Vor dem Amtsgericht Tettnang (Bodenseekreis) ist am Montag eine frühere Ärztin des Klinikums Friedrichshafen wegen fahrlässiger Tötung zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft warf der Frau vor, dass sie bei einem im September 2023 eingelieferten 18-Jährigen keine Computertomographie (CT) angeordnet hatte. Mit dieser Untersuchung hätte die Schädelfraktur und Hirnblutung des jungen Mannes erkannt werden können.
Der 18-Jährige war nach einem Sturz vom Fahrrad nachts mit dem Rettungswagen in das Klinikum Friedrichshafen gebracht worden. Am frühen Morgen wurde er nach Ravensburg verlegt und starb dort.
Ärztin die ganze Nacht allein in der Notaufnahme?
Beim Prozessauftakt Ende April vor dem Amtsgericht Tettnang hatte die angeklagte Ärztin den Vorwurf der fahrlässigen Tötung zurückgewiesen, so ein Gerichtssprecher. Der junge Mann sei betrunken gewesen. Der Rettungsdienst habe sie mangelhaft über seinen Zustand informiert. Außerdem sei sie als Ärztin die ganze Nacht allein in der Notaufnahme zuständig gewesen.
Neben der Bewährungsstrafe muss die Verurteilte außerdem 20.000 Euro Schmerzensgeld an die Eltern des verstorbenen Jungen zahlen. Die Zulassung als Ärztin wurde ihr nicht entzogen, das hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. Das Urteil gilt noch nicht als rechtskräftig.
Weitere Ermittlungen gegen Ärzte des Medizin Campus Bodensee
Der Klinikverbund Medizin Campus Bodensee hatte in den vergangenen Jahren bereits mit Vorwürfen gegen Ärzte zu tun. Aktuell laufen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Ravensburg immer noch Ermittlungen wegen möglicher Fehlbehandlungen gegen zwei Ärzte. Hintergrund sind Vorwürfe einer verstorbenen Oberärztin gegen das Krankenhaus in Friedrichshafen.