Sorge um frühe Sorten

Jetzt droht Spätfrost: Wie Obstbauern ihre Bäume schützen

Frühe Erdbeeren, Kirschen und Zwetschgen stehen teils in voller Blüte, die Apfelblüte geht los. Mit Flies und Beregnung schützen die Obstbauern im Rheintal sie nun vor der Kälte.

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Von Autor/in Christine Veenstra

Die aktuellen Wettervorhersagen mit Nachttemperaturen um 0  und bis -3 °C bereiten Obstbauern in der Rheinebene Sorgen. Viele Obstbäume und frühe Erdbeersorten stehen bereits in der Blüte. Wird es zu frostig, kann das Ertragseinbußen bedeuten.

Egon Busam Obstbauer in Renchen (Ortenaukreis) zum Beispiel hofft am Donnerstag noch auf ein bisschen Nachmittagssonne. Sie soll seine Folientunnel am Rand des Ortsteils Erlach nochmal aufwärmen. Denn für die kommende Nacht zählt jedes Grad.

Erste Erdbeeren eigentlich in vier Wochen

Die frühen Erdbeeren des Obstbauern stehen größtenteils in voller Blüte, einige Pflanzen haben erste Fruchtansätze. "Wenn nichts dazwischenkommt, haben wir in vier Wochen die ersten Erdbeeren", sagt der Landwirt. Doch die angekündigten Nachtfröste sind ein Risiko für die frühe Ernte.

Diese schwarze Plane soll die Erdbeeren zusätzlich vor Unkraut schützen.
Diese schwarze Plane soll die Erdbeeren zusätzlich vor Unkraut schützen. Christine Veenstra

"Wir haben Bauchweh", sagt Bauer Busam angesichts der Wetteraussichten. Deshalb ergreift er Schutzmaßnahmen, wie viele seiner Berufsgkolleginnen und -kollegen im Ort.

Zusammen mit seinem Sohn hat der Obstbauer am Nachmittag Flies über die 140 Meter langen Erdbeerreihen ausgebreitet.  Zusätzlichen wird die Erde unter den Pflanzen über Tropfschläuche bewässert. Die feuchte Erde kühlt nicht so schnell aus und kann in den kältesten Stunden am frühen Morgen noch immer etwas Wärme abgeben.

Wenn Wasser zu Eis wird, entsteht Wärme

Die Apfelbauern in Busams Nachbarschaft bereiten sich auf den Einsatz von Frostberegnung vor. Über den Kronen ihrer Apfelbäume sind dazu Wassersprenkler installiert. Die lassen es über den Bäumen regnen. Wenn es dann tatsächlich Minusgrade gebe, werde das Wasser zu Eis und das helfe, erklärt Ergon Busam.

"Paradoxerweise ist es so, wenn Wasser zu Eis wird, entsteht Wärme. Und wenn sich um die Blüte ein Eispanzer bildet, dann ist darin so viel Wärme, dass die Blüte nicht erfriert."

Frühe Sorten bergen höheres Risiko

Bei Steinobst, wie Kirschen und Zwetschgen, wird diese Methode nicht empfohlen. Hier wird vor allem der Boden unter den Bäumen frei gehalten. Wenn der Wind durchziehen könne, sorge das dafür, dass sich der Frost nicht so gut festsetzen könne, sagt Bauer Busam.

Blühende Kirschbäume im Ortenaukreis: Obstbauern machen sich wegen der kalten Temperaturen Sorgen um ihre Ernte.
Blühende Kirschbäume im Ortenaukreis: Obstbauern machen sich wegen der kalten Temperaturen Sorgen um ihre Ernte. Christine Veenstra

Auch wenn die Obstbauern aktuell in Sorge sind - ungewöhnlich sind die frostigen Temperaturen um diese Jahreszeit wohl nicht: "Es ist eher so, dass die Vegetation immer früher im Jahr lsogeht", sagt Egon Busam.

Besonders in warmen Lagen mit leichten Böden und viel Sonneneinstrahlung kämen die Obstbäume teils sehr früh zur Blüte. Das verspreche einerseits frühe Erntetermine und damit gute Preise für das Obst, berge aber eben auch ein hohes Risiko, von gefährlichen Nachtfrösten getroffen zu werden.

Varianz bei Sorten ist wichtig

Wappnen könnten sich die Bauern dagegen nicht nur mit technischen Mitteln, sondern auch, indem sie auf unterschiedliche Sorten setzten, sagt Landwirt Busam. "Wenn man alles auf ein Pferd setzt, kann sein, dass man verliert. Und so ist es auch in der Landwirtschaft. Wenn man nur eine Kultur hat und nur einen Zeitraum, das kann einen schon hart treffen."

Obstbauer Egon Busam aus Renchen im Ortenaukreis schützt seine Erdbeeren mit einem Vlies vor der Kälte.
Obstbauer Egon Busam aus Renchen im Ortenaukreis schützt seine Erdbeeren mit einem Vlies vor der Kälte. Christine Veenstra

Busams späte Sorten sind jetzt noch nicht in der Blüte. Das heißt, für sie birgt der Frost noh keine Gefahr. "Wir haben 1,3 Hektar frühe Sorten im Tunnel und 0,7 Hektar späte Sorten hinten dran. Das Ziel ist acht Wochen am Stück Erdbeeren zu verkaufen."

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Christine Veenstra
Bild von SWR-Redakteurin Christine Veenstra

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