Buße und Besinnung in der Fastenzeit

Die Beichte: verstaubt, zwanghaft oder doch befreiend?

Nur noch wenige Menschen gehen zur Beichte. Die Fastenzeit ist aber für einige ein Anlass dazu. Wie modernes Beichten läuft, erzählt ein junger Pfarrer aus dem Schwarzwald.

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Stand

Von Autor/in Jakob Sax

Die Kirche St. Ulrich in Obereschach (Schwarzwald-Baar-Kreis) hat zwar noch einen Beichtstuhl, wird aber bei Pfarrer Frederik Reith kaum noch genutzt. Meistens finden die Beichtgespräche inzwischen in der Sakristei oder in den Gemeinderäumen statt. Den düsteren Charakter der Beichte will der 36-jährige Priester damit ablegen. Das schlechte Image habe seinen Ursprung im Mittelalter, sagt er.

Beichtstuhl der Kirche St. Ulrich in Obereschach (Schwarzwald-Baar-Kreis)
Der Beichtstuhl in St. Ulrich bietet links Platz für den Beichtenden und auf der rechten Seite für den Pfarrer. Jakob Sax

Angst vor der Beichte

Frederik Reith erklärt, dass die Beichte im Mittelalter als "Instrument sozialer Kontrolle" gedacht und für viele mit Angst verbunden war. Das Image hält sich bis heute. In ganz Deutschland gingen immer weniger Menschen zur Beichte, sagt die zuständige Erzdiözese Freiburg.

Nicht nur der Ort einer Beichte ändert sich, auch inhaltlich geht es weniger um Sünden und Verfehlungen der Menschen. Auch ganz alltägliche Dinge oder kleine zwischenmenschliche Probleme werden besprochen. "Zuhören ist dabei die wichtigste Aufgabe, schon das hilft den meisten", sagt Pfarrer Frederik Reith. Die Menschen erzählten ihm zum Beispiel von Problemen mit Freunden oder der Familie, aber auch von persönlicher Unzufriedenheit.

Ich bin ein bisschen wie der Telefonhörer von Gott.

Ein Schwerverbrecher, der einen Mord gesteht, sei ihm dabei aber noch nicht untergekommen, sagt Reith schmunzelnd. Egal wie groß oder klein die Probleme sind, er höre zu und gebe, wenn gewünscht, Ratschläge. Was er in der Beichte erfährt, bleibe aber immer geheim.

In einem traditionellen Beichtstuhl trennt ein Gitter die Beichtenden vom Priester.
Bei der klassischen Beichte trennt ein Gitter Priester und Gläubigen, das soll für Anonymität sorgen. Jakob Sax

Beichten in der Fastenzeit

Jetzt nach Fasching beginnt die Fastenzeit. Ursprünglich ist das eine Zeit der "Buße und Besinnung", so Reith. Immer noch nehmen Gläubige das zum Anlass, um beichten zu gehen. Ab Gründonnerstag kann man bei Pfarrer Reith auch spontan zur Beichte kommen.

Moderne Beichte: Für Menschen da sein statt zu belehren

Für den jungen Pfarrer ist es wichtig, den Leuten zuzuhören und ihnen nicht "von oben herab fromme Ratschläge mit auf den Weg zu geben". Entscheidend sei, dass die Menschen ihm gegenüber offen sind und die Wahrheit sagen. Er verurteile niemanden für das Gebeichtete. Aber nur, wer zu seinen Taten stehe, könne sich auch langfristig ändern.

Ich gehe da hin und spreche es aus. Das ist natürlich eine brutale Überwindung, die das kostet. Und das braucht es auch, weil ich es dann wirklich sage und sozusagen Nägel mit Köpfen mache.

Frederik Reith möchte dabei unterstützen und die Hemmschwelle senken. Das funktioniere, sagt er, auch wenn es für einige noch ungewohnt sei, nicht im Beichtstuhl zu sprechen.

Pfarrer Frederik will, dass die Leute Freude haben

Wie Frederik Reith die Menschen für sich begeistert, erklärt der 36-jährige im Beitrag von SWR Heimat:

Respekt, nur weil er Pfarrer ist, hat niemand mehr vor ihm, erklärt er. Er wünscht sich, dass die Menschen ihn kennen und schätzen lernen und dann Respekt vor ihm haben - und nicht nur, weil er Pfarrer ist. Leute sollen selbst entdecken, dass er "ein cooler Typ" ist.  

Das ist für ihn Barmherzigkeit: Nach den Menschen schauen, sich um sie kümmern und "gemeinsam einen guten Weg zu finden".

Was macht das mit denen, die beichten gehen?

Zwei Gläubige stehen in der Kirche
Für Angela Fürderer und Uli Sieber ist die Beichte ein wichtiger Teil ihres Lebens. Jakob Sax

Beichten ist für Viele nicht unbedingt eine Frage des Glaubens, sondern vor allem eine Möglichkeit zum Austausch. Wichtig sei außerdem das persönliche und vertrauensvolle Verhältnis zum Priester. Uli Sieber geht regelmäßig zu solchen Dialogen. Für ihn persönlich sei das sehr wertvoll:

Ich habe gemerkt, dass das sehr sinnvoll für mich ist, mit einem Menschen, zu dem ich Vertrauen habe, darüber zu sprechen. Und dann auch die Zusage zu erhalten, dass meine Sünden vergeben sind.

Für Angela Fürderer ist die Zeit vor Ostern ein Anlass, sich von Dingen, die sie bedrücken, zu befreien. Die Gespräche mit Priester Frederik Reith geben ihr dabei Orientierung, sagt sie. Dadurch könne sie sich wieder auf ihre Werte besinnen.

Beichten geht auch ohne fünf Rosenkränze

Fünf Rosenkränze als Strafe haben ausgedient, zumindest bei Pfarrer Frederik Reith in Niedereschach. Nur ein paar Älteren sind die Rosenkränze persönlich noch wichtig. Pfarrer Reith bleibt dabei: Wichtig sei, dass die Menschen bereit sind, sich zu ändern. Rosenkränze beten allein würden da nicht helfen.