Nach dem Tod eines vierjährigen Kindes am Bahnübergang in Sipplingen (Bodenseekreis) fordert der Bürgermeister Oliver Gortat (parteilos) Konsequenzen. Er will Schranken, neben denen man nicht so einfach auf die Gleise laufen kann - auch wenn der Bahnübergang geschlossen ist.
Bisher ist der Bahnübergang in Sipplingen mit einer sogenannten Halbschranke geschützt. Diese senkt sich nur über die Fahrbahn, auf der sich der Verkehr dem Bahnübergang nähert. Die Vierjährige war im Mai trotzdem mit einem Laufrad auf die Gleise gerollt - obwohl die Schranke geschlossen war.
Untersuchung nach Tod von Kind an Bahnübergang: Schranke hat funktioniert
Eine sogenannte Verkehrsschau hatte ergeben, dass die Schranke ordnungsgemäß funktioniert hat. Vor Ort hatten sich in einer Unfallkommission Vertreter der Deutschen Bahn, des Eisenbahnbundesamtes, der Polizei, der Straßenverkehrsbehörde Überlingen und der Gemeinde Sipplingen getroffen.
Die Deutsche Bahn prüft nach eigenen Angaben aktuell, wie der Bahnübergang in Sipplingen im Zuge des Ausbaus und der Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn umgerüstet werden kann. Ein solcher Umbau sei komplex und benötige mehr Planung, so eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf SWR-Anfrage.
Bürgermeister in Sipplingen fordert schnelleres Handeln
Für Bürgermeister Oliver Gortat ist das zu spät. Er fordert, schnell für mehr Sicherheit zu sorgen. Er will deshalb auch noch einmal ein Schreiben an die Bahn richten.
Wir dürfen die Sicherheit an diesem gerade in der Hauptsaison während der Ferien und Wochenenden hochfrequentierten Punkt nicht an ein langfristiges Elektrifizierungsprojekt koppeln.
Laut Bahn ist das nicht so einfach. Denn eine solche Schranke müsse aufwendig in das Sicherheitssystem der Strecke eingebaut werden, so eine Sprecherin. Das betreffe zum Beispiel die Technik, die sie auslöst, wenn sich ein Zug nähert. Außerdem habe auch eine Vollschranke Nachteile - ist sie erst einmal zu, sei es deutlich schwieriger, Menschen oder Fahrzeuge schnell wieder von den Gleisen zu bekommen, wenn sie doch einmal dort hingeraten.
Trotz tödlichem Unfall: Bahn will weiter Halbschranken einsetzen
Außerdem müsste man an einer Halbschranke weniger lang warten. Deshalb sehe man Halbschranken nicht grundsätzlich als ungeeignet an, heißt es von der Bahn. Über den Unfall sei man bestürzt, jeder einzelne sei einer zu viel. Zur Unfallprävention setze man unter anderem auf Experten, die in Kitas, Grundschulen und Bahnhöfen auch Kinder auf die Gefahren an Bahnübergängen informierten.