Dunkle Wolken am Himmel, aber trocken - die Premiere der Verdi-Oper "La traviata" bei den diesjährigen Bregenzer Festspielen hat Wetterglück gehabt. Die letzten Proben waren entweder wegen Gewitters abgebrochen oder von viel Wind erschwert worden. Das 1853 in Venedig uraufgeführte Werk, das als eines der beliebtesten Werke der Operngeschichte gilt, ist erstmals auf der Seebühne zu sehen. "La traviata" erhielt langen Applaus der knapp 7.000 Premierengäste. "Das Bühnenbild, die Technik, das Licht, der Gesang, wunderbar", sagte eine Frau aus Friedrichshafen.
Sehr beeindruckend, tolle Bühne. Abgesehen von der Bühne war der Gesang der Wahnsinn. Ich bin kein Opernexperte, also für mich ist es in Bregenz immer tolle Musik und tolle Sängerinnen und Sänger. Aber auch so ein klassisches Stück irgendwie neu interpretiert mit einer modernen Bühne, finde ich ganz toll.
80. Bregenzer Festspiele mit Blick zurück eröffnet
Am Mittwochvormittag waren die 80. Bregenzer Festspiele am Bodensee feierlich eröffnet worden. Der österreichische Bundespräsident Alexander van der Bellen tat dies vor rund 1.700 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Festspielhaus. Zuvor hatte Festspielpräsident Hans-Peter Metzler die Geschichte des größten Kulturereignisses am Bodensee gewürdigt.
80 Jahre Bregenzer Festspiele - das sind 80 Jahre Mut, künstlerische Neugier, Leidenschaft, Beharrlichkeit und Vertrauen in die Kraft der Kunst.
Riesiger Spiegel ist das Bühnenbild für "La traviata"
Das Bühnenbild auf der Seebühne im Bodensee ist ein zerborstener Riesenspiegel. Der italienische Bühnenbildner Paolo Fantin lieferte die Idee dazu. Gefertigt wurde das fast 300 Tonnen schwere Bühnenbild seit dem Winter. Es kostet samt Abbau nach dem Sommer 2027 rund zehn Millionen Euro.
Oper auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele Ein berstender Riesenspiegel und ein Infinity Pool - So funktioniert das Bühnenbild zu "La traviata"
Ein gigantischer Spiegel dominiert das neue Bühnenbild der Bregenzer Festspiele. Wie erzählt das spektakuläre Setting von "La traviata" Violettas Geschichte - und welche Technik steckt dahinter?
Opernrarität ist im Festspielhaus zu sehen
Als zweite Premiere folgte am Donnerstag im Festspielhaus die selten gespielte satirische Oper "Die Ausflüge des Herrn Brouček" des tschechischen Komponisten Leoš Janáček. Sie war 1920 in Prag uraufgeführt worden. In Bregenz erhielt sie begeisterten Applaus. Insgesamt stehen bis zum 23. August fast 80 Veranstaltungen auf dem Programm der Festspiele, darunter zwei Uraufführungen, Schauspiel sowie Orchester- und Kammerkonzerte.
Zudem laden die Bregenzer Festspiele zum 80-jährigen Bestehen die Bevölkerung zu einem großen "Singalong am See" ein. Dabei werden am 1. August mehr als 6.500 Menschen aus der Bodenseeregion auf der Zuschauertribüne gemeinsam bekannte Opernchöre singen. Die Proben dafür laufen seit Wochen. Erklingen sollen unter anderem der Jägerchor aus "Der Freischütz", "Nessun dorma" aus "Turandot" und das berühmte Trinklied aus "La traviata".
"La traviata" längst ausverkauft - Karten für alles andere noch erhältlich
So früh wie noch nie in der Geschichte der Bregenzer Festspiele ist die Oper auf der Seebühne in diesem Jahr ausverkauft gewesen - bereits an Ostern. 188.000 Karten gab es. Fünfmal zwei exklusive Tickets gewinnen kann man allerdings noch mit etwas Glück bei SWR Kultur. Der Vorverkauf für "La traviata" 2027 beginnt am 23. August. Insgesamt erwarten die Festspiele bis dahin bis zu 228.000 Menschen.
Bregenzer Festspiele vor 80 Jahren: Mozart mit Schlachthofduft
1946 hatte das heute größte Kulturereignis am Bodensee begonnen, mit Mozarts Singspiel "Bastien und Bastienne" auf zwei Kieskähnen, die vor dem Bregenzer Ufer im Bodensee lagen. Der eine trug die Wiener Symphoniker, der andere ein Bühnenbild: stilisierte Bäume, ein paar Ornamente und Schleifen. 300 Zuschauer saßen damals auf Bänken aus Bierfässern und Brettern am Ufer, den Geruch des nahen Schlachthofes in der Nase.
Mehr als 2.000 Plakate wurden 1946 für die Bregenzer Festwoche, wie sie zuerst hieß, gedruckt. Die Bürgerinnen und Bürger waren aufgefordert, die Gehwege zu fegen und Bettler von den heranströmenden Gästen fernzuhalten. Die kamen fast ausschließlich aus der Schweiz, mit Tagespassierscheinen. Die Grenze zu Deutschland war noch dicht.
Und so spektakuläre Bühnenbilder gab es bereits auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele: