggen. Davor war er zwölf Jahre Stadtrat in einer anderen Kommune. So etwas, wie jetzt passiert ist, habe er noch nie erlebt, sagt Waldkirch. Kleinere Erb-Summen für Gemeinden gebe es immer mal wieder, sagt er. Aber die seien eher im einstelligen Tausend Euro-Bereich. In dieser Höhe sei das sehr ungewöhnlich, so Waldkirch. Aber von vorne:
Der Physiker Hans-Joachim Neitzel lebte zurückgezogen in Auggen. Er starb am 17. Januar 2026 im Alter von 83 Jahren. Seine frühere Friseurin, Ingrid Lang, erinnert sich: "Er war ein lieber Mensch. Ein wenig eigen und zurückgezogen, eben wie ein zerstreuter Professor." Hans-Joachim Neitzel hatte keine direkten Nachkommen, aber ein handschriftliches Testament hinterlassen. Darin stand die Gemeinde Auggen als Alleinerbin.
Und so kam es, dass der kleine Winzerort quasi über Nacht zum Millionär wurde. Etwa 1,7 Millionen Euro Barvermögen und ein Baugrundstück im Wert von rund 400.000 Euro habe der Physiker der Gemeinde vermacht, sagt Ulli Waldkirch. In der Summe sind das rund 2,1 Millionen Euro. Das ehemalige Wohnhaus von Hans-Joachim Neitzel soll laut Nachlass an eine Familie in Auggen gehen.
Es gibt für die Verwendung des Vermögens keine Bedingung. Einziger Wunsch des Physikers war laut Bürgermeister Waldkirch: Er wolle im Grab seiner Mutter beigesetzt werden und die Gemeinde solle die Grabpflege übernehmen.
Natürlich ist dieses Erbe zum einen Freude, aber auch eine große Verantwortung, die wir da bekommen haben.
Was die Gemeinde mit den Millionen machen will
Die Freude sei natürlich groß gewesen, denn die finanzielle Lage der Kommune sei angespannt, sagt Bürgermeister Ulli Waldkirch. Und so viel Geld bringe auch eine große Verantwortung mit sich. Ein Teil soll laut Waldkirch in eine Bürgerstiftung fließen. Ein zweiter Teil soll für die Städtebauförderung genutzt werden, mit vielen Projekten, die gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitet wurden. Und ein dritter Teil soll für den Schulneubau verwendet werden.
Klar sei, erklärt Waldkirch: Das Geld solle nicht in kurzfristig anstehende Projekte fließen, sondern in lang- und mittelfristige. Wie genau das Vermögen aufgeteilt wird, darüber entscheide in den nächsten Wochen der Gemeinderat zusammen mit der Verwaltung, sagt Bürgermeister Waldkirch.
Ziel ist schon einen Teil für die Ewigkeit anzulegen.
Wichtigstes Projekt in Auggen: der Schulneubau
Bürgermeister Ulli Waldkirch steht auf einer Baustelle. Die Umrisse eines großen Gebäudes sind bereits gut zu erkennen. Es ist der Anbau der Grundschule - für den Bürgermeister eines der wichtigsten Projekte der Gemeinde. Es war schon vor dem Geldsegen eines der Hauptinvestitionsobjekte. "Dafür werden sehr viele Mittel verwendet - das Projekt hat einen Umfang von acht Millionen Euro", sagt Ulli Waldkirch. Mit dem großen neuen Schulgebäude will die Gemeinde zum Beispiel der Ganztagsbetreuung gerecht werden, aber auch Platz für eine Bücherei bieten.
Geplant und finanziert war das Projekt schon länger. Doch seit dem Millionen-Erbe gibt es plötzlich ganz neue finanzielle Spielräume, die vorher nicht denkbar waren.
"Die Schülerinnen und Schüler haben sich zum Beispiel viele Pflanzen, viel Grün auf dem Pausenhof gewünscht", sagt Ulli Waldkirch. Die Gemeinde sei noch mitten in der Planung. Jetzt könne sie auf diesen Wunsch eingehen und zum Beispiel auch noch schöne Spielgeräte anschaffen, so der Auggener Bürgermeister.