Am Dienstag wurde auch in der Region Bodensee-Oberschwaben der Menschen gedacht, die von den Nationalsozialisten während des Holocaust ermordet wurden. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit.
Gedenkveranstaltungen erinnerten beispielsweise an ermordete Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Allein 691 Menschen aus der ehemaligen Heil-und Pflegeanstalt Weißenau in Ravensburg wurden Opfer der Nationalsozialisten. Für jeden von ihnen läutete am Dienstag die Glocke der Münsterkirche in Weißenau einmal.
Hunderte Opfer waren in Vorgängereinrichtungen heutiger Psychiatrien
Ähnliche Veranstaltungen zum Gedenken an Verbrechen, die in den Vorgängereinrichtungen heutiger Zentren für Psychatrie (ZfP) geschahen, gab es auch an anderen Orten. So zum Beispiel in Heggbach im Kreis Biberach, wo es 250 Opfer aus der damaligen Pflegeanstalt und dem Kinderheim in Ingerkingen gab. An sie wurde mit einem öffentlichen Gedenkgottesdienst in der Kirche in Heggbach erinnert.
Bewohnerinnen und Bewohner aus Psychiatrien und Heimen wurden ermordet
Die Seelsorgerin des heutigen Wohnverbunds der St. Elisabeth-Stiftung in Heggbach betonte in einer Mitteilung, die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung dürfe sich nicht wiederholen. Niemand habe das Recht über den Wert von Leben zu entscheiden:
Jedes Leben, vor allem auch Leben von Menschen mit Behinderung, auch mit einer ganz schweren Behinderung, ist lebenswert.
Mit Schicksalen von Opfer aus Konstanz beschäftigte sich eine szenische Lesung. Diese fand im Landgericht Konstanz statt. Ensemble-Mitglieder des Theaters Konstanz inszenieren unter anderem Texte aus dem Gedenkbuch "Es konnte alle treffen" von Sabine Bade und Roland Didra, über die Opfer der sogenannten Euthanasie-Morde und Zwangssterilisationen vor Ort.
Im ZfP Reichenau haben sich heutige Patienten und Mitarbeitende mit den Biografien damals ermordeter Patienten beschäftigt. Über 500 Menschen aus der Vorgängereinrichtung der Psychiatrie wurden von den Nazis getötet. Deren Schicksale waren teil des diesjährigen Gedenkaktes. Er fand am Mahnmal vor Haus 20 statt.
Autorin berichtet von Großmutter - einer überzeugten Nationalsozialistin
In Lindau las die Historikerin Barbara Bonhage. Sie hat sich in ihrem Buch "Zwischen Herd und Hakenkreuz" mit der Biografie ihrer Großmutter beschäftigt. Die war eine überzeugte Nationalsozialistin - und sie hinterließ hunderte von Briefen. Mit ihrem Buch wolle sie auch die Frage aufwerfen, wie anfällig wir alle für radikale Ideologien sein können, so die Autorin.
Vor 1.500 Schülerinnen und Schülern Holocaust-Überlebende Eva Erben erzählt in Friedrichshafen aus ihrem Leben
Sie hat die Hölle von Auschwitz überlebt und erzählt davon: Eva Erben, heute 94 Jahre alt, hat am Donnerstag in Friedrichshafen vor Schülern von ihren Erfahrungen gesprochen.
Wie der Holocaust auch die folgenden Generationen beschäftigt, darum ging es an der Uni Konstanz. Dort berichtete die Enkelin von Holocaustüberlebenden die Geschichte ihrer Familie. Sie lebt mittlerweile in Konstanz und erzählte von ihrem Weg zurück in das Land, in dem ihre Großeltern schreckliche Verbrechen überlebten.
Die zentrale Gedenkveranstaltung des Landtags fand dieses Jahr in Herbolzheim statt. Besonders die Verfolgung der Jenischen sollte in diesem Jahr dort in den Fokus gerückt werden. Deren Geschichte sichtbarer zu machen, dazu gibt es auch in der Region Bemühungen, zum Beispiel wurde in Singen ein jenisches Kulturzentrum eröffnet.