Es geht um Millionen, es geht um das ganz große Geschäft mit Kokain. Und es geht um den Bodensee. Das sind die Zutaten für den neuen SWR-Podcast "Mafia Land - Koks und Küsschen". Die dritte Staffel dreht sich um einen Mann, der am Bodensee gelebt hat und von dort aus zu einem der ganz großen Player im Kokain-Handel wurde. Der Podcast ist ab sofort in ARD Sounds zu hören.
Die beiden Hosts, Helena Piontek und Stefan Orner, haben monatelang recherchiert und haben Einblick in italienische Ermittlungsakten bekommen. Sie sind nach Rotterdam und Amsterdam gefahren - und nach Turin zu den italienischen Ermittlern. Aber zuerst waren sie am Bodensee - in Überlingen (Bodenseekreis) und in Stockach-Seelfingen (Kreis Konstanz). Denn hier hat der Mann, um den es im Podcast geht, seine ganz legale und harmlos wirkende Fassade aufgebaut.
Harmlose Fassade im beschaulichen Bodensee-Hinterland
Er trägt den Spitznamen "Bacetto", italienisch für Küsschen. Bacetto hatte Pizzerien in Radolfzell (Kreis Konstanz) und in Überlingen in bester Lage an der Uferpromenade. Er hat im beschaulichen Seelfingen gelebt und von dort aus mit italienischen Lebensmitteln gehandelt. Helena und Stefan haben mit Menschen gesprochen, die ihn dort erlebt haben. Und sie haben sich mit den Ermittlern an seiner ehemaligen Wohnung getroffen. Diese Ermittler erzählen, wie Bacetto observiert wurde, denn sie waren an der "Operation Platinum" beteiligt. Das war eine internationale Polizeiaktion gegen die kalabrische Mafia-Organisation 'Ndrangheta, die im Mai 2021 stattfand.
Ab diesem Tag war klar, dass Bacetto alles andere als harmlos ist. Er war ein Betrüger, ein Steuerhinterzieher, ein mutmaßlicher Geldwäscher, er nötigt Landsleute, seine Waren zu kaufen und er war einer der großen Player im Kokainhandel von Südamerika nach Europa. Er hat die Drogen an den großen Häfen, wie Rotterdam oder Hamburg, persönlich abgeholt. Und dabei ist er nicht gerade zimperlich vorgegangen.
Im Podcast geht es unter anderem um ein menschliches Pfand, also einen Mann, der mehr oder weniger freiwillig festgehalten wird, bis die Drogen sicher angekommen sind. Der Konstanzer Oberstaatsanwalt Hans-Jörg Roth sagt über Bacetto und seine Komplizen, das seien "brutale Menschen, auch im Umgang untereinander, wie sie über andere Menschen reden. Das sind keine Guten".
Clans verdienen mit Kokain Milliarden
Bacetto kommt eigentlich aus San Luca, das gilt als die Hochburg der kalabrischen 'Ndrangheta. Er hat nicht alleine gearbeitet, sondern mit der ganzen Familie, also mit seinen drei Brüdern, mit Neffen und Cousins. Kokain ist für die 'Ndrangheta die Haupteinnahmequelle. Die Clans machen insgesamt Milliarden mit diesem Geschäft. Und jeder, der Kokain konsumiert, muss sich im Klaren sein, dass er mit dem Konsum das Organisierte Verbrechen unterstützt - also ein System, das auf ganz vielen Ebenen auch unserem Staat, unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft schadet.
Im Podcast "Mafia Land - Koks und Küsschen" wird auch klar, dass dieses schmutzige Geschäft nicht nur in irgendwelchen anonymen Großstadtvierteln stattfindet, sondern eben auch in einem kleinen baden-württembergischen Dorf im Hinterland des Bodensees.