Wann wandten sich die Eltern an das Personal? Und wer half, wer nicht? Eine Woche nach dem Urteil im Prozess um den Missbrauch eines Mädchens beim Erlebnisbad Rulantica in Rust (Ortenaukreis) stehen Fragen wie diese weiter im Raum. Die Eltern des Mädchens hatten den Europa-Park als Betreiber und das Rulantica-Personal im Prozess gegen den Täter wiederholt scharf kritisiert. Jetzt hat erstmals der Direktor des Wasserparks, Michael Kreft von Byern, öffentlich über jenen Abend im August 2025 gesprochen.
- Was war passiert?
- Was sagt der Leiter des Rulantica?
- Gibt es schon eine Reaktion der Eltern?
- Was macht das Rulantica jetzt für mehr Sicherheit?
Was war passiert?
Ein Mann hatte ein damals sechs Jahre altes Kind nach eigenen Angaben aus dem Bad des Europa-Parks gelockt und in der Nähe des Rulantica missbraucht. Erst Stunden später wurde das Mädchen mehrere Kilometer vom Bad entfernt entdeckt. Das Landgericht Freiburg verurteilte den Mann vergangene Woche zu vier Jahren und neun Monaten Haft.
Gleich mehrfach hätten sich die Eltern nach dem Verschwinden ihrer kleinen Tochter an jenem Abend an das Personal des Bades gewandt und erfolglos um Hilfe gebeten, hatte der Vater im Prozess ausgesagt. Auf die Bitte, die Polizei zu rufen, habe er die Antwort bekommen: "Das können Sie selbst machen." Auch die Security und die Kasse am Ausgang wurden nach Aussage der Eltern nicht alarmiert.
Was sagt der Leiter des Rulantica?
Der Rulantica-Chef schilderte jetzt der "Badischen Zeitung" seine Sicht auf die Abläufe. So hätten die Eltern sich nach dem Verschwinden ihrer Tochter über eine halbe Stunde später beim Badepersonal gemeldet, als es der Vater im Prozess geschildert hatte. Das könne passieren, schließlich seien die Eltern "in einem Ausnahmezustand" gewesen, sagte Kreft von Byern. Alle Mitarbeiter seien dann über Funk über die Vermisste informiert worden. Technische Möglichkeiten, ein vermisstes Kind ausrufen zu lassen, gebe es im Bad nicht.
Mögliche Missverständnisse führte Kreft von Byern darauf zurück, dass Deutsch nicht die Muttersprache der Mutter des Mädchens sei. Man habe ihr ein Telefon angeboten, um die Polizei anzurufen, weil die Polizei erfahrungsgemäß immer selbst mit den Angehörigen sprechen wolle, hieß es vom Rulantica-Chef weiter. Er räumte aber ein, dass das Personal am Ausgang nicht genau genug hingeschaut habe, als der Täter mit dem Mädchen das Bad verlassen wollte. Unter anderem sei das Kind dem Mann "ohne Protest" gefolgt, daher sei das Personal nicht alarmiert gewesen.
Gibt es schon eine Reaktion der Eltern?
Es gibt eine Reaktion des Anwalts des Mädchens und dessen Eltern, Thorsten Schulte-Günne. Er widersprach dem Rulantica-Chef am Mittwoch in mehreren Punkten. Etwa beim Thema Durchsagen: Die Eltern hätten ihm unabhängig voneinander berichtet, dass Durchsagen im Bad verweigert worden seien, um eine mögliche Panik zu vermeiden, teilte Schulte-Günne dem SWR mit. Die Technik sei kein Thema gewesen.
Außerdem gab er an, dass sich der Vater des Mädchens zu dem genannten späteren Zeitpunkt nicht zum ersten, sondern zum zweiten Mal an die Aufsicht gewandt habe. An der Kasse am Ausgang habe niemand Kenntnis von einem Funkspruch gehabt. Zu einer möglichen Sprachbarriere teilte Schulte-Günne mit, dass der Vater fließend Deutsch spreche. Ein Telefon sei ihnen nicht angeboten worden.
Es werde in der nächsten Zeit noch Gespräche geben zwischen den Beteiligten.
Was macht das Rulantica jetzt für mehr Sicherheit?
Nach früheren Angaben des Europa-Parks wurden nach der Tat die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Unter anderem soll ein neues Armband in Rulantica Eintritt und Austritt ermöglichen, das Schließfach kann damit genutzt und es kann bargeldlos bezahlt werden. "Optional lassen sich mehrere Armbänder im Familienverbund koppeln, so dass der Auslass für Minderjährige nur möglich ist, wenn zuvor ein Erwachsener aus derselben Buchung das Drehkreuz passiert hat", hieß es.