Mehr als 300 Besucherinnen und Besucher waren am Donnerstag nach Friedrichshafen gekommen, um sich über Verteidigung auszutauschen. Die Frage: Wie wird Deutschland verteidigungsfähig? Dazu eingeladen hatten Studierende der Friedrichshafener Zeppelin Universität.
Haltung zu Krieg und Militärindustrie hat sich gewandelt
Militärische Stärke, Wehrhaftigkeit, Aufrüstung der Bundeswehr. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat sich die Haltung zu Krieg und Militärindustrie in Deutschland stark gewandelt. Allein in Baden-Württemberg arbeiten rund 42.000 Beschäftigte in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie - ein Viertel aller Beschäftigten der Branche in Baden-Württemberg.
Anlass für vier Studenten, an ihrer Uni erstmals Experten zu einem Defence Summit einzuladen. Vor einem Jahr hatten sie mit der Planung der Veranstaltung angefangen, nachdem sie über den Krieg in der Ukraine diskutiert hatten. Auf dem Programm standen Vorträge und Diskussionen zu Themen wie "Industrielle Verantwortung", "Wie wird Deutschland verteidigungsfähig" oder "Markeintritt Defence – Chancen, Hürden und Wege."
Verteidigung ja, aber ethische Grenzen dennoch wichtig
Zu den Rednern auf dem Summit zählten unter anderem der polnische Botschafter, der baden-württembergische Finanzminister, aber auch Johannes Müller von Airbus Defence und Space, einem Unternehmen, das in Immenstaad (Bodenseekreis) im Rüstungsbereich tätig ist. Müller sprach auch über ethische Grenzen – etwa bei KI-gestützten Drohnen.
Müller plädierte dafür, dass Vertreter von Politik, Industrie und Gesellschaft in Europa frühzeitig darüber reden sollten, wie viel die KI darf: "Wir müssen alles Menschenmögliche tun, um die KI im Zweifel auch noch kontrollieren und stoppen zu können".
Rüstungsfirmen sind keine "Schmuddelkinder" mehr
Dass sich seit Beginn des Kriegs in der Ukraine etwas in Deutschland getan hat, merkt Harald Buschek vom Rüstungsunternehmen Diehl Defence mit Sitz in Überlingen am Bodensee (Bodenseekreis). Er sagt, früher seien Rüstungsfirmen die "Schmuddelkinder" gewesen. Er freute sich über den Austausch mit anderen Firmen vom Bodensee, aber auch mit den Studierenden, denn Nachwuchskräfte brauche das wachsende Unternehmen immer, auch wenn das Interesse an Jobs bei Diehl Defence zunehme.
Uni-Präsidentin Anja Achtziger lobte den Einsatz der Studenten, die die Veranstaltung auf die Beine gestellt haben. Sie sieht in dem Format nicht nur eine Möglichkeit, Studierende mit möglichen Arbeitgebern aus der Rüstungsindustrie zusammenzubringen, sondern auch ein Chance "unsere Studierenden aus der Komfortzone rauszuholen". So könnten die Studierenden sich auch mal mit so einem kritischen Thema wie Verteidigung, Verteidigungstechnologie und Sicherheit zusammen, so die Präsidentin.
Eines lernten die vier Organisatoren auch: Es war gar nicht so leicht, solch ein Forum aus dem Boden zu stampfen. So sagte Student Vinzenz Spannagel vom Orga-Team: "Man muss die richtigen Partner finden, man muss das Vertrauen der Personen gewinnen. Und deswegen hat das sich echt noch ein bisschen gezogen. Die letzten drei Monate waren da dann sehr, sehr intensiv. Das waren dann die konkreten Planungen, um so eine Veranstaltung hier auf die Beine zu stellen."