Studienberater der Uni installierte Videokameras in Bädern und WCs

Uni-Mitarbeiter filmt heimlich Frauen: 300 Menschen protestieren in Freiburg gegen Urteil

Ein Mitarbeiter der Uni Freiburg hat jahrelang heimlich Frauen in Bad und WC gefilmt. Das Urteil fiel milde aus, die Uni informierte erst jetzt darüber. Das macht viele wütend.

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Stand

Ein Uni-Mitarbeiter brachte versteckte Videokameras in Bädern und Toiletten an und filmte heimlich mehr als 800 Frauen: Der Mann ist deshalb zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Badische Zeitung hatte darüber berichtet. Gegen das Urteil haben am Montag rund 300 Menschen in Freiburg protestiert. Sie halten es für zu milde. Außerdem werfen sie der Universität vor, zu spät über den Fall informiert zu haben.

"Das Urteil ist ein Schlag ins Gesicht für alle Frauen", sagt die 22-jährige Lily auf der Demo. Sie hat selbst unter den Übergriffen des Mannes gelitten. "Wie kann es sein, dass ein Mitarbeiter der Uni über 15 Jahre Frauen gefilmt hat und die Justiz macht nichts?", fragt sie. Wie viele andere ist sie enttäuscht und wütend über das Urteil. Aber auch über den Umgang der Universität mit dem Fall. Erst nach der Urteilsverkündung hatte die Uni die Studierenden informiert.

Uni-Mitarbeiter versteckte Kameras auch in Uni-Toilette

Der Uni-Mitarbeiter hatte jahrelang Frauen mit versteckten Kameras im Bad oder auf Toiletten gefilmt. Junge Studentinnen, denen er eine WG vermietete, Kolleginnen auf einer Dienstreise, auch im Uni-WC und in Beratungssituationen machte er heimlich Aufnahmen. Vor zwei Jahren war der Mann aufgeflogen, als eine Studentin eine seiner Minikameras im Badezimmer ihrer Wohngemeinschaft gefunden hatte. Als das Ermittlungsverfahren 2024 bekannt wurde, kündigte ihm die Uni fristlos.

Service-Center der Universität Freiburg - hier hat ein Mann zahlreiche Frauen illegal gefilmt
Der Uni-Mitarbeiter hatte im Service-Center der Universität Freiburg gearbeitet. Jahrelang hatte er zahlreiche Frauen heimlich auf der Toilette gefilmt.

Bei der Kundgebung schildert Smilla, was sie erleben musste. Sie lebte mit sechs anderen Studentinnen in einer Wohngemeinschaft, die der Täter vermietete. Er habe seine Bewohnerinnen gezielt ausgesucht, so Smilla: "Er hat sich mindestens 50 Mädchen angeschaut und vorsortiert, wollte Instagram-Accounts haben. Uns ist auch aufgefallen, dass praktisch alle das selbe Alter haben, alle recht gut aussehen." Das sei ihr komisch vorgekommen, aber wegen des Wohnungsmangels in Freiburg habe sie keine Wahl gehabt.

Betroffene: "Damit wird man sich sein Leben lang beschäftigen"

Als ihre ehemaligen Mitbewohnerinnen später die Kamera im Badezimmer entdeckten, habe sie das alle extrem belastet. Smilla spricht von Panikattacken, monatelanger Übelkeit, Gewichtsabnahme. "Damit wird man sich sein Leben lang beschäftigen, und sein Leben lang Vertrauensprobleme haben, sich unwohl fühlen, wenn man in die Dusche geht, in jedem einzelnen Bad."

Ich habe nicht ausgesagt - ich hab' das psychisch nicht geschafft.

Nach dem Urteil hatten das Freiburger Frauenkollektiv und das Studierendenkollektiv zu einer Kundgebung aufgerufen. Sie fordern eine konsequente Aufarbeitung und mehr Schutz für Studentinnen. "Wie garantiert die Uni, dass so etwas nicht mehr passiert?", wollte eine Rednerin bei der Demo wissen.

Das Amtsgericht Freiburg verhängte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen". Die Staatsanwaltschaft hatte zweieinhalb Jahre Haft ohne Bewährung gefordert. Sie hat jetzt Berufung eingelegt, um ein höheres Strafmaß zu erreichen. Ein Großteil der Taten gilt allerdings juristisch als verjährt. Insgesamt soll der Mann mindestens 800 Frauen illegal gefilmt haben.

Uni-Mitarbeiter gekündigt - mit Ausgleichszahlungen

Die Universität erklärte, sie habe im Sommer 2024 einen gerichtlichen Vergleich mit dem Beschuldigten geschlossen. Damit habe sie gewährleisten wollen, dass der Mann nicht an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt. Deshalb seien in dem Vergleich bestehende Ansprüche geregelt worden, etwa Urlaubsabgeltung und Zeitguthaben.

Die Universität Freiburg verurteilt diese Straftaten aufs Schärfste, und unser Mitgefühl gilt allen Frauen, deren Intimsphäre so eklatant verletzt wurde.

"Ungeachtet ihrer Verjährung sind für uns diese Taten unerträglich", schreibt die Uni in ihrer Mail an die Studierenden. Sie kündigte an, die Räume der Universität stärker auf "unerlaubte Aufnahmetechnik" zu prüfen. Zudem wolle man den Schutz der Frauen und Prävention intensivieren, unter anderem mit Hilfe der bereits bestehenden Stelle protect Schutz gegen Diskriminierung und Machtmissbrauch. Das Ziel sei ein sicherer Campus.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Thomas Hermanns
Reporter Thomas Hermanns
Ulrike Liszkowski
Bild von SWR-Redakteurin Ulrike Liszkowski
Jan Lehmann
SWR Redakteur Jan Lehmann

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