Grippe, Corona, RSV-Erkrankung: Die anhaltende Influenzasaison ist für einige Krankenhäuser in Baden-Württemberg eine Belastung. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind im Dezember 2025 und in der ersten Januarwoche 2026 6.500 Fälle von Influenza an das Landesgesundheitsamt (LGA) gemeldet worden. Das seien über viermal mehr Grippefälle als im Vorjahr. Ein Grund für die gestiegene Patientenzahl ist laut Ministerium auch der frühe Start der Grippewelle. Das Robert-Koch-Institut setzt den Beginn der derzeitigen Grippesaison auf Ende November 2025 und damit zwei bis drei Wochen früher als in den zwei Jahren davor. Einige Krankenhäuser im Land kämpfen mit Überlastung.
Zu wenige Betten: Im Klinikum Reutlingen müssen Operationen verschoben werden
Mit mehr als 60.000 gemeldeten Infektionen in ganz Deutschland ist die derzeitige Grippewelle nicht schlimmer als in den vergangenen Jahren, so das Klinikum Reutlingen. Laut Chefarzt Stefan Kühner hat der generelle Sparzwang im Krankenhaussektor jedoch dazu geführt, dass im Reutlinger Klinikum weniger Betten zur Verfügung stehen. "Jetzt aktuell haben wir eine extreme Influenza-A-Welle. Es sind wahnsinnig viele Patienten", so Kühner. Rund 60 Patientinnen und Patienten müssten außerdem wegen ihrer Ansteckungsgefahr isoliert werden. Für sie seien eigens Zimmer eingerichtet worden, auch einige geplante Operationen seien deshalb um ein paar Tage verschoben worden.
Jetzt aktuell haben wir eine extreme Influenza-A-Welle. Es sind wahnsinnig viele Patienten.
Ein Patient aus Reutlingen berichtet dem SWR von Herzrythmusstörungen, Schwindelanfällen und Durchfall. Ein Woche lang wurde er aufgrund von Influenza in der Klinik behandelt. Zunächst habe er die Krankheit unterschätzt, inzwischen wisse er: "Das möchte ich nie wieder erleben."
Klinikum Stuttgart sieht sich auf Grippe gut vorbereitet
Auch im Klinikum Stuttgart werden derzeit im Vergleich zum Vorjahr ungefähr dreimal so viele Patienten stationär mit Influenza behandelt. Nach Angaben des Klinikums ist die Zahl der Covid-Patienten im Vergleich dazu gering. Professor Jan Steffan Jürgensen, Vorstand des Klinikums Stuttgart, sieht sich und seine Kollegen gut vorbereitet. "Dass diese Grippesaison leider eher schwerer wird, hat sich abgezeichnet. Der medizinische Betrieb ist nicht eingeschränkt und wir erwarten auch keine Einschränkungen", so Jürgensen.
Ähnlich ist das Bild beim Klinikverbund Südwest, einem Zusammenschluss von Krankenhäusern in den Kreisen Böblingen und Calw mit Sitz in Böblingen. Man verzeichne aktuell eine deutlich erhöhte Zahl stationär behandelter Influenza-Fälle, teilte der Klinikverbund dem SWR auf Anfrage mit. Die Kliniken des Verbundes und speziell die Notaufnahmen stünden angesichts der saisonalen Infektwelle derzeit unter erhöhter Belastung. "Diese Situation wird zusätzlich dadurch erschwert, dass auch Mitarbeitende betroffen sind, was zeitweise zu personellen Engpässen führen kann."
Während der vergangenen Grippesaison waren laut dem LGA maximal 618 Menschen im Land wegen einer Grippeinfektion im Krankenhaus. In der ersten Woche des neuen Jahres wurde diese Zahl bereits übertroffen. Laut LGA sind hier bereits 633 Patienten behandelt worden.
Grippewelle auch bei Kindern hoch
Im Olgahospital des Klinikums Stuttgart, dem größten Kinderkrankenhaus in Deutschland, ist nach eigenen Angaben die Zahl der Grippe-Patienten seit Dezember anhaltend hoch. Rund 70 Kinder seien hier im vergangenen Dezember stationär wegen Influenza behandelt worden. Auch in der Kindernotaufnahme sei die Zahl der Patienten sehr hoch. Die Krankheitsverläufe reichten dabei von mild bis sehr schwer - teils habe es auch gravierende Komplikationen gegeben.
Nach Angaben des Klinikums Stuttgart ist die Zahl der kleinen Patienten mit dem RS-Virus (Respiratorische Synzytial-Virus), einer Atemwegsinfektion, eher niedrig. Seit 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission für alle Neugeborenen eine RSV-Immunisierung. Schwere RSV-Verläufe gibt es laut Klinikum eher bei ungeimpften Kindern.
"Rückgang um 70 Prozent" Klinikum Stuttgart: Weniger Babys wegen RSV im Krankenhaus
Gute Nachrichten aus dem Klinikum Stuttgart: Deutlich weniger Kinder als früher müssen stationär wegen des RS-Virus behandelt werden. Welche Erklärung die Ärzte dafür haben.
Laut Stefan Kühner vom Klinikum Reutlingen wird die Grippewelle noch einige Wochen anhalten. Manche der Infektionen könnten tödlich verlaufen, so der Chefarzt. Für Menschen, die nicht gegen Influenza geimpft sind, hat Kühner einen Rat: sich impfen lassen.