Samstag, 16 Uhr in Mundelfingen bei Hüfingen (Schwarzwald-Baar-Kreis). Das ganze Dorf schaut gespannt auf drei Kühe - Hilde, Heidi und Hanni. Für sie ist das heute ihr großer Auftritt, denn der Mundelfinger Sportplatz wird zum Tippschein – ihr Kuhfladen entscheidet über 3.500 Euro.
Heidi, Hilde und Hanni: Die Stars des Tages
Bevor Hanni, Hilde und Heidi den vielleicht wichtigsten Kuhfladen ihres Lebens setzen, bekommen sie eine Streicheleinheit von Bauer Hermann Strohmayer. "Die Verbindung zwischen uns ist eine ganz Besondere", erzählt er. "Die drei sind ganz ruhige Gemüter. Sie vertrauen mir."
Während sich der Sportplatz füllt und noch die letzten Lose ergattert werden, steht Strohmayer mit seinem Sohn Marius ein paar Meter abseits des Platzes bei seinen Kühen. "Wir haben die Damen ein paar Stunden vorher auf die Wiese neben dem Sportplatz gebracht, damit sie sich an die Geräusche gewöhnen können", erzählt Marius Strohmayer. "Stress haben sie keinen, das würden wir merken."
Kuhschiss-Lotto: Zwischen Spannung, Spaß und Schiss
Monatelang haben die Mundelfinger auf dieses Event hingearbeitet. Organisiert wurde es vom Förderverein des SV Mundelfingen. "Wir wollten etwas Großes auf die Beine stellen", erzählt Vorstand Rolf Merz. Die Idee hatte er im Internet entdeckt - im Dorf fand er sofort viele Mitstreiter.
Das Prinzip des Kuhschiss-Lotto ist einfach: 500 Felder, 500 Lose. Wer ein Los hat, bekommt per Zufall ein Feld zugeteilt. Dann treten die drei Hauptdarstellerinnen auf: Heidi, Hilde und Hanni. Genau im Blick haben alles die Schiedsrichter - hier "Schissrichter" genannt - Nikolai Strohmayer und seine zwei Linienrichter. In drei Durchgängen werden drei Gewinnfelder ermittelt. Jeder "Treffer" bedeutet einen Hauptpreis: 500 Euro, 1.000 Euro und 2.000 Euro.
Drei Treffer, zwei Sieger und Staunen bei der Jury
Und als viele in Mundelfingen schon dachten, verrückter könnte der Nachmittag nicht mehr werden, setzten Hilde und Hanni nacheinander ihren Fladen ins exakt gleiche Feld. Der Glückspilz des Tages: Uwe Schnottalla.
Ich kann es gar nicht fassen. Das ist der Wahnsinn!
Und nicht nur das: Zuvor hatte er bei einem Kuhgewicht-Schätzwettbewerb, der ebenfalls Teil des Rahmenprogramms war, auch gewonnen. "Ich glaube, heute muss ich noch richtiges Lotto spielen", sagte Schnottalla lachend. Auf die Frage, was er mit seinem Gewinn nun mache, antwortete er mit Augenzwinkern: "Das wird jetzt mit dem ganzen Verein an der Bar ausgegeben."
"Sowas gibt es nur in Mundelfingen"
Während rings um ihn herum gelacht, applaudiert und ungläubig diskutiert wurde, konnte Egon Bäurer, Juror des Kuhschiss-Lottos und ehemaliger Mathematiklehrer, das Geschehene noch immer nicht glauben. "Nach allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit gibt es das eigentlich nicht", meint er kopfschüttelnd.
Lose wurden weit über die Grenzen Mundelfingens verkauft. "Wir sind extra vom Bodensee für das Kuhschiss-Lotto angereist", erzählt ein Paar. "Ich habe den Überblick verloren, wie viel ich gekauft habe", gab eine weitere Besucherin zu. "Wahnsinn, was die hier auf die Beine gestellt haben", sagte ein Teilnehmer. "Sowas gibt es nur in Mundelfingen", pflichtete seine Mitstreiterin bei.
Aus Kuhfladen wird nun Kunstrasen
Auf einen neuen Kunstrasen kann sich der Sportverein Mundelfingen jetzt freuen. "Der hat jetzt seine letzten Tage gezählt", erklärt Kurt Kammerer vom Förderverein. "Die Einnahmen des Kuhschiss-Lotto fließen zu 100 Prozent in den Kunstrasen."
Wenn alles nach Plan läuft, rollt der Ball schon nach ein paar Wochen auf dem neuen Kunstrasen – und in Mundelfingen wird man wohl noch lange von dem Tag erzählen, an dem der "Schiss" von drei Kühen einen ganzen Kunstrasen bezahlt hat.