Rüstungsstandort Bodensee

Diehl Defence: Wie die Rüstungsschmiede in Überlingen noch größer werden will

Diehl Defence in Überlingen will weiter expandieren. Das Rüstungsunternehmen plant die Übernahme eines Experten für Kampfmittelbeseitigung. Diehl Defence ist schon länger auf Wachstumskurs.

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Das Rüstungsunternehmen Diehl Defence aus Überlingen (Bodenseekreis) will nach eigenen Angaben weiter wachsen. Es hat vor, die Tauber-Gruppe, einen Spezialisten für Kampfmittelräumung, zu übernehmen. Das hat das Unternehmen mitgeteilt.

Die Tauber-Gruppe ist laut Diehl Defence ein Komplettanbieter im Bereich Kampfmittelräumung. Sie bietet in Deutschland von der Luftbildauswertung über die Bergung von Bomben bis hin zum Entschärfen alle Dienstleistungen an.

Die Unternehmensgruppe hat fast 700 Mitarbeiter und erwirtschaftet etwa 100 Millionen Euro im Jahr. Sie soll eine Tochtergesellschaft von Diehl Defence werden. Noch muss das Bundeskartellamt der Übernahme zustimmen.

Diehl Defence in Überlingen wächst

Diehl Defence ist schon länger auf Wachstumskurs. Vor fast zwei Jahren hat das Rüstungsunternehmen den Überlinger Präzisionsteilehersteller Allweier übernommen, vor einigen Monaten kam e.sigma Systems, ein Spezialist für militärische Trainings- und Simulationstechnologien, dazu. Darüber hinaus baut Diehl Defence seinen Hauptstandort in Überlingen weiter aus.

Zudem hatte das Unternehmen Mitte August angekündigt, dass die US-amerikanische Luftverteidigungsrakete "Stinger" möglicherweise bald am Standort Überlingen hergestellt werden könnte. Das Unternehmen hatte die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit dem Unternehmen Raytheon in den USA bekannt gegeben.

Die "Stinger"-Flugabwehrrakete dient zur Abwehr von Kampfflugzeugen und Drohnen. Sie ist etwa eineinhalb Meter lang, kostet um die 150.000 US-Dollar und kann von der Schulter eines Soldaten abgeschossen werden.

Bisher werden Stinger-Raketen ausschließlich vom US-amerikanischen Unternehmen Raytheon hergestellt, das zum weltgrößten Verteidigungskonzern RTX im US-Bundestaat Virginia gehört.

Wie Diehl Mitte August weiter mitteilte, werden alle Unternehmensstandorte, also auch der in Überlingen, dahingehend überprüft, ob dort eine "Stinger"-Produktion möglich ist.

Umsatzsprung durch Rüstungsgeschäft

Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Diehl-Gruppe mit ihren Standorten in Überlingen, Laupheim und Wangen im Allgäu laut Geschäftsbericht vom Juli rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz erzielt - ein Plus von 21 Prozent.

Haupttreiber sei die Rüstungssparte Diehl Defence gewesen, mit rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz. Diehl baut am Standort in Überlingen zum Beispiel das Raketenabwehrsystem Iris-T SLM, das auch in der Ukraine im Einsatz ist. Auch die Luftfahrtsparte Diehl Aviation habe zugelegt.

Andere Konzernbereiche wie Diehl Controls in Wangen im Allgäu, die Elektronik für Haushaltsgeräte herstellten, haben laut Geschäftsbericht dagegen mit schwieriger Wirtschaftslage zu kämpfen.

Nach Angaben der Stadt beschäftigt Diehl in Überlingen um die 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Diehl Defence wichtig für Rüstungsindustrie in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg sind laut Wirtschaftsministerium insgesamt rund 14.500 Menschen in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie beschäftigt. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs habe die Branche stark an Fahrt aufgenommen. Das meldete die Deutsche Presseagentur (dpa) Mitte Juli.

Demnach gilt Diehl Defence Überlingen als einer der wichtigsten Standorte im Land. Geschäftsführer Helmut Rauch sprach gegenüber der dpa von einer sehr guten Auftragslage. Auch die Zahl der Bewerbungen nehme zu - ein Zeichen, dass sich das Bild der Verteidigungsindustrie ändere.

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SWR

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