"Ich bin der festen Überzeugung, dass abgehobene Gehälter zu einer abgehobenen Politik führen", sagt der Freiburger Linken-Politiker Vinzenz Glaser. Der 33-Jährige will als Bundestagsabgeordneter nicht mehr als 2.950 Euro im Monat verdienen. Der Wert orientiere sich am durchschnittlichen Facharbeitergehalt in Baden-Württemberg.
Linken-Politiker im Austausch mit Menschen vor Jobcenter
Vinzenz Glaser verzichtet auf über die Hälfte seines Gehalts. "Ich glaube, dass es Abgeordneten gut zu Gesicht stehen würde, immer mal wieder ins Alltagsleben der Menschen in diesem Land einzutauchen", sagt Glaser, als er mit seinem Team vor dem Freiburger Jobcenter steht. Dort ist er regelmäßig im Rahmen des Angebots "Die Linke hilft" anzutreffen und tauscht sich mit Menschen aus, die ganz anders mit ihrem Geld rechnen müssen als seine Kollegen im Bundestag.
Glaser gibt Geld an Partei, Vereine und Bedürftige
Wenn Glaser die Kosten für seine Krankenversicherung und die geschätze Einkommenssteuer von seinem Gehalt abzieht, bleiben monatlich immer noch rund 7.300 Euro. 2.950 Euro will er für sich behalten. Die Differenz - rund 4.350 Euro - gibt Glaser so aus:
- 2.285 Euro an seine Partei. Diese Verpflichtung würden alle Linken-Bundestagsabgeordneten eingehen, um die Parteistrukturen am Laufen zu halten.
- 668 Euro für "Sorgearbeit". Als Bundestagsabgeordneter braucht er flexible Kinderbetreuung.
- 1.420 Euro für gemeinnützige Vereine oder bedürftige Privatpersonen. Kürzlich spendete Glaser beispielsweise 500 Euro an den Verein "Schwere(s)Los! e.V.", der auf dem Stühlinger Kirchplatz einen Kultur-Kiosk bauen möchte. Einer Einzelperson spendete er kürzlich den Erstbeitrag für den Beitritt zum Badischen Mieterbund in Höhe von 56 Euro.
Sozialarbeiter-Beruf prägt Glaser als Politiker
Bevor er in den Bundestag einzog, hat Vinzenz Glaser als Sozialarbeiter gearbeitet. Erfahrungen, die er in dieser Zeit gemacht hat, will er jetzt auch in seine Arbeit als Abgeordneter einbringen. "Ich möchte Politik nah an den Menschen machen und an ihren alltäglichen Problemen, weil ich eben aus meiner beruflichen Vorerfahrung weiß, dass es sie zuhauf gibt. Angefangen mit Stress mit dem Jobcenter, Bürokratie, die nicht verstanden wird, und so weiter", sagt der 33-Jährige.
Vor dem Jobcenter in Freiburg erzählt ein Mann Glaser etwa, er fürchte Leistungskürzungen, weil sein Sohn während des Abiturs noch arbeite. Glaser händigt ihm daraufhin den Kontakt eines Rechtsanwalts aus, der weiterhelfen kann.
Auch in seiner offenen Sprechstunde sucht Glaser regelmäßig den Austausch mit Ratsuchenden. Künftig will er einige von ihnen sogar direkt mit Geldspenden unterstützen - aus seinem eigenen Abgeordnetengehalt.