Da treffen sich ein Luft- und Raumfahrtingenieur, ein Medizintechniker und ein Manager aus der Haushaltsgerätebranche und entwickeln eine digital-vernetzbare Kaffeemaschine mit nur einem Knopf zur Bedienung. Gebaut wird sie bei einem Autozulieferer auf der Schwäbischen Alb: Das ist das Konzept des Konstanzer Start-ups "Next Level Coffee".
Ursprung in der Hausgeräteindustrie
Gefertigt wird die Kaffeemaschine namens nunc. beim Autozulieferer Marquardt in Rietheim-Weilheim. Das Unternehmen, das seit rund 50 Jahren für die Autobranche produziert, baut so weiter seinen Haushaltselektronik-Bereich aus. Es kehrt damit gleichzeitig ein Stück zurück zu seinem Ursprung in der Hausgeräteindustrie.
Kaffeevollautomat statt Autoteile
Von dem Next Level Coffee-Gründertrio kam der Auftrag für die Kaffeemaschine. Sie ist eine Kombination aus Siebträgermaschine und Mühle, bei der der gesamte Prozess weitgehend automatisiert ist. Das Gerät lastet inzwischen eine ganze Fertigungslinie bei dem Autoteilezulieferer Marquardt aus. Dort, wo früher Autoteile produziert wurden, entsteht jetzt der Kaffeevollautomat in Serie.
Marquardt: Hatten freie Flächen und fähige Mitarbeiter
Der Chef des international tätigen Familienunternehmens, Harald Marquardt, wünscht sich eine langfristige Zusammenarbeit. Auch, weil man aktuell in der Autobranche große Veränderungen erlebe. Das gelte vor allem an den deutschen Standorten und damit auch am Stammsitz in Rietheim, so Harald Marquardt. Sein Betrieb habe genug freie Kapazitäten und qualifizierte Mitarbeiter für neue Projekte.
Wir hatten freie Fläche, fähige Mitarbeiter und so ist die Firma Nunc auf uns zugekommen und hat in uns einen würdigen Partner gesehen, für sie zu produzieren. Und ich glaube, es wird was draus.
Daten von anonymen Brühvorgängen
Für die neu entwickelte Kaffeemaschine wurden nach Angaben des Start-ups eine Viertelmillion Kaffeeshots analysiert, um damit ein lernendes System zu trainieren. Die Firma bekommt permanent Daten über das Internet in Echtzeit von den anonymisierten Brühvorgängen der Kunden. Sie können die Maschine aber auch ohne Internet nutzen, so Dominik Maier, der Manager im Gründertrio des Start-ups "Next Level Coffee".
Aber wenn man natürlich im Internet verbunden ist, dann lernen die Maschinen auch voneinander. Das heißt, jede Maschine lernt auch von jeder anderen Maschine dazu.“
Neue Software für den Siebträger - Kaffeebohnen mit digitalem Label
Ab und an wird neue Software aus der Unternehmenszentrale in Konstanz aufgespielt. Das ganze System mit Sensoren, Ventilen und Druckleitungen ist eine Eigenentwicklung des Start-Ups "Next Level Coffee" vor allem von Marius Kütemeyer, einem Luft- und Raumfahrtingenieur. Aus der Raumfahrtechnik stammen laut Kütemeyer auch sehr viele Erkenntnisse.
Die Kaffeebohnen sind Teil des Geschäftsmodells vom Gründertrio. Sie werden in der eigenen Abfüllstation verpackt und bekommen ein digitales Label mit Informationen für die Kaffeemaschine. Denn jede Bohne ist anders - je nach Herkunft, so der ehemalige Medizintechniker Markus Unger vom Nunc-Gründertrio. Unger hat in Brasilien gelebt und von dort viel Kaffee-Knowhow mitgebracht. Er vergleicht das Getränk gern mit Wein.
Am Ende ist Kaffee wie Wein. Jede Bohne hat eine andere Varietät von Arabica zu Robusta. So ist jeder Jahrgang dann auch wieder ein neues Experiment und ein neuer Geschmack, der sich in der Bohne dann bildet.
Service hat seinen Preis - für Maschine und Bohnen
Eigentlich benötigt man viel Erfahrung und Wissen, um mit Siebträgermaschinen Kaffee machen zu können. Durch die neue Technik des Start-ups soll jetzt jeder einen guten Espresso hinbekommen - ganz einfach per Knopfdruck.
Der Nutzer muss sich demnach weder mit Mahlgrad, Kaffeemenge noch anderen Feinabstimmungen beschäftigen. Aber dieser Service hat seinen Preis: 2.700 Euro sollen Kaffeetrinker für die Maschine ausgeben. Die hauseigenen Röstungen kosten zwischen 34 und 57 Euro pro Kilo. Wer vollständig die Fähigkeiten der Software für seine eigenen Bohnen nutzen möchte, kann dazu ein Abo abschließen und Röstprofile für die Lieblingsbohnen speichern.
Kaffee: Lieblingsgetränk der Deutschen
Laut deutschem Kaffeeverband trinken rund 90 Prozent der Deutschen regelmäßig Kaffee. Der Pro-Kopf-Konsum liegt bei durchschnittlich 161 Litern pro Jahr. Kaffee ist damit das beliebteste Getränk hierzulande, noch vor Wasser und Bier.