Ein katholischer Priester aus der Erzdiözese Freiburg hat möglicherweise jahrelang minderjährige Jugendliche missbraucht. Vor dem Landgericht München hat jetzt ein Prozess gegen den heute 58-Jährigen begonnen. Im Zentrum steht eine Tat nach einem Oktoberfestbesuch 2005.
Priester soll Jugendliche mit Alkohol gefügig gemacht haben
Laut Anklageschrift ist der Mann Mitglied eines katholischen Ordens und hat von 2005 bis 2008 in einer Gemeinde im südlichen Schwarzwald als Pfarrer gearbeitet. Im Jahr 2005 soll sich demnach während eines Besuchs des Münchner Oktoberfests ein besonders schwerwiegender Vorfall ereignet haben: Der Geistliche soll zwei Jugendliche auf die Wiesn eingeladen und für sie sämtliche Kosten übernommen haben.
Nach einem exzessiven Alkoholkonsum soll er die stark betrunkenen Jugendlichen in ein gemeinsames Hotelzimmer gebracht haben. Dort habe der Angeklagte die Jugendlichen sexuell missbraucht. Die beiden Jungen seien sehr betrunken und deshalb wehrlos gewesen, so die Anklage.
Ein Dachbodenzimmer als Ort weiteren Missbrauchs?
Darüber hinaus schildert die Staatsanwaltschaft, dass der Mann ein von ihm eigens eingerichtetes Dachbodenzimmer im Pfarrheim in dem Schwarzwaldort genutzt haben soll, um männliche Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren zu empfangen. Der Raum sei mit Sitzgelegenheiten, einer Leinwand und einem Kühlschrank mit alkoholischen Getränken ausgestattet gewesen. Dort hätten regelmäßige Treffen mit den Jugendlichen stattgefunden, bei denen Alkohol konsumiert wurde.
Die Staatsanwaltschaft beschreibt, dass der Geistliche gezielt das Vertrauen der Jugendlichen suchte und sie mit Geschenken wie Computern und Snowboardausrüstung umwarb.
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Funde auf dem Smartphone belasten angeklagten Priester
Im Zuge der Ermittlungen wurde die Wohnung des Beschuldigten durchsucht. Dabei stießen die Ermittler auf ein Smartphone, das jugendpornografisches Material enthielt. Die darauf gefundenen Bilddateien sollen Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren in teils expliziten sexuellen Posen zeigen. Laut der Anklage war sich der Geistliche der strafbaren Natur dieser Inhalte bewusst.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen, sexuellen Missbrauch von Jugendlichen sowie den Besitz von jugendpornografischem Material vor.
Zuletzt lebte der Priester in einem Kloster in Oberbayern. Nach Medienberichten hat er die Vorwürfe eingeräumt. Ein Urteil soll Anfang April fallen.