Immer weniger Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg entscheiden sich dafür, Französisch in der Schule zu lernen. Laut amtlicher Schulstatistik gibt es rund 30.000 Französisch-Lernende weniger an den Schulen in BW als noch vor zehn Jahren. Der neue Kultusminister Andreas Jung will das ändern. Im Europa-Park in Rust (Ortenaukreis) hat Jung dafür am Dienstag eine Erklärung unterzeichnet, die allerdings nicht bindend ist.
Um für Frankreich zu begeistern, soll künftig an Schulen, Kindergärten und Kitas die französische Fête de la Musique, also das Fest der Musik zum Sommeranfang am 21. Juni, gefeiert werden.
Kultusminister will mit Musik das Herz der jungen Generation für Frankreich gewinnen
Geht es nach Kultusminister Andreas Jung, sollte das Französischlernen an Schulen in BW mehr priorisiert werden. "Deutschland und Frankreich haben eine so wichtige Rolle, auch für Europa", so Jung. "Deshalb halte ich es für wichtig, dass neben Englisch auch Französisch gelernt wird."
Vor allem mit Hilfe von Emotionen könnten Kinder und Jugendliche für das Nachbarland begeistert werden - auf keinen Fall aber mit dem erhobenen Zeigefinger. Deswegen ist der Minister davon überzeugt, es sei eine gute Idee wenn Schülerinnen und Schüler in Deutschland die Fête de la Musique mitfeiern.
Fête de la Musique freiwillig und ohne Vorgaben
Jedes Jahr zum Sommeranfang, um den 21. Juni, sind die Schulen, Kindergärten und Kitas in Baden-Württemberg ab nächstem Jahr dazu eingeladen, das Musikfest zu feiern, ohne, dass dies verpflichtend ist. Auf seiner Website will das Kultusministerium die Projekte und Veranstaltungen landesweit unter dem Motto "Fête de la Musique - Mir feiern zämme!" bündeln. Dort sollen bald auch weitere Informationen zu der Initiative folgen.
Was sagen Französisch-Lehrkräfte zu der Idee?
Der baden-württembergische Landesverband der Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e.V. freut sich über die Initiative des Kultusministers. Denn auch wenn Französisch nach Englisch nach wie vor die zweitwichtigste Fremdsprache in Deutschland und BW sei, sinken die Zahlen. Insbesondere in der Oberstufe würden viele Schülerinnen und Schüler Französisch abwählen, so die Vereingung.
Als Grund dafür nennt die Lehrer-Vereinigung unter anderem negative Signale aus der Politik und erinnert dabei an Äußerungen des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). 2023 hatte er am Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg davon gesprochen, dass in Zukunft Französischlernen verzichtbar sei. "Ich stecke mir einen Knopf ins Ohr und mein Telefon übersetzt", so Kretschmann damals. Diese Äußerung kritisiert die Vereinigung scharf.
Das nun offenbar ein anderer Wind auf Regierungsebene weht und Andreas Jung sich frankophil zeigt, begrüßen die Französischlehrerinnen und -lehrer.
Die Fête de la Musique zeigt, dass Französisch Spaß macht.
Gerade im Vergleich zu Englisch sei Französisch im Alltag viel weniger präsent. Die Schülerinnen und Schüler würden mit einer solchen Initiative eine lebensnahe, motivierende und interessante Seite der Sprache kennenlernen, so die Vereinigung.
Fête de la Musique: Vor fast 50 Jahren in Paris zum ersten Mal
Die Fête de la Musique ist ein Straßenmusikfest. Seine Ursprünge hat das Fest in Frankreich. Am 21. Juni 1982 wurde es zum ersten Mal in den Straßen von Paris gefeiert. Seitdem hat es sich verbreitet. Nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland und ganz Europa wird es heutzutage zum kalendarischen Sommeranfang gefeiert. In zahlreichen Städten und Dörfern treten Musikerinnen und Musiker dann kostenfrei auf. Spontan und frei zugänglich. Ein lockeres, leichtes Fest für alle.