Riesenspiegel, Todeskugel und Wasserballett

Bregenzer Festspiele: Viel Applaus für "La traviata" auf der Seebühne im Bodensee

Am Mittwoch haben am östlichen Bodensee die 80. Bregenzer Festspiele begonnen. Am Eröffnungsabend war erstmals die Verdi-Oper "La traviata" auf der Seebühne zu sehen. Das Wetter hielt.

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Stand

Von Autor/in Karin Wehrheim

Dunkle Wolken am Himmel, aber trocken - die Premiere der Verdi-Oper "La traviata" bei den diesjährigen Bregenzer Festspielen hat Wetterglück gehabt. Die letzten Proben waren entweder wegen Gewitters abgebrochen oder von viel Wind erschwert worden. Das 1853 in Venedig uraufgeführte Werk, das als eines der beliebtesten Werke der Operngeschichte gilt, ist erstmals auf der Seebühne zu sehen. "La traviata" erhielt langen Applaus der knapp 7.000 Premierengäste. "Das Bühnenbild, die Technik, das Licht, der Gesang, wunderbar", sagte eine Frau aus Friedrichshafen.

Sehr beeindruckend, tolle Bühne. Abgesehen von der Bühne war der Gesang der Wahnsinn. Ich bin kein Opernexperte, also für mich ist es in Bregenz immer tolle Musik und tolle Sängerinnen und Sänger. Aber auch so ein klassisches Stück irgendwie neu interpretiert mit einer modernen Bühne, finde ich ganz toll.

Viel Applaus bei der Premiere von "La traviata" auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele im Bodensee.
Bühnenbild und Himmel spiegeln sich im Wasserbecken vor der Zuschauertribüne. Karin Wehrheim

80. Bregenzer Festspiele mit Blick zurück eröffnet

Am Mittwochvormittag waren die 80. Bregenzer Festspiele am Bodensee feierlich eröffnet worden. Der österreichische Bundespräsident Alexander van der Bellen tat dies vor rund 1.700 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Festspielhaus. Zuvor hatte Festspielpräsident Hans-Peter Metzler die Geschichte des größten Kulturereignisses am Bodensee gewürdigt.

80 Jahre Bregenzer Festspiele - das sind 80 Jahre Mut, künstlerische Neugier, Leidenschaft, Beharrlichkeit und Vertrauen in die Kraft der Kunst.

Riesiger Spiegel ist das Bühnenbild für "La traviata"

Das Bühnenbild auf der Seebühne im Bodensee ist ein zerborstener Riesenspiegel. Der italienische Bühnenbildner Paolo Fantin lieferte die Idee dazu. Gefertigt wurde das fast 300 Tonnen schwere Bühnenbild seit dem Winter. Es kostet samt Abbau nach dem Sommer 2027 rund zehn Millionen Euro.

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Opernrarität ist im Festspielhaus zu sehen

Als zweite Premiere folgte am Donnerstag im Festspielhaus die selten gespielte satirische Oper "Die Ausflüge des Herrn Brouček" des tschechischen Komponisten Leoš Janáček. Sie war 1920 in Prag uraufgeführt worden. In Bregenz erhielt sie begeisterten Applaus. Insgesamt stehen bis zum 23. August fast 80 Veranstaltungen auf dem Programm der Festspiele, darunter zwei Uraufführungen, Schauspiel sowie Orchester- und Kammerkonzerte.

Zudem laden die Bregenzer Festspiele zum 80-jährigen Bestehen die Bevölkerung zu einem großen "Singalong am See" ein. Dabei werden am 1. August mehr als 6.500 Menschen aus der Bodenseeregion auf der Zuschauertribüne gemeinsam bekannte Opernchöre singen. Die Proben dafür laufen seit Wochen. Erklingen sollen unter anderem der Jägerchor aus "Der Freischütz", "Nessun dorma" aus "Turandot" und das berühmte Trinklied aus "La traviata".

"La traviata" längst ausverkauft - Karten für alles andere noch erhältlich

So früh wie noch nie in der Geschichte der Bregenzer Festspiele ist die Oper auf der Seebühne in diesem Jahr ausverkauft gewesen - bereits an Ostern. 188.000 Karten gab es. Fünfmal zwei exklusive Tickets gewinnen kann man allerdings noch mit etwas Glück bei SWR Kultur. Der Vorverkauf für "La traviata" 2027 beginnt am 23. August. Insgesamt erwarten die Festspiele bis dahin bis zu 228.000 Menschen.

