Die Fälle häufen sich: Erneut ist ein Straftäter aus dem Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Emmendingen entwichen. Der 34-Jährige war am 1. Mai nicht von einem genehmigten Freigang zurückgekehrt, wie die Polizei Offenburg mitteilte. Demnach war der Gesuchte wegen gefährlicher Körperverletzung zur Unterbringung in der Klinik verurteilt worden.
Die Ermittler gehen laut Fahndung davon aus, dass der Mann mit marokkanischer Staatsangehörigkeit sich durch die Flucht einer anstehenden Abschiebung entziehen möchte. Möglicherweise habe er sich ins benachbarte Ausland abgesetzt. Der Gesuchte ist den Angaben zufolge 1,77 Meter groß, schlank und schwarzhaarig. Zuletzt soll er eine beige Sporthose sowie eine beige Sportjacke, ein helles T-Shirt, helle Turnschuhe und einen Dreitagebart getragen haben.
Drei Straftäter gelingt innerhalb kurzer Zeit Flucht aus Psychiatrie
Der 34-Jährige ist der dritte Straftäter innerhalb von rund einer Woche, der aus dem ZfP Emmendingen entwichen ist. Ebenfalls am 1. Mai war ein 26-Jähriger bei einem Freigang im Park der Klinik vom Gelände entkommen. Der Mann ist laut Polizei potenziell gefährlich - nach ihm wird immer noch gesucht. Er war voriges Jahr wegen versuchten Totschlags verurteilt worden.
Zwei Straftäter offenbar zusammen entwichen
Das ZfP Emmendingen geht davon aus, dass beide am 1. Mai entwichenen Männer gemeinsam geplant hatten, sich abzusetzen. Die beiden Männer waren auf der selben Station und kannten sich. Beide hatten schon länger die Erlaubnis für eine beziehungsweise zwei Stunden im Park der Einrichtung spazieren zu gehen. Am 1. Mai waren sie gemeinsam draußen unterwegs.
Ausgang gehört zur Therapie
Bis dahin seien beide immer pünktlich zurückgekehrt nach einem Ausgang. "Diese Lockerungen sind Bestandteil der Therapie", sagt der Chefarzt für den Aufnahme- und Akutbereich Forensik, Franz-Xaver Regel. Die Lockerungen würden zuvor im Team besprochen und dienten dazu, bei entsprechendem Fortschritt und Stabilität der Patienten wieder das "reale Leben" zu erproben.
Beide erhielten Psychopharmaka, die ihnen jetzt womöglich nicht mehr zur Verfügung stehen, gibt der Chefarzt zu bedenken. Es bestehe dadurch das Risiko, dass die Erkrankung der beiden Männer wieder ausbricht. Das bedeute aber nicht, dass sie gleich wieder eine Straftat begehen, so Regel.
Warum wird nach dem 34-Jährigen erst jetzt öffentlich gefahndet?
Bei beiden, am 1. Mai entwichenen Männern, entschied jeweils eine andere Staatsanwaltschaft über die Öffentlichkeitsfahndung. Im Fall des 26-Jährigen war es die Staatsanwaltschaft Freiburg, bei dem 34-Jährigen die Staatsanwaltschaft Offenburg. Entscheidend dafür ist, welches Gericht die Unterbringung in einer Psychiatrie angeordnet hat.
Die Staatsanwaltschaft Offenburg schreibt in einer Mitteilung, sie habe die Öffentlickeitsfahndung jetzt aus "ermittlungstaktischen Gründen angeordnet". Und weiter: Aufgrund "der Gewichtung der vorgeworfenen Taten und des fortgeschrittenen positiven Behandlungsverlaufs, waren die Voraussetzungen einer Öffentlichkeitsfahndung bislang, auch wegen der hohen rechtlichen Anforderungen, nicht gegeben."
Die Taten wegen derer der 34-Jährige im ZfP Emmendingen untergebracht worden war, sind zudem schon fast vier Jahre her. Bei dem 26-Jährigen hingegen war die Tat 2024. Er wurde neben gefährlicher Körperverletzung auch wegen versuchtem Totschlag verurteilt. Vor seiner Festnahme soll er zudem einen Polizeibeamten verletzt haben. Das könnte ein Grund gewesen sein, warum nach ihm schon vorher öffentlich gefahndet wurde, mutmaßt Chefarzt am ZfP Emmendingen Franz-Xaver Regel.
Ein Patient wurde wieder gefasst
Bereits am 23. April war ein anderer Patient von einem genehmigten Stadtausgang nicht zurückgekehrt. Er wurde laut Staatsanwaltschaft am Tag darauf festgenommen, nachdem er versucht hatte, einem Mädchen gewaltsam ihr Fahrrad zu entreißen und einen zur Hilfe eilenden Passanten schlug.