Premiere für 7.000 Zuschauer trocken und warm

Viel Applaus für "Der Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen

Zum Start der 78. Bregenzer Festspiele hat am Mittwochabend die Oper "Der Freischütz" auf der Seebühne Premiere gefeiert. Die Aufführung erhielt von den rund 7.000 Zuschauern viel Beifall.

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Von Autor/in Karin Wehrheim

Mit der romantischen Oper "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber, 1821 uraufgeführt, haben die diesjährigen Bregenzer Festspielen am Mittwoch begonnen. Die Premiere vor rund 7.000 Zuschauerinnen und Zuschauern erhielt viel Beifall. Sie blieb - anders als die letzten Proben - von Starkregen und Gewittern verschont.

So sah die Premiere der Oper "Der Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen 2024 aus
Abgestorbene Bäume, ein Kirchturm, der halb versunken ist und umzufallen droht - das Bühnenbild von Philipp Stölzl. Bild in Detailansicht öffnen
So sah die Premiere der Oper "Der Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen 2024 aus
Der Teufel reitet ein Pferdeskelett, das aus dem Wasser aufgetaucht ist - eines der besonderen Details des "Freischütz"-Bühnenbilds. Bild in Detailansicht öffnen
So sah die Premiere der Oper "Der Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen 2024 aus
Zwischendurch wird es gruselig: Wasserleichen tauchen auf und kriechen über die Seebühne. Bild in Detailansicht öffnen
So sah die Premiere der Oper "Der Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen 2024 aus
Samiel, der Teufel, erhebt sich auf einer Riesenschlange, die Feuer speit. Bild in Detailansicht öffnen
So sah die Premiere der Oper "Der Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen 2024 aus
In einem Feuerkreis gießt Max' Rivale Caspar die sieben Freikugeln. Bild in Detailansicht öffnen
So sah die Premiere der Oper "Der Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen 2024 aus
Am Ende wird es richtig kitschig, das sagt auch der Teufel "Samiel" so... Bild in Detailansicht öffnen
So sah die Premiere der Oper "Der Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen 2024 aus
Mal gruselig, mal märchenhaft: Badenixen in glitzernden Kostümen und mit leuchtendem Reif auf dem Kopf tanzen ein Wasserballett. Bild in Detailansicht öffnen
So sah die Premiere der Oper "Der Freischütz" auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele 2024 am Bodensee aus.
Vor rund 7.000 Zuschauerinnen und Zuschauern hatte 2024 "Der Freischütz" bei Sonnenuntergang am Bodensee Premiere (Archivbild). Bild in Detailansicht öffnen

Das Bühnenbild, das der Münchner Opern- und Filmregisseur Philipp Stölzl entworfen hat, ist ein schneebedecktes, verfallenes Dorf am Ende des Dreißigjährigen Kriegs.

Bregenzer Festspiele sind für Wirtschaft und Tourismus gut

Feierlich eröffnet worden war die 78. Festspielsaison traditionell vom österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen vor gut 1.800 geladenen Gästen am Mittwochvormittag im Festspielhaus. Er kritisierte in seiner Ansprache das überhand nehmende Schubladen-Denken, das Einteilen der Welt in Schwarz oder Weiß, Entweder-Oder.

Das 'Entweder-Oder' mag zwar ein willkommenes Ordnungssystem sein, aber: Es spaltet uns. [...] Es verhindert oft sogar, dass wir uns vernünftig verständigen.

Die Bregenzer Festspiele finden seit 1946 am Bodensee statt, sie sind auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Einer neuen Studie von Einzelhandel und Tourismus zufolge geben die Festspielgäste pro Saison etwa 30 Millionen Euro in Vorarlberg aus.

Und so sieht es hinter dem Bühnenbild zu "Der Freischütz" auf der Seebühne aus:

So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Nur wer mit einer Bühnenführung über den Steg seitlich der Seebühne geht, hat diesen Blick auf das "Freischütz"-Dorf und die Zuschauertribüne. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Von der Zuschauertribüne nicht zu erkennen ist die neue Hinterbühne. In den Containern ist Platz für Solisten-Garderoben, Requisiten-Lager, Kostümabteilung und mehr. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
"Achtung - bitte das See-Team nicht füttern!", steht ironischerweise auf der Hinterbühne, gemeint sind die Bühnentechniker. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Fein säuberlich beschriftet und sortiert warten die Röcke auf den Auftritt der Brautjungfern... Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Zwischen den Aufführungen hängen Rehe zum Trocknen hinter der Bühne, schließlich spielt "Der Freischütz" unter Jägern... Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Auch jede Menge Gewehre spielen mit. Alles natürlich Attrappen, ebenso wie die Eisschollen auf dem Wasser. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Das alte Wirtshaus dient auch das Materiallager für alles, was während der Aufführung gebraucht wird. Bild in Detailansicht öffnen
So sieht das Bühnenbild zu "Der Freischütz" von hinten aus.
Unter dem Bühnenbild geht es ab in den Bodensee. Diesen Weg müssen auch die Stuntleute als Wasserleichen nehmen. Bild in Detailansicht öffnen

Ein verfallenes Dorf im Winter - das ist als Bühnenbild auf der Seebühne im Hochsommer äußerst schräg. Aber nicht die einzige verrückte Idee der vergangenen Jahre bei den Bregenzer Festspielen.