Bregenzer Festspiele vor 80 Jahren: Mozart mit Schlachthofduft

1946 hatte das heute größte Kulturereignis am Bodensee begonnen, mit Mozarts Singspiel "Bastien und Bastienne" auf zwei Kieskähnen, die vor dem Bregenzer Ufer im Bodensee lagen. Der eine trug die Wiener Symphoniker, der andere ein Bühnenbild: stilisierte Bäume, ein paar Ornamente und Schleifen. 300 Zuschauer saßen damals auf Bänken aus Bierfässern und Brettern am Ufer, den Geruch des nahen Schlachthofes in der Nase.

Mehr als 2.000 Plakate wurden 1946 für die Bregenzer Festwoche, wie sie zuerst hieß, gedruckt. Die Bürgerinnen und Bürger waren aufgefordert, die Gehwege zu fegen und Bettler von den heranströmenden Gästen fernzuhalten. Die kamen fast ausschließlich aus der Schweiz, mit Tagespassierscheinen. Die Grenze zu Deutschland war noch dicht.

Und so spektakuläre Bühnenbilder gab es bereits auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele:

So sahen Bühnenbilder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele aus.
"André Chénier", die selten gespielte Oper von Umberto Giordano, machte den Bodensee zu einer Badewanne, in der ein Sterbender liegt - das Bühnenbild von 2011 und 2012. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Ein Riesentisch und zwei Stühle als Bühnenbild der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne im Bodensee
Eine überdimensionale Bistroszene mit Tischen und Stühlen bildete 2001 und 2002 das Szenario zu der Puccini-Oper "La Bohème". picture alliance/dpaweb Bild in Detailansicht öffnen
Ein Stück Chinesische Mauer ragt aus dem Bodensee - das Bühnenbild 201516 für die Oper "Turandot" bei den Bregenzer Festspielen.
Ein Stück Chinesische Mauer ragt aus dem Bodensee - das Bühnenbild 2015/16 für die Oper "Turandot" bei den Bregenzer Festspielen. Pressestelle Bregenzer Festspiele/Marcel Hagen Studio Bild in Detailansicht öffnen
Eine Art Ölraffinerie als Bühnenbild der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne im Bodensee
Eine knallrote Ölraffinerie war 2005 und 2006 das Bühnenbild für die Verdi-Oper "Der Troubadour" auf der größten Seebühne der Welt. Pressestelle Bregenzer Festspiele/andereart Bild in Detailansicht öffnen
Ein gigantisches Auge war zentrales Element des Bühnenbildes für die Oper "Tosca" 2007 und 2008 auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele.
Ein gigantisches Auge war zentrales Element des Bühnenbildes für die Oper "Tosca" 2007 und 2008 auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele. Das Bühnenbild wurde auch für den James-Bond-Film "Quantum of Solace" und für Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz verwendet. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
So sahen Bühnenbilder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele aus.
Drei Drachenhunde und eine Schildkröte - darauf spielte 2013 und 2014 Mozarts "Zauberflöte". Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Bühnenbild der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne im Bodensee
Riesige Füße, Teile eines Kopfes, eine Hand - das Bühnenbild für Giuseppe Verdis "Aida" 2009 und 2010 wurde während der Aufführungen mit zwei großen Kränen zusammengesetzt. Es entstand eine Art New Yorker Freiheitsstatue. Pressestelle Bregenzer Festspiele/Karl Forster Bild in Detailansicht öffnen
Bühne als aufgeschlagenes Buch mit Skelett
1999 und 2000 sorgte das Bühnenbild zu Giuseppe Verdis Oper "Ein Maskenball" mit einem überdimensionalen Skelett für Aufsehen. Pressestelle Bregenzer Festspiele/Benno Hagleitner Bild in Detailansicht öffnen
So sahen Bühnenbilder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele aus.
Zwei riesige Hände wirbeln Spielkarten durch die Luft - das Bühnenbild zu George Bizets "Carmen" 2017 und 2018. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Das Bühnenbild zu Verdis "Rigoletto" bei den Bregenzer Festspielen 2021
Der Clown ist aufgewacht. Das Bühnenbild zu Verdis "Rigoletto" bei den Bregenzer Festspielen 2019 und 2021. Die Seebühnen-Aufführung 2020 fiel wegen der Corona-Pandemie aus. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen
Wie in Abendsonne getaucht wirkt das Bühnenbild. Aus dem Blatt Papier ragt ein Fahnenmast mit der amerikanischen Flagge bei Madame Butterfly bei den Bregenzer Festspielen 2022
Ein gigantisches, leicht zerknülltes Blatt Papier ist das Bühnenbild für "Madame Butterfly" 2022 und 2023. Karin Wehrheim Bild in Detailansicht öffnen

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Karin Wehrheim
SWR-Redakteurin Karin Wehrheim Autorin Bild
Ein Film von
Zimmermann, Lothar

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