Peter Kethel mag das viele Grün rund um sein Haus, wenn die Pflanzen blühen. Doch seit einiger Zeit beobachtet er immer wieder erschreckende Aktivitäten auf seinem Grundstück: Ameisen haben sich breitgemacht. „Ich war überrascht, dass es so viel waren auf einmal“, erzählt er. Wochen später seien die Tiere im Haus aufgetaucht. „Dann bekommt man es schon mit der Angst zu tun, dass sich da eine große Kolonie bildet.“
Es ist die „Tapinoma magnum“, die große Drüsenameise. Eine invasive Art, die aus dem Mittelmeerraum stammt. Eine Besonderheit: Sie bildet sogenannte Superkolonien: weit verzweigte Netzwerke mit zahlreichen Brutzentren, Hunderttausenden bis Millionen von Arbeiterinnen und Tausenden Königinnen.
Peter Kethel versucht schon länger, die Tiere zu vertreiben – bislang vergebens: „Man kann sie nicht loswerden, zum Teil verlagern sie dann ihre Stelle und sind woanders wieder aufgetreten.“
Schäden durch Ameise Tapinoma magnum
So wie ihm geht es vielen Hausbesitzern. Die Schäden durch die Ausbreitung der Ameise können enorm sein – nicht nur auf Privatgrundstücken.
Beispiel Kehl: Hier hatten sie sich in einem Stromkasten eingenistet und für Internet- und Stromausfälle gesorgt. Ein Spielplatz musste sogar gesperrt werden, Gehwege waren unpassierbar, weil sie von den Ameisen unterhöhlt wurden.
Wie aggressiv ist Tapinoma magnum?
Der Diplom-Biologe Manfred Verhaagh beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Ameisenart Tapinoma magnum. Er kann die Beunruhigung vieler Betroffener nachempfinden: Werden sie gestört, strömen die Tiere aus und verteidigen ihre Kolonie.
Die Ameisen beißen und versprühen ihr Gift. Das ist für Menschen zwar ungefährlich, trotzdem sei die Art geeignet, bei uns Angst auszulösen. „Ich habe schon Anwohnerinnen getroffen, die sagen, ich fahre nicht mehr länger weg, weil sie befürchten, dass in der Zeit die Tiere ins Haus eindringen und es okkupieren. Da gibt es schon massive psychologische Bedrängnisse und Probleme bei Menschen.“
Tapinoma magnum in Köln und Dresden
Von Kehl aus hat sich die Tapinoma magnum immer weiter Richtung Norden ausgebreitet. Auch im Raum Köln ist diese Ameisenart bereits eingefallen und sogar in Dresden ist sie schon angekommen.
Tapinoma magnum vertreiben
Wer vermutet, dass sich Tapinoma magnum bei ihm oder ihr angesiedelt hat, sollte dies von Fachleuten bestätigen lassen. Dafür kann man beispielsweise Fotos ans Naturkundemuseum Stuttgart schicken – was genau da zu beachten ist, steht hier.
Bestätigt sich die Diagnose, sollte in jedem Fall die Gemeinde informiert werden, damit koordiniert gegen eine weitere Ausbreitung vorgegangen werden kann.
Das Naturkundemuseum Stuttgart empfiehlt außerdem, professionelle Schädlingsbekämpfer zu beauftragen, vor allem, wenn sich schon Superkolonien etabliert haben. Diese dauerhaft zu beseitigen, gelingt Laien meist nicht.
Wie werde ich Ameisen im Haus und auf der Terrasse los?
Die Bekämpfung der invasiven Art stellt allerdings selbst Profis vor neue Herausforderungen. So auch Patrick Gerlach. Der Schädlingsbekämpfer hat seit Monaten sehr viele Anfragen wegen dieser neuen Ameisenart.
„Es gibt nicht die eine Lösung“, sagt der Experte. Je nach Terrain und Oberfläche stehen unterschiedliche Bekämpfungsverfahren zur Verfügung.
Ameisen im Rasen bekämpfen
Auf einer ehemals stark befallenen Grünfläche auf einem Friedhof hat Patrick Gerlach ein handelsübliches Insektizid in Form eines Streu- und Gieß-Granulats eingesetzt. Dieses wird zunächst ausgestreut und dann mit Wasser „eingegossen“, sodass es sowohl an der Oberfläche als auch in der Tiefe wirkt. Die Prozedur wurde im Abstand von jeweils drei Wochen mehrmals wiederholt.
Ameisen auf Wegen und Terrassen
Für versiegelte Flächen setzt Patrick Gerlach Ködergele ein. Die Ameisen bringen das Gel selbstständig in ihre Nester und verteilen es an die Artgenossen – ein Aufgraben des Bodens oder ähnliches ist somit überflüssig. Ködergele, wie auch andere Ameisenmittel, sind für Privatpersonen mittlerweile nur noch nach Beratung erhältlich, zum Beispiel im Baumarkt oder Gartencenter. Die Dosierung ist dann jedoch schwächer als bei den Profiprodukten, die Schädlingsbekämpfer verwenden.
Ameisen in der Wohnung loswerden
Ameisenspray ist besonders einfach in der Anwendung und hilft bei kleineren Ameisen-Befällen. Es kann als Barriere aufgesprüht werden, über die die Ameisen nicht hinwegkrabbeln.
Hausmittel gegen Ameisen: Backpulver
Herkömmliche Produkte zur Ameisen-Bekämpfung arbeiten mit einem oder mehreren Insektiziden. Wer auf giftfreie Möglichkeiten zur Bekämpfung einer Ameisenplage setzen will, findet im Internet zahlreiche Tipps, zum Beispiel Backpulver.
Die Wirkung ist allerdings umstritten und die Ameisen sterben nach dem Verzehr einen qualvollen Tod.
Hilft Essig gegen Ameisen?
Auch Essig oder Essigsäure soll die Ameisen vertreiben, da sie den Geruch ablehnen. Allerdings ist das Verteilen von Essigsäure im Außenbereich, etwa in Terrassenfugen, verboten und kann Bußgelder nach sich ziehen. Gelangt Essig nämlich ins Erdreich, können dort Pflanzen, Bodenlebewesen und Insekten stark geschädigt werden.
Ameisen-Abwehr auf natürliche Art
Auch andere geruchsintensive Substanzen sollen Ameisen abhalten, ätherische Öle und Kräuter-Extrakte, zum Beispiel von Lavendel oder Minze.
Auch Hausmittel wie Zitronenschale, Zimt, Chili, Gewürznelken und Farnwedel, die vor Eingänge sowie auf Ameisenwege und -nester gelegt werden, helfen, die Tiere schonend zu vertreiben. Gegen die Tapinoma magnum hilft das jedoch nicht wirklich.
Nematoden gegen Ameisen
Manche Gemeinden setzen bei der Bekämpfung von Tapinoma Magnum auf einen natürlichen Feind der Ameise: Nematoden oder auf Deutsch Fadenwürmer. Die winzigen Tierchen werden in Wasser gegeben und auf die Nester gegossen, wo sie Eier und Larven fressen.