Bei der Aktion "24 Stunden un-behaust" haben rund 30 Architektur-Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) auf drei öffentlichen Plätzen in Weil am Rhein (Kreis Lörrach) campiert. Dabei sollten sie etwas über das Leben in der Stadt lernen. Und sie sollten erfahren, wie es sich anfühlt, kein Dach über dem Kopf zu haben.
Am Mittwochvormittag um 11 Uhr startete die Aktion. Eine Gruppe Studierender ließ sich auf dem Weiler Rathausplatz nieder. Am Vormittag fand der Wochenmarkt mit den Verkaufsständen der Bauern satt, dementsprechend viel los war dort. Als später die Nacht hereinbrach, richteten sich die Studierenden mit ihren Isomatten, Schlafsäcken und Decken unter dem Vordach des Rathauses ein.
Mit der Dunkelheit kommt die Angst
Auf dem Platz waren zu später Stunde kaum noch Leute unterwegs, die Lichter von Laternen und Schaufenstern nur spärlich. Da wurde es einigen Teilnehmenden schon ein wenig mulmig zumute - auch der 19 Jahre alten Joana Heinke aus Steinen im Wiesental: "Es ist auf jeden Fall gut, dass immer einer wach ist. Weil man ja doch viel mitbekommt, was auch in Weil oder in der Umgebung so passiert."
Es ist gut, dass immer einer wach ist.
Während der 24-Stunden-Aktion beobachteten die Studierenden eine obdachlose Frau, die sich auf dem selben Platz für die Nacht eingerichtet hatte. Das Schicksal von obdachlosen Menschen berührt auch den Architektur-Studenten Jonathan Theiß, ebenfalls 19 Jahre alt. Er campierte mit seiner Gruppe unter einer riesigen Stuhl-Skulptur auf dem Sparkassenplatz: "Ich glaube, man unterschätzt es oft, wie hart das dann doch ist, ohne Dach über dem Kopf zu leben."
Student aus Kassel wundert sich, dass in Weil so viel los ist
Jonathan Theiß kommt aus Kassel und kannte Weil am Rhein vorher nicht. Er war erstaunt darüber, dass sich die ziemlich kleine Stadt doch sehr lebendig zeigte: "Also es ist sehr viel los."
Lena-Marie Rotzinger aus Lauchringen im Kreis Waldshut fiel etwas anderes auf: Tagsüber seien die Passanten sehr geschäftig gewesen, erst am Abend hätten sie Augen für die campierenden Studierenden gehabt und sie gefragt, was sie dort machten.
Die 19-jährige erklärte den Menschen die Idee hinter der Aktion und dass die Studierenden dadurch "auch so ein Gefühl bekommen sollen, wie man so eine Stadt am besten plant."
Architektur-Professor Frank Hovenbitzer von der DHBW Lörrach war ebenfalls die ganze Nacht wach und stattete den drei Gruppen der Studierenden auf dem Rathaus-, dem Europa- und dem Sparkassenplatz abwechselnd einen Besuch ab.
Architektur ist das Bilden von Raum für Menschen.
Mit "24 Stunden un-behaust" will er seinen Studierenden gleich im ersten Semester vermitteln, "dass Architektur das Bilden von Raum von Menschen für Menschen ist." Er verfolgt dabei den ganzheitlichen Ansatz, "dass man mit seinem eigenen Körper Erfahrungen sammelt über den Raum und die Veränderung dieses Raums über die Tageszeit, mit der Temperatur und so weiter."