So sahen ungewöhnliche Bühnenbilder bisher aus:

So sahen Bühnenbilder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele aus.
"André Chénier", die selten gespielte Oper von Umberto Giordano, machte den Bodensee zu einer Badewanne, in der ein Sterbender liegt - das Bühnenbild von 2011 und 2012. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Riesentisch und zwei Stühle als Bühnenbild der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne im Bodensee
Eine überdimensionale Bistroszene mit Tischen und Stühlen bildete 2001 und 2002 das Szenario zu der Puccini-Oper "La Bohème". Bild in Detailansicht öffnen
Ein Stück Chinesische Mauer ragt aus dem Bodensee - das Bühnenbild 201516 für die Oper "Turandot" bei den Bregenzer Festspielen.
Ein Stück Chinesische Mauer ragt aus dem Bodensee - das Bühnenbild 2015/16 für die Oper "Turandot" bei den Bregenzer Festspielen. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Art Ölraffinerie als Bühnenbild der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne im Bodensee
Eine knallrote Ölraffinerie war 2005 und 2006 das Bühnenbild für die Verdi-Oper "Der Troubadour" auf der größten Seebühne der Welt. Bild in Detailansicht öffnen
Ein gigantisches Auge war zentrales Element des Bühnenbildes für die Oper "Tosca" 2007 und 2008 auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele.
Ein gigantisches Auge war zentrales Element des Bühnenbildes für die Oper "Tosca" 2007 und 2008 auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele. Das Bühnenbild wurde auch für den James-Bond-Film "Quantum of Solace" und für Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz verwendet. Bild in Detailansicht öffnen
So sahen Bühnenbilder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele aus.
Drei Drachenhunde und eine Schildkröte - darauf spielte 2013 und 2014 Mozarts "Zauberflöte". Bild in Detailansicht öffnen
Bühnenbild der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne im Bodensee
Riesige Füße, Teile eines Kopfes, eine Hand - das Bühnenbild für Giuseppe Verdis "Aida" 2009 und 2010 wurde während der Aufführungen mit zwei großen Kränen zusammengesetzt. Es entstand eine Art New Yorker Freiheitsstatue. Bild in Detailansicht öffnen
Bühne als aufgeschlagenes Buch mit Skelett
1999 und 2000 sorgte das Bühnenbild zu Giuseppe Verdis Oper "Ein Maskenball" mit einem überdimensionalen Skelett für Aufsehen. Bild in Detailansicht öffnen
So sahen Bühnenbilder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele aus.
Zwei riesige Hände wirbeln Spielkarten durch die Luft - das Bühnenbild zu George Bizets "Carmen" 2017 und 2018. Bild in Detailansicht öffnen
Das Bühnenbild zu Verdis "Rigoletto" bei den Bregenzer Festspielen 2021
Der Clown ist aufgewacht. Das Bühnenbild zu Verdis "Rigoletto" bei den Bregenzer Festspielen 2019 und 2021. Die Seebühnen-Aufführung 2020 fiel wegen der Corona-Pandemie aus. Bild in Detailansicht öffnen
Wie in Abendsonne getaucht wirkt das Bühnenbild. Aus dem Blatt Papier ragt ein Fahnenmast mit der amerikanischen Flagge bei Madame Butterfly bei den Bregenzer Festspielen 2022
Ein gigantisches, leicht zerknülltes Blatt Papier ist das Bühnenbild für "Madame Butterfly" 2022 und 2023. Bild in Detailansicht öffnen

28 Mal wird "Der Freischütz" in diesem Jahr zu sehen sein. Die Aufführungen im Juli seien weitgehend ausverkauft, für August gebe es aber noch Karten, so die Festspiele. Regie führt der Münchner Opern- und Filmregisseur Philipp Stölzl. Er hatte auf der Seebühne bereits 2019 und 2021 Verdis "Rigoletto" inszeniert. Stölzl ist auch für das Bühnenbild verantwortlich.

'Der Freischütz' ist eine sehr dunkle Geschichte. Und da hat man hier einen Ort, der eigentlich nach dem Dreißigjährigen Krieg ist, aber auch nach einer Flutkatastrophe: Die Kirche ist schon halb untergegangen, die Särge schwimmen herum, der Friedhof ist überflutet, und du hast das Gefühl, zieh dich warm an, und du musst um deinen Platz in diesem Dorf ringen und alles steht gegen dich.

Insgesamt rechnen die Bregenzer Festspiele mit bis zu 220.000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Bis zum 18. August gibt es 83 Veranstaltungen, neben der Seebühne auch im Festspielhaus, im Kornmarkttheater, im Kunsthaus Bregenz und auf der Werkstattbühne.

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Bis zu 220.000 Menschen erwartet "Freischütz" und "Tancredi" - Proben für Bregenzer Festspiele laufen

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Die aufwendigen Bühnenbilder sind ein Markenzeichen der Bregenzer Festspiele. Der Fotograf Karl Forster hält seit 40 Jahren die Ereignisse auf und neben der Bühne am Bodensee fest.

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Autor/in
Karin Wehrheim
SWR-Redakteurin Karin Wehrheim Autorin Bild