An warmen Tagen zieht es viele Menschen in den Schwarzwald oder in die Alpen. Dort teilen sich Wandernde, Spazierende und Radfahrende die Wege mit Kühen, Bullen und Kälbern. Eigentlich sind Rinder friedliche Fluchttiere. Trotzdem kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Mitte Mai sorgte ein tödlicher Angriff auf eine Frau in Tirol für Schlagzeilen. Wer ein paar Grundregeln beachtet, kann Weiden jedoch sicher queren.
Wie gefährlich sind Kühe auf der Weide wirklich?
Auf dem Erlenbach im Schwarzwald weiden im Sommer mehrere Rinderherden. Weidewartin Isabell Martin und Stefan Winterhalter von der Weidegemeinschaft Erlenbach schauen regelmäßig nach ihren Tieren. Sie wissen: Rinder sind Fluchttiere und halten meist Abstand zu Menschen. Gleichzeitig sind sie aber auch neugierig.
Als die beiden die Weide ruhig betreten, wird eine Kuh aufmerksam. Sie hebt den Kopf, schnauft und kommt einige Schritte näher. Für Außenstehende kann das schnell bedrohlich wirken.
Für Isabell Martin ist das Verhalten jedoch zunächst ein Zeichen von Interesse. "Sie ist jetzt hergekommen, da sieht man schon: Sie hat geschnauft und macht den Kopf hoch. Jetzt hat sie schon keine Lust mehr", sagt sie. Tatsächlich dreht die Kuh kurz darauf wieder ab und trottet davon.
Kühe wirken oft gemütlich. Werden sie nervös, können sie aber erstaunlich schnell sein. Bis zu 40 Stundenkilometer schaffen Rinder auf kurzer Strecke und überraschend wendig sind sie auch.
Die Tiere sind im Gelände viel schneller als man denkt.
Gefährlich wird es vor allem, wenn Menschen oder nicht angeleinte Hunde den Tieren zu nahe kommen. Besonders Mutterkühe reagieren sensibel, wenn ihre Kälber in der Nähe sind. "Dann könnte es natürlich gefährlich werden", sagt Isabell Martin. Wer einer Mutterkuh zu nahe kommt, sollte ihre Größe nicht unterschätzen
Wer einer Mutterkuh zu nahe kommt, sollte auch ihre Größe nicht unterschätzen, betont Stefan Winterhalter. "Wir reden da bei einem Muttertier von 750 Kilo Kampfgewicht", sagt er. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen weichen Rinder Menschen lieber aus, als den Konflikt zu suchen. Voraussetzung ist, dass man ihnen genügend Platz lässt und hastige Bewegungen vermeidet.
Wie verhält man sich beim Wandern über eine Kuhweide richtig?
Die wichtigsten Regeln für alle, die eine Weide queren:
- Immer auf dem markierten Wanderweg bleiben.
- Weidezäune nur an vorgesehenen Übergängen öffnen und wieder sorgfältig schließen.
- Wenn die Herde direkt auf dem Wanderweg liegt: Möglichst großräumig mit mindestens 20 Metern Abstand vorbeigehen.
- Kälber nicht streicheln oder anfassen – Mutterkühe können aggressiv reagieren.
Kühe sind neugierig. Kommen sie näher, gilt vor allem: Ruhe bewahren, langsam weitergehen, weder rennen noch schreien. Hektische Bewegungen und lautes Rufen machen die Tiere nervös und können Flucht- oder Angriffsreaktionen auslösen.
Konfliktsituation zwischen Hund und Herde
Zu Konflikten kommt es immer wieder, wenn Hunde im Spiel sind. Kühe erkennen sie als potenzielle Gefahr. Gerät eine Herde in Aufruhr, kann das für Mensch und Tier riskant werden.
Isabell Martin und Stefan Winterhalter empfehlen: "Den Hund auf jeden Fall an der Leine haben, bevor man die Weide betritt. Wenn der Hund vorgelaufen ist und die Herde aufgescheucht wird, dann sind die Tiere schon in Alarmbereitschaft." Sollte ein Tier tatsächlich einmal angreifen, raten die Experten: "Ruhig bleiben, langsam weitergehen und den Hund von der Leine lassen: Der Hund ist meist schneller als die Kuh. Die Kuh wird in der Regel den Hund im Fokus haben."
Weide betreten: Was ist erlaubt, was verboten?
Rechtlich ist das Betreten einer Weide während der Vegetationszeit grundsätzlich verboten. Damit sollen Pflanzen und Tiere geschützt werden. Eine wichtige Ausnahme gilt für ausgewiesene Wanderwege: Führt ein solcher Weg über eine Weide und ist ein Zugang über ein Gatter oder eine Weidetür vorgesehen, dürfen Wandernde ihn nutzen.
Haftung: Wer zahlt bei einem Schaden?
Das hängt vom Einzelfall ab. Grundsätzlich gilt: Wer ein Tier hält, ist für dessen Schäden verantwortlich. Das gilt für Hundehalter ebenso wie für Landwirte.
Otmar König vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) in Freiburg erklärt: "Alle Tierhalter müssen für ihre Tiere, wenn diese Schäden verursachen, einstehen. Diese Haftung kann man nicht abschütteln, sondern man kann nur Vorsorge treffen, indem man eine Versicherung hat."