Die invasive Ameisenart Tapinoma Magnum breitet sich weiter in Baden-Württemberg aus. Längst ist sie auch in Freiburg angekommen. Dort wurden erste Vorkommen schon 2024 gemeldet. Inzwischen sind laut dem städtischen Umweltamt bis zu 20 Orte im Stadtgebiet betroffen. Die "Badische Zeitung" hatte darüber zuerst berichtet. Die Stadt hat bislang nur spärlich darüber informiert. Jetzt nennt sie dafür Gründe.
Man muss schon genau hinschauen. Doch wenn man die kleinen, quirligen schwarzen Ameisen erstmal entdeckt hat, sieht man plötzlich immer mehr. Auf einem Abschnitt der Schwarzwaldstraße nahe der Freiburger Innenstadt wuseln sie an mehreren Stellen. Doch die meisten dürften sich unter Mauern und Asphalt befinden, denn Tapinoma nistet unterirdisch, bis zu einem Meter tief. Das macht es so schwer, sie zu bekämpfen.
Mancherorts haben die Ameisen in Freiburg große Kolonien gebildet
Vor einigen Häusern haben die Anwohner Ameisenköder ausgelegt. Doch die nutzen nicht viel. "Die laufen da einfach durch", sagt ein Mann, der gerade Bäume und Pflanzen wässert. "Die Ameisen haben hier überall Hohlräume gebildet, am Nachbarhaus war schon eine Steinplatte lose", erzählt er weiter. Gerade diese Hohlräume machen die Ameisen problematisch. Sie können unbemerkt Wege und Fassaden unterhöhlen.
Wir werden uns mit der Tapinoma Magnum arrangieren müssen.
In Kehl (Ortenaukreis) wurden solche Schäden mit als erstes sichtbar. Dort musste 2024 ein Spielplatz gesperrt werden, nachdem die Ameisen das Pflaster untergraben hatten. Außerdem nisten sie gerne in Kabelschächten und Stromkästen. In Kehl kam es deswegen bereits zu lokalen Störungen bei Strom und Internet.
Heißes Wasser und Wasserdampf sind effektivste Gegenmittel
Bei der Verbreitung der Problemameise spielen unter anderem Pflanzen aus Baumärkten und Gartencentern eine Rolle. Dort nisten sie etwa in mediterranen Pflanzen wie Olivenbäumen. In Freiburg wurde Tapinoma schon in nahezu allen Stadtteilen entdeckt - einzig der Freiburger Norden blieb bislang verschont. Besonders viele gibt es im Stadtteil Waltershofen. Oder eben an der Schwarzwaldstraße. Von Schäden ist der Stadt bislang nichts bekannt.
Invasive Ameisen-Art Ameisenplage: Das hilft gegen Tapinoma magnum
Tapinoma magnum kann mit ihren Superkolonien großen Schaden anrichten. Die invasive Ameisen-Art breitet sich in Deutschland aus.
Die Stadt versucht, die Anwohner zu unterstützen. Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung (ASF) versprühen immer wieder heißes Wasser und Wasserdampf, um die Anzahl zu verringern. "Das ist im Moment die erfolgversprechendste Methode", sagt Klaus von Zahn, der Leiter des Umweltamts. Auch mit Nematoden (Fadenwürmer) wird experimentiert. "Die klassischen Ameisen-Giftköder funktionieren nicht", weiß von Zahn. Mit Kieselgur aus dem Baumarkt lasse sich eine Kolonie zumindest ein Stück weit eingrenzen. Und er empfiehlt dringend: "Keine Lebensmittel draußen lagern."
Wenn das jetzt quasi flächendeckend wird, dann wird das kaum noch leistbar sein.
Bislang keine Infokampagne der Stadt zu Tapinoma Magnum
Für den Chef des Umweltamts ist aber auch klar: Die Tapinoma Magnum oder auch Große Drüsenameise ist gekommen, um zu bleiben. Die wärmeren Temperaturen, die der Klimawandel auch im Winter mit sich gebracht hat, bieten der Ameise gute Bedingungen. "Wir werden uns da, ähnlich wie unsere südeuropäischen Nachbarn, mit ihr arrangieren müssen." Komplett vernichten lasse sich Tapinoma nicht mehr. Und die Mittel, sie einzudämmen, seien begrenzt.
Auch aus diesem Grund hat die Stadt nie groß über die Ameisen-Vorkommen berichtet. Lediglich eine Website informiert kurz und knapp über die eingewanderten Insekten. Ganz anders war das etwa bei der ebenfalls invasiven Tigermücke. Hier hat die Stadt eine große Kampagne mit Plakaten und Briefkasten-Flyern gestartet. "Da sind wir sehr offensiv unterwegs, weil es da einfache und sehr erfolgversprechende Maßnahmen gibt", sagt Klaus von Zahn. Bei Tapinoma sei das deutlich schwieriger.