Der Fall hat in Freiburg und besonders an der Universität erhebliche Unruhe ausgelöst: Ein ehemaliger Uni-Mitarbeiter hat offenbar jahrelang heimlich Frauen in intimsten Situationen gefilmt. Das Amtsgericht Freiburg hatte ihn vergangene Woche deshalb zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das trieb am Montag Hunderte Studierende und Beschäftigte der Uni auf die Straße. Nun will die Staatsanwaltschaft Freiburg eine härtere Strafe erreichen. Sie hat deswegen Berufung eingelegt. Bei der Freiburger Polizei haben sich weitere Frauen gemeldet.
Der 57-jährige Mann war zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren gefordert. Jetzt muss der Fall vor dem Freiburger Landgericht erneut verhandelt werden.
Heimliche Videos: Polizei prüft weitere Hinweise von Frauen
Unterdessen haben sich nach den Medienberichten in den vergangenen Tagen bei der Freiburger Polizei weitere Frauen gemeldet. "Deren Informationen und Hinweise werden derzeit geprüft", sagte ein Polizeisprecher dem SWR. "Zu weiteren Details können wir gegenwärtig noch keine Angaben machen."
Verurteilt wurde der Mann, weil er zwischen 2019 und 2024 in 61 Fällen in Badezimmern Frauen mit versteckten Videokameras gefilmt hat. Laut Universität hatte er aber vor 2019 auch in Räumen der Uni Aufnahmen gemacht, in Toiletten sowie in Beratungsräumen. Nach Medienberichten sollen dadurch insgesamt mehr als 800 Frauen betroffen sein. Da die meisten Fälle aber mehr als fünf Jahre zurückliegen, gelten sie juristisch als verjährt.
Studienberater installierte Videokameras in Bädern und WCs Uni-Mitarbeiter filmt heimlich Frauen: 300 Menschen protestieren in Freiburg gegen Urteil
Ein Mitarbeiter der Uni Freiburg hat jahrelang heimlich Frauen in Bad und WC gefilmt. Das Urteil fiel milde aus, die Uni informierte erst jetzt darüber. Das macht viele wütend.
Die Universität Freiburg bekommt indes massive Kritik an ihrem Umgang mit dem Fall zu spüren. Eine am Montagmorgen kurzfristig anberaumte Veranstaltung hat laut einem Teilnehmer in einem überfüllten Hörsaal stattgefunden. Dabei sah sich die Universitätsleitung mit wütenden Fragen konfrontiert.
Heftige Kritik an Kommunikation der Uni Freiburg
Studierende kritisieren vor allem, dass die Uni zwar bereits 2024 über die Ermittlungen Bescheid wusste, aber erst nach dem Urteil darüber informierte. "Die Uni-Leitung hatte zwei Jahre lang Zeit bis zum Urteil, aber es kam nichts", sagt ein Uni-Beschäftigter, der nicht genannt werden möchte. Seiner Meinung nach hätte es auch vorher Möglichkeiten gegeben, auf die Ermittlungen hinzuweisen und Betroffenen Hilfe anzubieten. Auch sei nach wie vor unklar, welche Universitätsräume der Mann mit Videokameras ausgespäht habe.
Uni-Rektorin Kerstin Krieglstein wandte sich am Dienstagabend in einer weiteren Mail an die Studierenden und Mitarbeitenden. "Wir bedauern, dass betroffene Kolleginnen in einer extrem belastenden Situation nicht durchgehend die Unterstützung und Verlässlichkeit erfahren haben, die sie sich gewünscht haben und hätten erwarten dürfen", schreibt Krieglstein. Die Universität müsse ein sicherer Campus und Arbeitsplatz sein, an dem keine Frau Angst vor sexueller Gewalt haben müsse, versprach die Rektorin.