Der Anglerverband Bas-Rhin im Elsass warnt wegen anhaltender Trockenheit vor dramatisch verschlechterten Lebensbedingungen für Tiere in vielen kleinen Flüssen der Region. Nach zwei Hitzewellen innerhalb von zwei Monaten sinken die Pegelstände weiter, die Wassertemperaturen steigen deutlich an.
Flüsse im Elsass ungewöhnlich warm
Antonin Roustan vom Anglerverband Bas-Rhin hält ein Messgerät in das Wasser des Hanfgrabens im Großen Ried nahe der deutsch-französischen Grenze. Dort tritt normalerweise kaltes Quellwasser aus. Die Temperatur des Flusses sollte um diese Jahreszeit 16 Grad nicht übersteigen. Das Messgerät von Roustan zeigt aber fast 20 Grad an.
Braucht es lokale Badeverbote? Fische in Not: Wie viel Mensch verträgt die Dreisam in Freiburg?
An heißen Tagen wird die Dreisam in Freiburg quasi zu einem 13 Kilometer langen Freibad. Doch in dem Fluss leben auch Fische und die mögen das gar nicht. Ein Interessenkonflikt.
Am Rande des Flusses sind matschige Erde und freiliegende Wurzeln zu sehen. Der Wasserspiegel ist deutlich gesunken. "Normalerweise reicht das Wasser bis zu den Wurzeln. Wir haben 30 bis 40 Zentimeter verloren", sagt Antonin Roustan.
Anglerverband warnt vor Fischsterben im Sommer
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim nahe gelegenen Erlenbach, der eigentlich kühles und sauerstoffreiches Wasser aus den Vogesen führt. Auch dort misst das Gerät von Antonin Roustan inzwischen eine Temperatur von 20 Grad. Die hohen Temperaturen bedeuten laut dem Anglerverband Bas-Rhin erheblichen Stress für die Fische.
"Wenn es so weitergeht, können sich die Forellen in diesem Jahr möglicherweise nicht fortpflanzen", sagt Roustan. Forellen benötigen kaltes Wasser zur Fortpflanzung. Hinzu kommt: Setzt sich die Entwicklung fort, werden viele Forellen den Sommer voraussichtlich nicht überleben.
Erste tote Fische im Elsass entdeckt
In einigen Bächen wurden bereits tote Fische entdeckt. Der Anglerverband Bas-Rhin überwacht nach eigenen Angaben etwa 30 Gewässer im unteren Elsass. Zwölf davon seien bereits ausgetrocknet. "Seit 2015 hatten wir nicht mehr so viele ausgetrocknete Bäche, und es ist erst Ende Juni", berichtet Fabien Rapenne, technischer Leiter des Anglerverbands Bas-Rhin. Normalerweise gebe es solche Niedrigwasser erst viel später im Jahr.
Der Anglerverband im Bas-Rhin empfiehlt deshalb, Bäume an den Ufern der Bäche zu pflanzen und Staudämme zurückzubauen. So sollen natürliche Flussläufe wiederhergestellt werden. Außerdem rät der Verband derzeit vom Angeln ab.
Über dieses Thema berichtete die Sendung "Dreiland aktuell" am 04.07.2026, 18 Uhr, in SWR Aktuell Baden-Württemberg.