Bei dem kurzen, aber heftigen Unwetter am Freitagvormittag in Friedrichshafen hat ein Hagelschauer auch den Hof von Familie Knoblauch im Teilort Berg getroffen. Davon sind besonders mehrere Hektar Birnenfelder betroffen - sie waren gerade reif für die Ernte. Es sei sehr schade, ein Jahr Arbeit ganz knapp vor der Ernte zerstört zu sehen, sagte Jonas Knoblauch im Gespräch mit dem SWR. Die Familie hatte die Birnen während der Hitzeperiode extra bewässert und die Früchte wuchsen gegen alle Erwartungen zahlreich und groß. Aber nun habe das Unwetter eine gute Ernte verhagelt, erzählt der Landwirt.
Birnen müssen aufwendig sortiert werden
"Wir waren ganz froh, dass wir so große Früchte hinbekommen haben durch die Bewässerung und am Montag hätten wir jetzt voll gestartet mit der Ernte hier in der Anlage. Und jetzt, kurz vor knapp, kommt ein Hagel, der Totalschaden angerichtet hat. Das ganze Jahr Arbeit wurde in fünf Minuten zerstört", so Jonas Knoblauch. Zum Glück sei etwa ein Drittel der Birnenfelder des Familienbetriebs unter Hagelnetzen geschützt gewesen. Dort könne die Ernte wie geplant stattfinden.
Beim Rest müsse nun aufwendig sortiert werden, ob die Birnen noch verkauft werden können oder alles direkt zu Most verarbeitet werden müsse, erklärt der Landwirt. Der Hagel hinterließ auf jeder einzelnen Birne kleine Risse und Dellen. Diese entwickeln sich schnell zu fauligen Stellen, darum könne das Obst nicht gelagert werden. Auch einen Teil der frisch geernteten Äpfel hat der Hagel erwischt.
Das ganze Jahr war voller Herausforderungen. Wir produzieren in der Natur, es ist einfach schwierig.
Letztlich könne man die Natur nicht beeinflussen, dafür andere Faktoren, so Knoblauch. Die Familie wolle künftig weiter in Hagelnetze und Bewässerung investieren, um für Hitze und Unwetter in den kommenden Jahren gewappnet zu sein. "Es ist natürlich bitter so kurz vor der Ernte, es ist wirklich schwierig für unseren Hof. Aber letztendlich muss man nach vorne blicken und daraus lernen." Wie hoch der Schaden genau ist, könne die Familie noch nicht sagen. Zuerst müssten alle Birnen einzeln angeschaut werden.
"Die Ernte ist vorbei"
In Bambergen bei Überlingen hat das Unwetter den Hof von Benjamin Klotz schwer getroffen. "Die Ernte ist vorbei", sagte er dem SWR. Walnüsse, Zwetschgen, Nektarinen, Pfirsiche, Mirabellen, Brombeeren, Birnen, Himbeeren - alles sei kaputt durch das Unwetter. Auch die Gebäude der Hofstelle, darunter mehrere neue Ferienhäuschen, seien teils stark beschädigt worden. Er geht von einer sechsstelligen Summe als Schaden aus. Das Unwetter setzte auch den Hofladen unter Wasser. Zum Glück seien schnell Handwerker gekommen, um das Dach und die Elektrik zu reparieren, erzählen die Pächter.
Auch Weinlese vom Unwetter betroffen
Der Hagel hat auch in Überlingen (Bodenseekreis) Auswirkungen: Dort wurde die Weinlese durcheinandergebracht. Viele Trauben seien aufgeplatzt und müssten nun schneller geerntet werden, um zu retten, was zu retten ist, sagte Viola Kress vom gleichnamigen Weingut in Überlingen-Ost dem SWR. Sie habe deshalb zusätzliche Helfer zusammengetrommelt. Insgesamt müsse sie sich jedoch erst noch einen Überblick über den Gesamtschaden verschaffen.
Feuerwehren ziehen nach Unwetter erste Bilanz Unwetter in Bodenseeregion: Umgefallene Bäume, vollgelaufene Keller, Hagel
Abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, Hagel, vollgelaufene Keller: In der Bodenseeregion hat am Freitag ein Unwetter einige Schäden angerichtet. Die Feuerwehr zieht erste Bilanz.
Die Hopfenbauern in Tettnang (Bodenseekreis) sind bei dem schweren Unwetter am Freitag dagegen mit einem blauen Auge davongekommen. Etliche Hopfenpflanzen, bis zu acht Meter hoch, seien zwar umgeknickt, aber nicht zerstört, sagte Wolfgang Ruther, Vorsitzender des Tettnanger Hopfenpflanzerverbandes, am Samstagvormittag dem SWR: "Gestern haben wir noch mal Glück gehabt. Wir hatten, glaube ich, zehn Liter Regen innerhalb von fünf Minuten, begleitet mit einem starken Sturm. Das hat manche Stöcke quasi runtergerissen." Aber trotzdem sei es noch glimpflich ausgegangen. Glück im Unglück, so Wolfgang Ruther: "Es ist sonst nichts kaputt gegangen. Es gab auch schon Jahre bei Kollegen, da sind die Gärten komplett umgefallen." Der Schaden sei aktuell gering.