Es ist Ende Februar 1945, kurz vor Mitternacht. Über dem Sulztalferner in Tirol öffnet sich die Luke eines US-amerikanischen Bombers. Drei Agenten springen in die Dunkelheit. Unter falscher Identität sollen sie in Innsbruck Informationen über die Nationalsozialisten und die deutsche Wehrmacht sammeln.
Anführer der sogenannten Operation Greenup ist der Jude Fred Mayer. Geboren und aufgewachsen als Friedrich Mayer in Freiburg im Breisgau, von den Nationalsozialisten seiner Heimat beraubt und 1938 in die USA ausgewandert. Sieben Jahre später kehrt er als US-amerikanischer Geheimagent ins Deutsche Reich zurück.
Das SWR-Studio Freiburg erzählt Teile seiner Geschichte im Auftrag des SWR-Innovationslabors X Lab mithilfe Künstlicher Intelligenz. Beim Einsatz von KI folgt der SWR strengen Regeln.
- Warum setzt der SWR KI ein, um die Geschichte zu erzählen?
- Die Recherche
- Wie verhindert der SWR historische Verzerrungen?
- Was sagen die Nachkommen?
Warum setzt der SWR hier KI ein?
Von Fred Mayer sind nur wenige historische Fotos erhalten. Von den entscheidenden Momenten seiner Mission gibt es keine Filmaufnahmen. Gleichzeitig ist der Einsatz durch Militärakten, Funksprüche, private Fotos und Interviews gut dokumentiert. Wie lässt sich eine historisch gut belegte Geschichte filmisch erzählen, wenn von vielen Ereignissen keine Bilder existieren?
Die KI-generierten Szenen sollen also sichtbar machen, was sich aus den vorhandenen Quellen rekonstruieren lässt. Dazu gehören etwa Fred Mayers Absprung über den Alpen oder seine Tarnung als Wehrmachtsoffizier.
Originalfotos in schwarz-weiß wurden koloriert:
Szenen wurden mithilfe von KI erzeugt:
In einer internen Nutzerbefragung zeigte sich die Mehrheit der 21- bis 35-Jährigen grundsätzlich offen für KI in der Geschichtsvermittlung.
Die Recherche
Mehr als ein Jahr recherchierten die Autorinnen des Kurzfilms zur Operation Greenup. Sie haben Dokumente gesichtet, mit Historikern und Nachkommen gesprochen und die Originalschauplätze der Mission in Innsbruck und Oberperfuss besucht. Aus diesen Quellen entstand Schritt für Schritt der Film.
Für eine Szene wurden zunächst Fotografien, Ortsbeschreibungen, militärische Berichte und Interviews zusammengetragen. Auf dieser Basis wurden durch die KI Bilder generiert und engmaschig von der Redaktion abgenommen. Die KI-Szenen wurden vom KI-Creator Oliver Ende gemeinsam mit der Redaktion entwickelt. Oliver Ende wurde 2025 für seinen KI-Film beim NDR mit dem Bremer Fernsehpreis ausgezeichnet.
Die Recherche sollte nicht nur klären, was geschehen ist. Sie musste auch Details beantworten, die für die Bilder wichtig sind: Wie genau sah das Funkgerät aus? Welche Kleidung, welche Abzeichen trugen die Beteiligten?
Je genauer die Grundlage, desto enger ließ sich die visuelle Rekonstruktion an den historischen Quellen ausrichten. Ein Beispiel ist Fred Mayers Aufenthalt in einem Innsbrucker Offizierskasino. Von diesem Raum gibt es keine bekannten Aufnahmen. Überliefert ist jedoch, dass Mayer sich als deutscher Offizier ausgab und dort Gespräche mit Wehrmachtsangehörigen führte.
Wie verhindert der SWR historische Verzerrungen?
KI-Systeme können überzeugende Bilder erzeugen, das bedeutet aber nicht in jedem Fall, dass diese Bilder historisch richtig sind.
Sie können Details ergänzen oder verändern. Für ein journalistisches Projekt über eine Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus ist deshalb eine sorgfältige Kontrolle besonders wichtig. KI-Bilder entstanden nur für Ereignisse, die durch Quellen gestützt werden. Die erzeugten Bilder wurden mit den recherchierten Informationen abgeglichen. Auffällige oder sachlich falsche Details mussten korrigiert oder verworfen werden. Alle KI-generierten oder bearbeiteten Bilder werden im Film gekennzeichnet.
Was sagen die Nachkommen?
Der SWR stand während der Produktion in engem Austausch mit der Familie von Fred Mayer. Seine Tochter Claudette Mayer und sein Enkel Shane Mayer stellten private Fotos und Dokumente zur Verfügung.
Die Zustimmung der Familie ersetzt keine historische Prüfung. Sie ist dennoch wichtig, weil der Film eine reale Person, ihren Vater und Großvater zeigt. Seine Reaktion auf die generierten KI-Szenen war sehr positiv.
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