Notaufnahmen stark ausgelastet

Beschimpft, bedroht, geschlagen: Übergriffe in Kliniken nehmen zu - auch am Hochrhein

Sie helfen und werden angegriffen - verbal oder körperlich. Pflegekräfte und Ärzte erleben immer häufiger aggressive Patienten, besonders in Notaufnahmen wie am Klinikum Hochrhein.

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Von Autor/in Vanessa Amann

Beschäftigte in Krankenhäusern sehen sich zunehmend mit verbalen und körperlichen Übergriffen konfrontiert. Auch am Klinikum Hochrhein (Kreis Waldshut) erleben Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte dies in ihrem Berufsalltag. Päckchen, die man mit nach Hause nimmt, sagt der Leiter der Zentralen Notaufnahme, Christoph Schmitz.

Verbale Übergriffe gehören zum Alltag in der Notaufnahme

Eine Mutter kommt mit ihrem Kind wegen eines eingewachsenen Zehnagels in die Notaufnahme. Kein medizinischer Notfall. Christoph Schmitz, Leiter der Notaufnahme, erklärt das ruhig und versucht Alternativen aufzuzeigen. "Die Mutter fing eigentlich gleich an eine regelrechte Hasstirade auf das Haus loszulassen", erzählt Schmitz. Am Ende bittet er die Frau, die Klinik zu verlassen.

Verbale Übergriffe haben wir täglich.

Solche Situationen seien kein Einzelfall. Körperliche Gewalt sei seltener, doch auch Worte hinterließen Spuren - vor allem, da die Mitarbeitenden in der Notaufnahme an ihrer Leistungsgrenze arbeiten würden und man sich wünsche, dass Patientinnen und Patienten zufrieden das Haus verlassen, so Schmitz.

Steigende Erwartungen und lange Wartezeiten als Auslöser

Ein wesentlicher Grund für Aggressionen ist laut Schmitz die hohe Belastung in der Notaufnahme. Rund 33.000 Patientenkontakte gab es in der Notaufnahme am Klinikum Hochrhein im vergangenen Jahr. Viele Menschen kämen mit der Erwartung, sofort umfassend behandelt zu werden. Auch bei Beschwerden, die eigentlich ambulant versorgt werden müssten. Bleibt diese Erwartung unerfüllt, entlade sich Frust.

Dabei gehe es in der Notaufnahme nicht um Termine, sondern um Prioritäten. "Wir müssen ständig entscheiden, wer unsere Hilfe am dringendsten braucht", so der Leiter der Notaufnahme. Nicht alles könne dort behandelt werden. Auch, um andere Patienten nicht zu gefährden.

Übergriffe im Krankenhaus - ein bundesweites Problem

Dass Aggressionen kein Einzelfall sind, zeigen bundesweite Zahlen: Laut einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts gaben 66 Prozent der Krankenhäuser an, dass die Zahl der Übergriffe gestiegen ist. 95 Prozent berichten von Vorfällen in der Notaufnahme.

Auch im Klinikum Hochrhein kam es zwischen Mai und Dezember 2025 zu mindestens 46 sicherheitsrelevanten Vorfällen. In vielen Fällen spielten Alkohol, Drogen oder psychische Ausnahmesituationen eine Rolle. Rund 60 Prozent der Einsätze betrafen die Notaufnahme. Bereits vor der Corona-Pandemie führte das Klinikum deshalb einen Sicherheitsdienst in den Abend- und Nachtstunden ein.

Gewalt belastet Mitarbeitende langfristig

Auch wenn die Mehrheit der Patienten dankbar sei, blieben die negativen Begegnungen hängen. "Wenn von knapp hundert Patienten zwei ausfallend waren, dann sind es genau diese zwei, die man mit nach Hause nimmt", sagt Schmitz.

Das zerrüttet einen ein wenig.

Hinzukämen immer häufiger Anfeindungen gegenüber jungen Ärztinnen oder Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund. "Ohne sie wäre die Versorgung undenkbar", betont Schmitz. Eine bessere ambulante Versorgung könne die Notaufnahmen entlasten und damit auch Aggressionen reduzieren. Klar sei aber: Gewalt dürfe kein Teil des Klinikalltags sein.

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Autor/in
Vanessa Amann
Vanessa Amann, Reporterin Studio Freiburg

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