In Josef Kuglers Wohnstube in Rosna hängen ein Kreuz und eine Marienfigur. Der gläubige Katholik sagt, sein Glaube habe ihm Kraft gegeben. 1996 wurde bei dem Landwirt Leukämie diagnostiziert.
Mit starkem Fieber ging Josef Kugler damals im Frühjahr zum Arzt. Untersuchungen und eine Knochenmarkpunktion ergaben: Kugler hatte eine akute lymphatische Leukämie (ALL). Was dann passierte, habe Ärzte von einem "Wunder" sprechen lassen. Die Behandlung mit Antibiotika schlug an, Kugler ging es von Tag zu Tag besser, auf eine Chemotherapie wurde verzichtet.
Die Leukämie kehrt zurück
Im Frühjahr 1997 kamen das Fieber und die Leukämie zurück. Josef Kugler musste im April wieder nach Tübingen in die Uniklinik.
Es folgten mehrere Chemotherapien. Erst nach zehn Wochen durfte Kugler für ein Wochenende zu seiner Frau Erna und den vier Kindern nach Hause. Betriebshelfer, Verwandte und Freunde hielten den Hof am Laufen. "Alle haben zusammengeholfen", erzählt Kugler.
Stammzellenspende wird zur letzten Hoffnung
Er musste aber wieder zurück in die Klinik. Und die Ärzte teilten ihm mit: Nur eine Stammzellenspende könne ihn retten. Die Suche nach einer geeigneten Stammzellenspende in der Familie und weltweit blieb zunächst erfolglos.
Bei seiner damals 14-jährigen Tochter Maria wurde eine weitgehende Übereinstimmung festgestellt. Im Rahmen einer Studie konnte ein in den USA erprobtes Transplantationsverfahren angewandt werden. Seine Tochter habe der Stammzellenspende zugestimmt.
Schwere Zeit nach der Stammzellentransplantation
Die Bestrahlungen und die Zeit nach der Transplantation waren ein Leidensweg. Organe versagten, sein Mund entzündete sich, er konnte nichts mehr essen. Zwei Wochen nach der Transplantation konnte und wollte der gläubige Katholik nicht mehr: "Ich habe mich in der Klinik von meiner Frau verabschiedet. Ich sagte ihr: 'Ich begebe mich in Gottes Hände'. Ich wollte alles loslassen."
"Von da an ging es mir langsam wieder besser", erinnert sich Kugler. Im Blut hätten sich wieder Leukozyten gebildet. Bis November 1997 blieb er in der Klinik. Dann durfte er zurück zu seiner Familie nach Rosna.
Bruder Klaus gibt Josef Kugler Kraft
In diesen Monaten habe er viel zu dem von ihm besonders verehrten Heiligen Niklaus von Flüe, auch als Bruder Klaus bekannt, gebetet: "Meine Kinder und meine Frau brauchen mich doch noch", habe er gefleht. Überhaupt seine Frau. "Sie war immer stark", sagt Josef Kugler.
"Man betet täglich 'Vater unser Himmel....Dein Wille geschehe'. Aber wenn der Ernstfall eintritt, dann sieht alles anders aus.
Es war aber nicht nur der Glaube, der dem langjährigen Ortsvorsteher von Rosna geholfen hat. Dankbar ist Kugler auch den Ärzten und Pflegekräften, die ihn behandelt haben. "Ich hatte gute und liebe Ärzte, Schwestern und Pfleger", betont er. Noch heute pflegt er Kontakte. Und er nimmt auch alljährlich am Transplantiertentreffen in Tübingen teil.
Aus Dankbarkeit baut Kugler die "Bruder-Klaus-Kapelle"
In Gesprächen mit seiner Frau entstand die Idee für eine Kapelle. Freunde bauten sie außerhalb von Rosna, denn Kugler war noch zu schwach, um mitzuarbeiten. Am 7. Oktober im selben Jahr war es so weit: Die Kapelle wurde eingeweiht, sie trägt den Namen "Bruder-Klaus-Kapelle".
25 Jahre später strahlt Josef Kugler, wenn er in seiner Kapelle steht und ihre Geschichte erzählt. Viele Menschen suchen die Kapelle auf, um zur Ruhe zu kommen oder zu beten. Da sie keine Tür hat, ist sie Tag und Nacht geöffnet. Kugler erzählt seine Geschichte, um anderen Menschen Hoffnung zu machen.