Uwe Fritz aus Langenargen (Bodenseekreis) ist als junger Mann bei der Bundeswehr gewesen. Bei einem Tag der offenen Tür am Bundeswehrstandort Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) informierte sich der 57-Jährige im vergangenen Jahr über die Aufgaben des Heimatschutzes. Dort ist die Heimatschutzkompanie "Schwäbische Alb" im Dienst. Der Hauptfeldwebel dort ermutigte ihn und sagte, mit Mitte 50 sei man nicht zu alt für den Heimatschutz. Fritz beschloss, sich zu bewerben.
Gesellschaft mit Heimatschutz-Dienst etwas zurückgeben
Schon zuvor war ihm eine Anzeige vom Verband der Reservisten aufgefallen. Dort stand "Die Zeiten ändern dich" statt "...sich", erzählt Uwe Fritz dem SWR. Das habe ihn angesprochen, auch mit Blick auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Und außerdem will Uwe Fritz seiner Tochter und den beiden kleinen Söhnen ein Vorbild sein.
Er wolle seinen Kindern zeigen, dass man nicht nur in einer glücklichen Konsum- Freizeitgesellschaft lebt, sondern vielleicht auch was zurückgibt. Die Reaktionen seiner Kinder seien bislang positiv, auch seine Frau stehe hinter seinen Plänen. Und das sei schon wichtig, dass die Familie dazu stehe, so Fritz.
Wie die Ausbildung zum Heimatschützer abläuft, zeigt dieser SWR-Film:
Fit für Heimatschutz: Positiver Bescheid beim medizinischer Check
Nach mehreren Monaten des Wartens hat der Grafiker und Kommunikationsberater vom Bodensee nun erfolgreich in Stuttgart den medizinischen Check bestanden. Der Arzt habe ihm eine noch ziemlich gute Grundkonstitution bescheinigt und ihm gesagt, er müsse sich vor manchen Jüngeren, die sich bewerben, nicht verstecken - das habe ihn positiv gestimmt, sagt Uwe Fritz schmunzelnd. Als nächstes stehe nun die Einkleidung in Stetten am kalten Markt an.
Vielfältige Aufgaben beim Heimatschutz
Heimatschutzkräfte sind Reservisten und Reservistinnen, die im Ernstfall Bundeswehrsoldaten entlasten sollen. Etwa, indem sie Kasernen oder kritische Infrastruktur wie Elektrizitätswerke absichern oder Fahrzeuge oder Personen kontrollieren. Auch im Katastrophenfall können sie eingesetzt werden und im Notfall überlastete Behörden unterstützen.
Unterstützung für die Bundeswehr Neue Heimatschutzkompanie in Pfullendorf offiziell im Dienst
In Pfullendorf gibt es seit Mittwoch eine sogenannte Heimatschutzkompanie. Sie ist in der Stauferkaserne untergebracht und unterstützt die Bundeswehr in der Region im Krisenfall.
Zwei Heimatschutzkompanien im Kreis Sigmaringen
Heimatschützer unterstützen aber auch Soldaten in der Ausbildung, etwa in der Staufer Kaserne in Pfullendorf. Dort ist seit Ende vergangenen Jahres die zweite Heimatschutzkompanie im Kreis Sigmaringen im Dienst. Oberst Christian Schoebel ist in Pfullendorf seit März Kommandeur im Ausbildungszentrum spezialisierte Operationen. Er kann mithilfe von Heimatschützern etwa bei Überlebenslehrgängen Kräfte einsparen, die er sonst selbst stellen müsste. Heimatschützer werden dann zum Beispiel eingesetzt, um Lehrgangsteilnehmer aufzuspüren.
Anlässe, um als Heimatschützer auch in und um Pfullendorf eingesetzt zu werden, gibt es viele: Rund 2.500 Soldaten und Soldatinnen kommen hier laut Christian Schoebel pro Jahr für Lehrgänge ins Ausbildungszentrum spezialisierte Operationen. Neben Trainingseinheiten für spezialisierte und Spezialkräfte gibt es auch Überlebenslehrgänge für das gesamte Flugpersonal der Bundeswehr. Aus ganz Deutschland kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und werden hier auch entsprechend ausgestattet. Und im sogenannten "Dome" können sie simulieren, wie man im Notfall per Fallschirm landet.
Auch Frauen können Heimatschützerinnen werden, wie Isabell in diesem SWR-Film erzählt:
Jeder kann Heimatschützer werden
Einen Heimatschutz-Lehrgang können Männer wie Frauen auch machen, wenn sie zuvor nicht in der Bundeswehr gedient haben. Uwe Fritz aus Langenargen hingegen ist Stabsunteroffizier der Reserve und hat für Heimatschutz schon weitergehende Pläne: Er möchte dort einen Feldwebel-Lehrgang machen, dann sei er selber Ausbilder und Zugführer.