In Tannheim (Schwarzwald-Baar-Kreis) wurde das Freibad im Jahr 2004 eigentlich geschlossen - so wie derzeit vielerorts. Doch das wollten die Menschen nicht hinnehmen und gründeten rund zwei Monate später einen gemeinnützigen Förderverein. Seitdem betreiben sie das Freibad selbst. Doch so ein Badebetrieb ist viel Aufwand, vor allem, wenn an heißen Sommertagen viel los ist.
Alle machen alles im Tannheimer Freibad
Es ist ein heißer Juni-Mittag. Gleich öffnet das Tannheimer Freibad, doch ganz fertig sind Mark Dannell und die anderen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer noch nicht. Mark Dannell stellt noch die Stühle beim Kiosk richtig hin und spannt die Sonnenschirme auf. "Wir sind sehr stolz auf unser Bad", sagt er. Gebürtig ist Dannell aus England.
Mit seiner Frau ist er vor Jahren nach Tannheim gezogen und relativ schnell dem Förderverein beigetreten. Mittlerweile ist er der Erste Vorstand. "Ich habe einen jungen Sohn. Er ist nirgends lieber als hier an so einem heißen Tag", sagt Mark Dannell. Er glaubt, dass viele wegen der Liebe zu den Kindern sich hier ehrenamtlich engagieren.
Tannheim ist ein Ort, der zusammenhält. Das bedeutet uns extrem viel.
Mit einem gelb-blauen Gerät ist Rentnerin Beate Riesterer am Beckenrand beschäftigt. Sie saugt damit das Becken ab, um es von Pflastern, Kaugummi und anderem Müll zu reinigen. Beate Riesterer war bereits vor 47 Jahren hier Schwimmmeisterin. Damals wurde das Bad noch von der Stadt Villingen-Schwenningen betrieben. "Ich habe meine Enkel und meine Tochter hier und arbeite gerne dafür, dass das Bad weiterläuft", sagt sie.
In ein paar Minuten öffnet das Bad. Später am Nachmittag gibt sie noch einen Schwimmkurs, einer von zweien pro Woche. Der heutige ist voll ausgebucht - die Kurse sind sehr gefragt.
Das Freibad ist im Sommer das A und O für die Kinder in Tannheim.
Tannheimer Freibad schreibt schwarze Zahlen
Das Tannheimer Freibad ist recht klein, aber trotzdem gut ausgestattet: ein renoviertes Schwimmbecken mit Nichtschwimmerbereich, ein neues Babybecken, ein Volleyball-Platz, Fußballtore, Tischtennisplatten, ein Kiosk.
Würde es den Förderverein nicht geben, stünden auf dem Gelände mittlerweile vermutlich Häuser, sagt Mark Dannell. "Ohne den Verein würde es hier kein Bad geben."
Der Förderverein hat etwa 60 aktive und 200 passive Mitglieder. Das Freibad ist wirtschaftlich erfolgreich, doch ohne Finanzspritze geht es trotzdem nicht. "Wir bekommen einen Zuschuss von der Stadt, das reicht für die laufenden Betriebskosten", erklärt Mark Dannell. Und es gebe auch immer mal wieder großzügige Spenden. Den Rest stemmen sie durch die Einnahmen des Kiosks, sagt Dannell.
Tannheimer sind dankbar für ihr Freibad
Der Aufwand scheint sich zu lohnen - das Freibad ist gut besucht. Auch an diesem Vormittag. Kurz nach Eröffnung hat sich eine Schlange am Kassenhäuschen gebildet. "Wir sind froh, dass wir das Bad hier haben und hoffen, dass es noch lange bleibt", sagt Besucherin Uschi Pozar.
Viel los bedeutet, gut was zu tun für Michaela Baumer-Wallis. Sie arbeitet im Kiosk und ist eine der vielen ehrenamtlichen Helferinnen. Baumer-Wallis ist von Anfang an dabei. "Ich fand es toll, dass es in Tannheim ein Schwimmbad gibt. Und als es am Zusammenbrechen war, da war jede helfende Hand wichtig", erzählt sie.
Das Freibad ist das Herz von Tannheim, da hängt eigentlich jeder dran.
Die Kuchen, die sie heute durchs Verkaufsfenster des Kiosks reicht, sind alle gespendet und wurden von Menschen aus dem Ort gebacken. "Wenn der Kuchen mal aus ist, fragen wir herum, ob noch jemand schnell einen Kuchen bringen kann", sagt Michaela Baumer-Wallis.
Die Zukunft des Tannheimer Freibads
Doch so wie aktuell sehr vielen Vereinen geht es auch dem Förderverein in Tannheim: Freiwillige werden weniger. "Es dürften ruhig ein paar mehr sein", sagt Mark Dannell. Aus diesem Grund, und weil viele der Ehrenamtlichen noch einen Hauptberuf haben, ist die Badeaufsicht unter der Woche eine professionell bezahlte.
Der Förderverein macht jedenfalls weiter, ist motiviert und hat auch bereits neue Ideen. Das nächste Projekt soll eine PV-Anlage sein, um die Stromkosten zu reduzieren. "Das Freibad ist ein gemeinsames Projekt hier in Tannheim und ich hoffe, das wird auch noch in 50 Jahren so sein", sagt Mark Dannell.