Wer Gesuchten sieht, soll 110 wählen

Straftäter flieht bei unbegleitetem Spaziergang aus der Psychiatrie Emmendingen

Laut Polizei könnte der 26-Jährige mittlerweile ins Ausland geflohen sein. Er stach 2024 mit einem Messer auf einen Mitbewohner ein. Am Freitag, 1. Mai, war er abgetaucht.

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Von Autor/in Ulrike Liszkowski

Die Polizei warnt vor einem "potenziell gefährlichen" 26-Jährigen. Wie sie am Mittwochabend mitgeteilt hat, war er bereits am Freitag, 1. Mai, aus dem psychiatrischen Krankenhaus Emmendingen (ZfP) abgehauen. Die Polizei hat auch ein Fahndungsfoto des 26-Jährigen veröffentlicht.

Mittlerweile läuft die Fahndung international. Die Polizei schließt nicht aus, dass sich der Mann ins Ausland abgesetzt haben könnte. Wer den Mann sieht, soll ihn nicht ansprechen, sondern sofort die Notrufnummer 110 wählen. Es gebe aber keine Hinweise, dass der 26-Jährige bei seiner Flucht eine Waffe bei sich getragen habe, sagte der Polizeisprecher.

Patient durfte allein im Park der Psychiatrie spazieren

Wie die Psychiatrie inzwischen auf SWR-Anfrage mitteilte, durfte der 26-Jährige seit Mitte März täglich unbegleitet in den Park des Klinikums. Denn er sei erfolgreich behandelt worden, erklärt der Medizinische Direktor Ralf Zehnle. Die Krankheitssymptome, die zur Einweisung in die Klinik geführt hatten, seien unter regelmäßiger Medikation vollständig abgeklungen.

Am 1. Mai kam der Patient dann allerdings nicht zur vereinbarten Zeit von einem Spaziergang im Park auf seine geschlossene Behandlungsstation zurück. Zunächst habe wegen der verabreichten antipsychotischen Medikation keine akute Gefährdung der Allgemeinheit bestanden. Wie der medizinische Direktor Zehnle erklärt, könnte die Erkrankung nun aber innerhalb von Tagen bis Wochen wieder auftreten, wenn die Medikamentenwirkung nachlässt.

Mann stach auf Mitbewohner ein und verletzte Polizisten

Das Landgericht Freiburg hatte den nun Gesuchten im Juli vergangenen Jahres wegen versuchten Totschlags mit gefährlicher Körperverletzung verurteilt, erklärt das Gericht. Der Mann galt zum Tatzeitpunkt als schuldunfähig. Daraufhin wurde die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

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Erst stach er in einer Flüchtlingsunterkunft auf einen Bewohner ein, später attackierte er dort einen ermittelnden Polizisten: Ein 25-Jähriger ist am Sonntag festgenommen worden.

Der 26-Jährige hatte dem Urteil nach im November 2024 in einer Gemeinschaftsunterkunft mit einem Messer auf einen Bewohner eingestochen. Vor seiner Festnahme soll er zudem einen Polizeibeamten verletzt haben.

 

Forensische Klinik ist kein Gefängnis

Wenn die Patienten psychisch stabil genug sind, wird der Maßregelvollzug gelockert. Denn sie sollen schrittweise wieder in die Gesellschaft zurückfinden. "Alle Lockerungsentscheidungen und Risikoabwägungen werden in einem multiprofessionellen Team unter ober- und chefärztlicher Supervision getroffen", erklärt der medizinische Direktor Zehnle. Bei Lockerungen über das Klinikgelände hinaus muss die Staatsanwaltschaft zustimmen.

Beendet oder zur Bewährung ausgesetzt wird die Behandlung erst, wenn von dem Patienten keine Gefahr mehr ausgeht. Darüber muss ein Gericht entscheiden.

Polizei fahndet öffentlich nach geflohenem Straftäter

Die Polizei ist erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen, weil die Ermittler zuvor alle anderen Möglichkeiten hätten ausschöpfen müssen, heißt es. Zuvor wurden beispielsweise Orte überprüft, die der 26-Jährige möglicherweise hätte aufsuchen können. Aber mit verschiedenen Ermittlungsansätzen hatten die Fahnder bisher keinen Erfolg.

Der Gesuchte ist den Angaben zufolge etwa 1,80 Meter groß und von schlanker Statur. "Zum Zeitpunkt der Flucht trug er einen Stoppelbart und war mit einer dunklen Schirmmütze und einem schwarzen Trainingsanzug bekleidet", heißt es.

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Ulrike Liszkowski
Bild von SWR-Redakteurin Ulrike Liszkowski

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