Prozess gegen Helfer des Attentäters

"Ich hasse ihn": Überlebende des Terroranschlags auf den Straßburger Weihnachtsmarkt will Gerechtigkeit

Martine Wintenberger hat den Terroranschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt überlebt. Sieben Jahre nach dem Attentat tritt sie vor Gericht einem Helfer des Täters entgegen.

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Von Autor/in Nadine Ly, France 3

Sieben Jahre nach dem Attentat auf den Straßburger Weihnachtsmarkt hat in Paris der Berufungsprozess gegen den vermutlich wichtigsten Helfer des Täters begonnen. Audrey Mondjehi wurde in erster Instanz zu 30 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er dem Täter mit der Beschaffung von Waffen bei der Umsetzung der Terrorpläne geholfen hatte.

Mondjehis Anwälte legten Berufung ein. Für die Angehörigen der Opfer und die Überlebenden könnte die erneute Verhandlung nun weitere Antworten auf ihre Fragen liefern.

Nach dem Terroranschlag begann für Martine Wintenberger eine schwere Zeit

Mehr als sieben Jahre sind vergangen, doch Martine Wintenberger hat nichts vom Abend des 11. Dezember 2018 vergessen. Sie kann sich noch genau daran erinnern als der aus Straßburg stammende Terrorist Cherif Chekatt auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt um sich schoss. "Die Kugel durchschlug meine Jacke und mein T-Shirt, blieb dann aber zwischen dem T-Shirt und meiner Haut stecken", erinnert sich Wintenberger.

An diesem Abend starben fünf Menschen, elf weitere wurden verletzt. Zwei Tage nach dem Anschlag wurde der flüchtige Täter von Polizisten erschossen. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte den Anschlag für sich.

Für Martine Wintenberger begann eine schwere Zeit. Sie war vier Mal in der Psychiatrie und hatte Suizidgedanken. Sich unbeschwert und fröhlich durch die Straßburger Innenstadt bewegen - seit dem Attentat ist das für sie unmöglich. Auf der Straße ist sie immer in höchster Alarmbereitschaft - auch Schuldgefühle plagen sie.

Warum habe ich überlebt?

Martine Wintenberger hat Angst, erzählt sie. Viele Fragen seien immer noch unbeantwortet. Unter anderem die Frage nach dem Sinn ihres Überlebens. "Zwei junge Männer standen an dem Abend neben mir. Sie sind gestorben. Die hatten das Leben noch vor sich. Für mich neigt es sich schon ein bisschen dem Ende zu", sagt sie.

Nach dem Anschlag auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt: Menschen legenBlumen nieder, zünden Kerzen an - Angehörige und Überlebende leiden auch nach sieben Jahren noch
Der Anschlag auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt - einer der Helfer wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt, dagegen will er vorgehen: Viele Betroffene leiden und haben immer noch offene Fragen. Sebastian Gollnow

Terror auf Straßburger Weihnachtsmarkt: Helfer will kürzere Haftstrafe

Der vermutlich wichtigste Komplize des Täters steht nun erneut vor Gericht. Audrey Mondjehi wurde wegen der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung in erster Instanz zu 30 Jahren Haft verurteilt. Im Prozess vor zwei Jahren hatte der 44-Jährige ausgesagt, dass ihm die islamistische Radikalisierung des Attentäters nicht bekannt gewesen sei. Er habe ihn für einen einfachen Kriminellen gehalten, von den Anschlagsplänen habe er nichts gewusst.

Beim ersten Gerichtsverfahren stand Martine Wintenberger zu sehr unter Schock, um auszusagen. Im Berufungsprozess will sie sich Mondjehi aber nun stellen - sie sieht ihre Aussage als Prüfung. "Ich hasse ihn, ich sage das ganz ehrlich. Ich will meine Stimme erheben. Ich will Gerechtigkeit, Würde und Selbstbestimmung", so Wintenberger.

Ihre Wut auf den Helfer des Täters, der vor Gericht für eine kürzere Haftstrafe kämpfen will, ist immer noch sehr groß. "Ich habe die Dschihadisten und Terroristen satt und er gehört dazu. Wenn er 30 Jahre Haft bekommen hat, dann hat das einen Grund. Er ist ein Mörder", sagt Wintenberger. Sie hofft, auch durch das Gerichtsverfahren mit dem Abend des 11. Dezember 2018 abschließen zu können.

Über dieses Thema berichtete die Sendung Dreiland aktuell in SWR Aktuell am 28.03.2026 (18 Uhr).

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Autor/in
Nadine Ly, France 3
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Mario Schmidt
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