Lehrer oder Lehrerin werden, das galt lange Zeit als attraktiv. Guter Verdienst, sicherer Job, viel Ferien. Doch das scheint sich gerade zu ändern. Hochschulen, die Lehrkräfte ausbilden, verzeichnen bundesweit Rückgänge bei den Studierendenzahlen – auch die PH Weingarten (Kreis Ravensburg). Die Gründe sind vielfältig.
20 Prozent weniger Studierende in Weingarten im Vergleich zu 2019
Gab es im Wintersemester 2019 noch gut 2.500 Lehramtsstudierende in Weingarten, sind es inzwischen knapp 500 weniger, also 20 Prozent. Extrem wenige Studierende gibt es der PH zufolge in den naturwissenschaftlichen Fächern, etwa im Fach Chemie: Vor vier Jahren gab es in Weingarten gerade mal zwei Studienanfänger im Wintersemester. Im letzten Jahr stieg die Zahl immerhin wieder auf zehn.
Die PH Weingarten steht mit dem Rückgang nicht alleine da. Die Studierendenzahlen auf Lehramt gehen bundesweit zurück. Man beobachte den Trend schon länger, so ein PH-Sprecher. Zum einen sei da der demografische Wandel. Es gebe schlicht immer weniger junge Menschen. Zum anderen hätten die Ereignisse während der Corona-Pandemie am Image des Lehrerberufs gekratzt – so wie auch andere Faktoren, sagen Lehrende: Es werde stressiger, Kinder zu unterrichten.
Viele Schülerinnen und Schüler könnten sich durch übermäßigen Handykonsum schlecht konzentrieren oder verhielten sich aufgrund sozialer Probleme teils aggressiv oder könnten nur schlecht Deutsch. Das schrecke ab. Zudem zeigen Studien: Viele junge Menschen der sogenannten Generation Z wollen sich etwa als Beamtin oder Beamter nicht mehr lebenslang an denselben Job binden.
PH Weingarten versucht Studierendenrückgang entgegenzuwirken
Die PH Weingarten setzt daher auf gleich mehrere Maßnahmen, wieder mehr Studierende für das Lehramt zu gewinnen. Die Rede ist dabei von zielgruppenorientiertem Marketing oder der Einführung innovativer Digitalprojekte bis hin zur gezielten Weiterentwicklung und Transformation der Studiengänge.
So intensiviere man aktuell die Kontakte zu Schulen der Region und setze auf Kooperationen mit ihnen, um junge Menschen frühzeitig für den Lehrberuf zu begeistern – und sie dann direkt vor Ort auszubilden und auch hier in der Region zu behalten, so die Hochschule. Denn gerade im ländlichen Raum sei der Lehrermangel besonders problematisch.
Man engagiere sich aktuell auch in der Initiative "Alternative Wege ins Lehramt", um Quereinsteiger für den Beruf zu gewinnen. Und: Man biete Pädagogen aus dem Ausland ein Programm, das sie fit für deutsche Schulen machen soll.