Prozessauftakt am Landgericht Freiburg

Mutmaßlicher Femizid in Müllheim: Angeklagter gesteht die Tat

Im Fall eines mutmaßlichen Femizids ist in Freiburg der Prozess gestartet: Dem 47-Jährigen wird vorgeworfen, seine Ehefrau getötet zu haben. Beim Prozessauftakt gestand er die Tat.

Teilen

Stand

Von Autor/in Louise Schöneshöfer

Nachdem eine Frau in Müllheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) im Juni 2025 tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde, hat nun am Dienstag der Prozess begonnen. Angeklagt ist ihr Ehemann - wegen Totschlags. Am ersten Verhandlungstag am Landgericht Freiburg hat der 47-Jährige die Tat gestanden.

Mutmaßlicher Femizid: Mann soll Ehefrau getötet haben

Laut der Anklage soll der Mann in der Küche der gemeinsamen Wohnung mit einem Küchenmesser mehrere Male in den Hals und Oberkörper seiner Ehefrau gestochen haben. Die 43-Jährige verstarb noch vor Ort.

Wie Zeugen im Gerichtssaal berichteten, soll der Angeklagte die gemeinsamen Kinder dann gebeten haben, aus der Wohnung zu gehen und ihnen angedroht haben, sich umzubringen.

Bis die Polizei und das SEK den Mann festnehmen konnten, soll sich der Mann demnach schwer verletzt haben. Dafür habe er die mutmaßliche Tatwaffe benutzt. Weil er zwischenzeitlich in Lebensgefahr schwebte, wurde er mehrere Monate lang in einem Justizvollzugskrankenhaus (JVK) behandelt.

Laut Zeugen ging der Tat ein Streit voraus

Zeugenaussagen zufolge soll der Tat ein Streit vorausgegangen sein. Worin dieser Streit bestand, wollte der Angeklagte am Dienstag vor Gericht nicht sagen.

In den Monaten vor der Tat sei es immer wieder zu Streitereien um alltägliche Dinge gekommen, wie aus den Vernehmungen der Kinder durch die Kriminalpolizei hervorgeht - körperliche Auseinandersetzungen soll es dabei nicht gegeben haben.

Mann flüchtete mit Ehefrau und Kindern aus Afghanistan

Auf der Anklagebank saß am Dienstag neben dem Tatverdächtigen und seinem Verteidiger auch ein Dolmetscher. Dieser übersetzte die Aussagen des Angeklagten, der aus Afghanistan stammt. Anfang 2022 war er demnach mit seiner Ehefrau und fünf der sieben Kinder vor den Taliban geflüchtet.

Er erzählte, Angst gehabt zu haben, gefoltert oder geköpft zu werden, weil er mit Ausländern zusammengearbeitet hat. Rund elf Jahre lang war er in Afghanistan Fahrer für Ingenieure der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) - bis er mit seiner Familie nach Deutschland kommen konnte.

Noch mehrere Prozesstage am Landgericht Freiburg

Wie der Angeklagte berichtete, bekamen er und seine Familie in Südbaden zunächst eine Aufenthaltsgenehmigung für zwei Jahre. Die ersten Monate wohnten sie demnach in einem Heim in Bad Krozingen, zogen dann aber in eine größere Wohnung nach Müllheim um.

Die Kinder gingen zur Schule. Er und seine Frau lernten Deutsch. Über seinen Verteidiger ließ der Angeklagte im Gerichtssaal verlauten, er bereue die Tat und entschuldige sich - auch bei seinen Kindern, von denen drei minderjährig sind.

Seit Oktober sitzt der Tatverdächtige in Freiburg in Haft. Eine Entscheidung über sein Strafmaß wird noch im März erwartet. In den kommenden Wochen sollen weitere wichtige Zeugen vernommen werden. Nach dem Prozessauftakt sind noch sechs weitere Verhandlungstage angesetzt.

Südbaden

Gewalt gegen Frauen nimmt zu Femizid: Wenn Frauen getötet werden, weil sie Frauen sind

Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt zu. In Südbaden gab es offiziell elf versuchte oder vollendete Femizide.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Rheinland-Pfalz

Zwischen Haftstrafe und Fußfessel Wie Femizide in Rheinland-Pfalz und Europa behandelt werden

Nahezu täglich wird in Deutschland eine Frau Opfer von Gewalt - weil sie eine Frau ist. Wie können Frauen geschützt werden, wie ist die Rechtslage hierzulande und im europäischen Vergleich?

Opferschutz Femizide verhindern ‒ Männergewalt frühzeitig erkennen und stoppen

Der Mord an einer Frau, die nicht den Vorstellungen des Täters von "Frau sein" entspricht, kündigt sich häufig an. Prävention ist möglich.

Das Wissen SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Louise Schöneshöfer
Louise Schöneshöfer, Reporterin im SWR Studio Freiburg.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!