Der Klinikverbund Medizin Campus Bodensee (MCB) mit Sitz in Friedrichshafen hat offiziell ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor.
Nun beginnt eine Neustrukturierung der Geschäfte des MCB mit Kliniken in Friedrichshafen und Tettnang (Bodenseekreis). Schon vor drei Wochen hatte der Friedrichshafener Gemeinderat den Weg für die Planinsolvenz freigemacht.
Hintergrund ist, dass durch fehlende Einnahmen aus der Zeppelinstiftung die Stadt die Verluste von rund 25 Millionen Euro pro Jahr nicht ausgleichen kann.
Planinsolvenz als Chance für den MCB?
Aktuell ist noch die Stadt Friedrichshafen Träger des MCB. Doch seit der Automobilzulieferer ZF in der Krise steckt, fehlen auch bei der Stadt die finanziellen Mittel. Hinzu kommt, dass die Verluste beim MCB seit Jahren steigen.
Der Gemeinderat zog die Reißleine und wollte die Zuständigkeit an den Bodenseekreis abgeben. Dieser weigerte sich zunächst. Doch seit die Planinsolvenz im Raum steht, wollen Kreis und Stadt gemeinsam an einer Lösung arbeiten.
Wir haben das gemeinsame, übergeordnete Ziel, ein nahes, verlässliches und medizinisch hochwertiges Versorgungsangebot im Bodenseekreis zu erhalten und damit dem MCB-Team eine Perspektive zu eröffnen.
Wie geht es mit dem Klinikbetrieb weiter?
Für Patienten soll sich durch den Schritt nichts ändern. Der Betrieb in den Kliniken in Friedrichshafen und Tettnang laufe ganz normal weiter, teilt der MCB mit. "Alle medizinischen Versorgungsleistungen werden unverändert und in vollem Umfang erbracht", sagt MCB-Geschäftsführer Jan-Ove Faust.
Trotzdem hat der Start des Verfahrens Folgen - unter anderem, dass Löhne und Gehälter der Mitarbeiter bis auf Weiteres mit Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bezahlt werden.
Gleichzeitig behält bei einer sogenannten Planinsolvenz das Unternehmen die Kontrolle. Es kann zum Beispiel über Sanierungsmaßnahmen und eine neue Ausrichtung selbst entscheiden.
Zusammenschluss mit OSK soll Zukunft sichern
Eine angestrebte Lösung: Der MCB soll künftig mit dem Oberschwabenklinikverbund (OSK) aus Ravensburg fusionieren oder so eng zusammenarbeiten, dass Doppelstrukturen vermieden werden können.
Entsprechende Gespräche laufen schon seit dem Frühjahr. Auch der Ravensburger Landrat Harald Sievers (CDU) hatte Zustimmung zu den Plänen signalisiert. Man gehe ergebnisoffen in die weiteren Gespräche und das Verfahren, betonen Friedrichshafens Oberbürgermeister Simon Blümcke und Landrat Luca Wilhelm Prayon in einer gemeinsamen Erklärung.