Filterkaffee, Spekulatius, Brote und Aufstriche gehören zum Hilfsangebot der Pflasterstub’ des Caritasverbands Freiburg-Stadt. Doch die Tagesstätte bietet weit mehr: Sie ist zugleich Waschsalon, Bank, Arztpraxis, Kleiderfundus und Beratungsstelle. Montags bis freitags von 7 bis 12 Uhr nutzen bis zu 120 Menschen das Angebot - besonders bei frostigen Temperaturen. "Die Menschen, die zu uns kommen, sollen uns menschenwürdig wieder verlassen", erzählt Leiter Willibert Bongartz.
Obdachloser: Pflasterstub’ ist "wie eine Heimat"
Nur einen Katzensprung von der Freiburger Stadtbibliothek entfernt liegt die Pflasterstub’ der Caritas. Über eine schmale Treppe geht es hinab ins Untergeschoss. Gelb gestrichene Wände, Holzvertäfelungen, mehrere Tische und Bänke prägen die Räume. Es ist kurz nach 10 Uhr. Auf den Tellern liegen belegte Brotscheiben mit Leberwurst und Käse. Im hinteren Bereich liest ein älterer Mann Zeitung, ein anderer arbeitet an seinem Computer. Eine Frau stöbert in einem Regal mit kostenloser Kleidung.
Mit Hut und langem weißem Bart sitzt Stefan an einem der Tische. Er lebt in einem Zelt im Wald und kommt seit fast zehn Jahren in die Freiburger Pflasterstub’. "Wie eine Heimat", sagt er. Neben ihm sitzt Adel - Schal und Jacke hat er nicht ausgezogen. Er habe zwar eine Postadresse, erzählt er, wohne dort aber nicht. Die nasse Kälte sei derzeit das Schlimmste. Etwa jeden zweiten Tag komme er zum Frühstücken in die Pflasterstub'. Hier könne er zur Ruhe kommen.
Duschen, rasieren, waschen, frühstücken
Bis 10:30 Uhr bietet die Pflasterstub' ein kostenloses Frühstück an. Rund 80 Menschen nehmen das Angebot täglich wahr: Sie laden ihre Handys auf, lesen Zeitung oder tauschen sich aus. Einige der "Gäste", wie Pflasterstub’-Leiter Willibert Bongartz sie nennt, kommen bereits kurz vor 7 Uhr. Schlange stehen müsse jedoch in der Regel niemand - lediglich montags und freitags, wenn viele duschen möchten. Zwei Duschkabinen gibt es, ebenso mehrere Waschmaschinen. Für rund drei Euro übernehmen unter anderem Ehrenamtliche das Waschen, Trocknen und Zusammenlegen der Wäsche der Bedürftigen. "Die Menschen, die hierherkommen, sollen sich so versorgen können, wie ich es morgens selbst tue nach dem Aufstehen", betont Bongartz.
Neben einem vollen Bauch und frischer Wäsche bietet die Pflasterstub' auch eine medizinische Ambulanz. Dreimal in der Woche kommt ein Arzt vorbei. Ehrenamtliche wie die ehemalige Krankenschwester Eva Sonner unterstützen zusätzlich: Sie hilft in Notfällen oder gibt bei Bedarf eine Schmerztablette aus - eine Aufgabe, die den übrigen Mitarbeitenden nicht erlaubt ist. Außerdem verwaltet die Pflasterstub’ das Geld Dutzender Menschen, die kein eigenes Konto haben. Der Aufwand sei hoch, sagt Bongartz, aber anders ginge es nicht.
Kälte sorgt für Zulauf - sehr unterschiedliche "Gäste"
"Der Zulauf in den letzten zwei, drei Wochen war natürlich sehr hoch", erzählt Bongartz. Die trockene Kälte sei für viele erträglicher als das Tauwetter. Sobald die Menschen erst einmal nass seien, bräuchten sie einen Raum, in dem sie ihre Sachen trocknen können, so der Einrichtungsleiter weiter.
Für viele, die nicht mehr so gut organisiert sind, ist es ganz, ganz schwierig, bei dieser Witterung auf der Straße zu überleben.
Generell beobachtet Bongartz, dass mehr Männer als Frauen die Pflasterstub’ besuchen. Die Jüngsten seien 20 Jahre alt, die Ältesten 80 Jahre. Vom Bildungsstand sei es komplett gemischt. "Wir haben auch Menschen mit Doktortitel, aber auch Menschen, die Ingenieure waren, Hilfsarbeiter und Menschen ohne Ausbildung", so der Leiter. Primär richtet sich die Pflasterstub' an Menschen, die auf der Straße leben - laut Bongartz sind das rund 200 Menschen in Freiburg. Sach- oder Geldspenden nimmt die Tagesstätte gerne entgegen.