Die St. Galler Stadtpolizei hat am frühen Sonntagmorgen die Kirche St. Leonhard geräumt. Zuvor hatte eine Gruppe die Kirche besetzt gehalten.
Gruppe fordert mehr Kulturveranstaltungen in ehemaliger Kirche
Wie der Eigentümer Giovanni Cerfeda am Montag dem SWR bestätigte, hatte er im Vorfeld der Besetzung eine E-Mail von der Gruppe bekommen. Er habe sie allerdings erst im Nachhinein gelesen. In der Nachricht habe die Gruppe gefordert, wieder mehr öffentliche Kulturveranstaltungen in der Kirche stattfinden zu lassen. "Inhaltlich verstehe ich den Punkt, dass es schade ist, dass die Kirche so viel leer steht", so Cerfeda, "aber das Vorgehen, das verstehe ich nicht." Er habe der Gruppe ein Treffen vorgeschlagen, warte aber noch auf eine Antwort.
Nach Berichten des "St. Galler Tagblatts" hatte Cerfeda vor 20 Jahren beim Kauf der Kirche versprochen, aus ihr ein Kultur- und Eventzentrum zu machen. Doch bis auf eine Musical-Aufführung und einen Techno-Livestream während der Corona-Pandemie habe es in den vergangenen 20 Jahren keine Veranstaltungen gegeben, die etwas mit Kultur zu tun gehabt hätten.
Kirchenbesetzer brachen in Kirche ein
Laut Polizei hatte die Gruppe sich kurz vor Mitternacht Zugang zur Kirche verschafft. Die teils maskierten Menschen sollen mit einem Lieferwagen vorgefahren, ein Türschloss aufgebrochen und so in die Kirche eingedrungen sein. Um die Kirche St. Leonhard hätten sich danach immer mehr Menschen versammelt, um sich mit den Kirchenbesetzern zu solidarisieren. Schließlich befanden sich um die Kirche rund 50 Menschen.
Der Eigentümer beantragte bei der Polizei die Räumung der Kirche. Die Stadtpolizei verhandelte daraufhin mehrere Stunden mit der Besetzergruppe. Sie verließ die Kirche kurz nach 6 Uhr. Vorher hatte der Eigentümer in Aussicht gestellt, auf eine Anzeige zu verzichten. Bei dem Polizeieinsatz wurde niemand verletzt. An der Kirche entstand laut Stadtpolizei nur ein geringer Schaden am Türschloss.